Thiagos Ausfall beim FC Bayern Schmerzhafter als jeder Punktverlust

Thiago (re.): Bitterer Nachmittag gegen Hoffenheim

(Foto: imago sportfotodienst)

Schwerer als der mäßige Auftritt gegen die TSG Hoffenheim wiegt beim FC Bayern die Verletzung von Dosenöffner Thiago. "Ohne ihn sind wir ein schwächeres Team", sagt Trainer Guardiola - zum wichtigsten Zeitpunkt der Saison fällt sein Wunschspieler wochenlang aus.

Aus dem Stadion von Johannes Knuth

Thiago Alcantara wusste sofort Bescheid. Bayerns Mittelfeldlenker war nach rund 20 Minuten mit Hoffenheims Kevin Volland zusammengerasselt, Thiago war zu Boden gesunken, er fasste sich ans Knie. Profisportler können Spielsituationen sehr schnell einordnen, ob ein Pass gut war, ob ein Schmerz eine schwere Verletzung nahelegt oder nicht. Thiago fasste sich also ans Knie, er verließ den Platz ohne fremde Hilfe, aber er humpelte.

Dann vergrub er sein Gesicht in beiden Händen.

Es war ein schlechter Samstagnachmittag für den FC Bayern, beim 3:3 (3:2) gegen 1899 Hoffenheim. Pep Guardiolas Mannschaft hatte es tatsächlich gewagt, nach dem vorzeitigen Titelgewinn unter der Woche zwei Punkte zu verschenken - entgegen sämtlichen Weisungen ihres Trainers ("Müssen uns jeden Tag verbessern!"). Hoffenheim nötigte den Bayern nach 19 Bundesliga-Siegen in Serie mal wieder ein Unentschieden ab.

Hinzu kamen ein paar Premieren: erster Punktverlust der Saison zu Hause, zum ersten Mal in der Spielzeit drei Gegentore in einem Ligaspiel. Die größten Schmerzen bereitete den Bayern allerdings der Spieler, der nach 20 Minuten vom Platz gehumpelt war. Thiago hat sich das Innenband im rechten Knie angerissen, er wird einen Gips tragen und bis zu acht Wochen ausfallen, vielleicht länger. Womöglich für den Rest der Saison.

Thiago entblößt die Defensive

Entsprechend bedrückt äußerten sich seine Kollegen nach der Partie: "Thiagos Ausfall ist heute der größte Verlust für uns, nicht das Unentschieden", sagte Arjen Robben. "Das ist natürlich ein katastrophaler Zeitpunkt, so kurz vor den wichtigen Spielen", assistierte Thomas Müller. Guardiola sprach von einer "schlimmen Nachricht", und Philipp Lahm sagte: "Das ist bitter. Er hat dieses gewisse Etwas."

Dieses gewisse Etwas hatte Thiago gegen Hoffenheim nach zehn Minuten vorgeführt. Aushilfs-Kapitän Bastian Schweinsteiger war mit dem Ball auf den linken Flügel ausgewichen. Er erspähte Thiago, der sich zentral vor dem Hoffenheimer Strafraum positionierte. Während der Ball auf Thiago zurollte, blickte der kurz nach rechts, er nahm den Ball an, blickte wieder nach rechts, dann lupfte er den Ball - allerdings nach links, wo Schweinsteiger den Ball unbehelligt annahm und über das Tor feuerte.

Zwei Blicke, zwei Bewegungen, so entblößt Thiago Defensiv-Verbünde. Er fordert Bälle, fahndet nach Räumen, und wenn er eine Leerstelle in der gegnerischen Abwehr erspäht, leitet er den Ball oft mit nur einer Berührung weiter. Im besten Fall führt das zu Toren, im schlechtesten Fall behält seine Mannschaft den Ball. Nun fehlt dem FC Bayern bis zum Saisonfinale der Dosenöffner, der beste Koordinator für das Ressort Ballbesitz.

Blättert man durch den Terminkalender für diesen Zeitraum, sind dort vermerkt: das Champions-League-Viertelfinale, das Halbfinale, das Finale, zudem das Endspiel im DFB-Pokal. "Ohne Thiago sind wir weniger, weniger", Guardiola überlegte kurz, dann sagte er: "Wir sind ein schwächeres Team." Keine optimalen Bedingungen, wenn man das sogenannte Triple verteidigen möchte.

Gemütlich wie beim Schlendern an der Isar

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