Fußball-Bundesliga Hoffenheim knackt die Bayern-Serie

Das erste Mal gestolpert: Der FC Bayern und Claudio Pizarro (l.) gehen gegen 1899 Hoffenheim das erste Mal nach zuletzt 19 gewonnen Spielen in Serie nicht als Sieger vom Platz.

(Foto: dpa)

Der FC Bayern spielt nach 19 Siegen hintereinander unentschieden gegen die TSG Hoffenheim und verliert einen wichtigen Mittelfeldspieler. Braunschweig trotzt Leverkusen einen Punkt ab, Frankfurt vergibt den Sieg in Wolfsburg.

FC Bayern - TSG Hoffenheim 3:3

Nach dem Turbo-Titel ist die Siegesserie von Bayern München gerissen. Drei Tage vor dem Viertelfinal-Hinspiel in der Champions League bei Manchester United kamen die Münchner nach zuvor 19 Siegen in Serie nicht über ein 3:3 (3:2) gegen 1899 Hoffenheim hinaus. Immerhin blieb der Rekordmeister zum 53. Mal nacheinander ungeschlagen.

Allerdings müssen die Bayern gegen Manchester auf Mittelfeldspieler Thiago verzichten. Der 22-jährige Spanier zog sich beim 3:3 am Samstag gegen 1899 Hoffenheim nach einer ersten Diagnose des Mannschaftarztes Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt einen Innenbandteilriss im linken Knie zu. Genaueres soll eine Kernspinuntersuchung am Sonntag ergeben. Wie lange Thiago ausfällt, konnte Müller-Wohlfahrt noch nicht sagen. "Thiagos Verletzung war unser größter Verlust heute, nicht die Punkte", sagte Arjen Robben.

Gemütlich wie beim Schlendern an der Isar

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Mit seinem Treffer zum 3:3 in der 74. Minute hatte Roberto Firmino die stolze Siegesserie der Münchner beendet. Der FC Bayern trat vor 71 000 Zuschauern erstaunlich nachlässig und unkonzentriert auf. Man darf aber wohl davon ausgehen, dass gegen Manchester United eine andere Elf auf dem Platz stehen - und mit einer anderen Einstellung spielen wird.

Nach zahlreichen Nachlässigkeiten und dem Treffer zum 0:1 von Anthony Modeste (23.) drehten die Bayern auf: Claudio Pizarro (31. und 40.) und Xherdan Shaquiri (34.) erzielten innerhalb von neun Minuten drei Treffer. Kurz vor der Pause kam das stets munter und frech mitspielende Hoffenheim durch einen Freistoß von Sejad Salihovic noch einmal heran (44.), Firmino bestrafte dann die nicht nachlassenden Nachlässigkeiten der Bayern. Die Großchance zum Bayern-Sieg ließ Arjen Robben aus (86.). Auf der Gegenseite verhinderte Ersatztorwart Tom Starke mit einer Glanzparade gegen Sebastian Rudy die erste Münchner Niederlage seit dem 28. Oktober 2012 (90.).

Bayern wirkt zu lässig

Guardiola hatte wie erwartet seine Mannschaft wieder kräftig durchgemischt. So standen neben Pizarro und Shaqiri auch Daniel van Buyten und Diego Contento in der Anfangsformation, Jerome Boateng und Toni Kroos saßen nicht einmal auf der Bank. Auffälliger als die Umstellungen war: Die Bayern wirkten bisweilen etwas lässig, dabei hatte Sportvorstand Matthias Sammer versichert: "Wir werden nicht locker lassen."

Genau dieses Lockerlassen allerdings war anfänglich zu beobachten. Die Bayern wirkten, als sei der 20. Sieg in Serie in der Bundesliga eine Selbstverständlichkeit. Es war eine gewisse Lässigkeit zu spüren, es fehlte doch die letzte Entschlossenheit und Aggressivität. Hinzu kam eine Hoffenheimer Mannschaft, die den Abstieg nicht mehr fürchten muss und befreit aufspielte - was den Bayern gar nicht behagte.

Die umformierte Abwehr leistete sich früh einen groben Schnitzer: Bedrängt von Modeste schubste van Buyten den Ball zu Starke zurück, dieser schoss bei seinem Befreiungsschlag am Fünfmeter-Raum Modeste an - der Ball aber kullerte neben den Pfosten (11.). Und Hoffenheim blieb gefährlich: Zunächst verpasste Modeste einen Freistoß von Sejad Salihovic knapp vor Starke (20.).

Kurz darauf war es dann passiert: Nach einem Pass von Kevin Volland lief wieder Modeste von der Mittellinie allein auf Starke zu: Den ersten Schuss konnte der Torhüter noch abwehren, den Abpraller aber schon der Franzose locker ins Tor. Danach ging Thiago mit einem Innenbandteilriss im linken Knie vom Feld, es kam Philipp Lahm - und die Bayern ließen nun erkennen, dass auch dieses Spiel ernst zu nehmen war.

Nachdem sie anfangs ein paar Haken zu viel geschlagen hatten, gingen die Münchner nun viel entschlossener und schnörkelloser zu Werke. Die Folge: Flanke Shaquiri, Kopfballtor Pizarro; Vorlage Pizarro und Tor Shaquiri; danach Vorlage des starken Franck Ribery, wieder Tor Pizarro - drei Treffer in neun Minuten. Hoffenheim? Spielte weiter munter mit, auch wenn Modeste in der 32. Minute verletzt vom Feld gegangen war.

Die Bayern aber bekamen trotz der Führung das Spiel nicht wie gewohnt in den Griff. Beim Freistoßtreffer von Salihovic war Starke machtlos, er bekam in der zweiten Halbzeit dann weiter erstaunlich viele Möglichkeiten, sich auszuzeichnen. Beim Treffer von Firmino hatte er wieder keine Chance.

Bayer Leverkusen - Eintracht Braunschweig 1:1

Bayer Leverkusen hat die Krise noch längst nicht überwunden. Gegen den Tabellenletzten Eintracht Braunschweig reichte es am Samstag nur zu einem 1:1 (0:0). Vor 30 210 Zuschauern in der ausverkauften BayArena brachte Ken Reichel (47.Minute) die Gäste in Führung, Stefan Kießling konnte per Handelfmeter (52.) ausgleichen. Kein großer Trost dürfte es für die Werkself gewesen sein, dass sie nach zuvor fünf Heimpleiten in Serie wenigstens einen Punkt holte.

Dabei hatte Leverkusens Coach Sami Hyypiä der Startelf der vergangenen Woche erneut vertraut und wieder Kapitän Simon Rolfes auf der Bank Platz nehmen lassen. Rolfes-Stellvertreter Hernández Guardado (3.) riskierte immerhin mal einen Schuss aus 20 Metern, verfehlte aber das Braunschweiger Gehäuse ebenso knapp wie Teamkollege Gonzalo Castro (6.) mit einem 25-Meter-Freistoß. Mehr zwingende Chancen gab es in Hälfte eins für Bayer 04 gegen eine gut postierte Eintracht-Abwehr nicht.

Die Braunschweiger kämpften wacker, hatten aber in den ersten 45 Minuten nur eine erwähnenswerte Gelegenheit zu einem Treffer: Jan Hochscheidt (18.) versuchte mit einem Fernschuss den etwas zu weit vor der Torlinie stehenden 04-Keeper Bernd Leno zu überlisten, doch der Ball strich über das rechte Lattenkreuz.

Nach dem Wiederanpfiff wurde das Spiel munterer - vor allem mit dem sehenswerten 1:0 für die Gäste durch Reichel. Er hämmerte den Ball volley nach Flanke von Mirko Boland aus spitzem Winkel unter die Latte. Nun wachten auch die Leverkusener auf und trauten sich was:

So zog Lars Bender (49.) aus gut 20 Metern ab, Eintracht-Schlussmann Daniel Davari hatte alle Mühe, den Ball noch um den Pfosten zu lenken. Drei Minuten später musste er doch hinter sich greifen. Bayer-Stürmer Kießling verwandelte einen von Marcel Correia verursachten Handelfmeter souverän und erzielte seinen 13. Saisontreffer. Braunschweig musste von der 62. Minute an ohne Trainer Torsten Lieberknecht auskommen. Er wurde wegen eines Disputs mit dem vierten Mann auf die Tribüne verbannt und musste da um den Punktgewinn bangen.