Stürmer beim FC Bayern Gomez wirkt wie auf dem Absprung

Erst sitzen beide auf der Ersatzbank, dann nur noch einer: Claudio Pizarro (links) und Mario Gomez in Turin.

(Foto: dpa)

Bayern-Stürmer Mario Mandzukic ist im ersten Halbfinale der Champions League gelbgesperrt, eine Chance für Mario Gomez, sollte man meinen. Doch Trainer Jupp Heynckes wechselte lieber Claudio Pizarro ein. Und so fremdelt der Nationalstürmer immer stärker in diesem eingespielten Team.

Von Andreas Burkert, Turin

Mit Anatoli Timoschtschuk verließ er gleich nach Eröffnung des Büfetts den Festsaal "Dragoni de Nizzacavalleria", statt Rindertartar oder Seebrassenfilets an Zucchinigratin bevorzugte Mario Mandzukic früh die Abgeschiedenheit des Hotelzimmers. Der Kroate Mandzukic und der Ukrainer Timoschtschuk, in der Mannschaft durchaus nicht unbeliebt und redselig, pflegen öffentlich gern ihre introvertierte Seite, wobei die Konversation auf Russisch sie eint im Eigenbrötlertum.

Aber philosophische Erläuterungen zum Leben erwartet gerade von Mandzukic niemand beim FC Bayern; was er auf dem Rasen zum Gelingen beiträgt, erfreut sie ohne Abstriche. Präsident Uli Hoeneß erinnerte sich nachts noch einmal an den vor einem Jahr eingefädelten Deal, zu dem er den Schafkopf-Spielpartner (und früheren Mandzukic-Teamkollegen) Hasan Salihamidzic befragt habe. Das Urteil des einstigen Bayern-Profis: "Den kannst du blind kaufen, der wird immer hart arbeiten."

Gesagt, getan, und gerade die Serie gegen Juventus darf der Nationalstürmer als bedeutenden Karriereschritt werten. Nachdem er im Hinspiel als unermüdlicher Partisan in vorderster Linie glänzte, ist Mandzukic' Pensum in Turin zwar nicht annähernd so umfangreich gewesen. Dafür ertrug er abermals wie ein Mann, wehrhaft und gelegentlich sogar vergnügt die Ellenbogenschwünge des mehr prügelnden als kickenden Kontrahenten Chiellini: "Ich mag das, das pusht mich nach vorne. Wenn jemand so hart ist, bin ich noch besser."

Nebenbei stand er wieder goldrichtig beim 1:0, das dieses Duell zeitig entschied; nach Schweinsteigers Freistoß und der von Buffon unzureichend entschärften Abnahme durch Martínez.

Den rasanten Wertzuwachs der Aktie Mandzukic, 27, dokumentierte hinterher auch das leise Lamento über seine frühe gelbe Karte, die für ihn die dritte im Wettbewerb war und somit eine Sperre im ersten Halbfinale nach sich zieht. Eine Chance für Mario Gomez, sollte man meinen, den im Saisonverlauf von Jupp Heynckes zum Reservisten abgestuften Serienschützen der Vorsaison. Doch Gomez hat schmallippig verfolgt, wie Heynckes nicht ihn, sondern Claudio Pizarro in den kurzen Schlussakt schickte. Ein Novum auf diesem Niveau - und somit der nächste Eingriff des Trainers in die Hierarchie seiner Angreifer.

Pizarro, 34, neulich gegen den HSV viermal erfolgreich, bedankte sich angemessen: Er traf in der Nachspielzeit zum 2:0.

Gomez, 27, das ist unverkennbar, verliert weiter an Terrain, nicht nur auf dem Rasen - wie zuletzt in Frankfurt -, sondern auch atmosphärisch fremdelt er inzwischen im Team. Dass er nach der Saison trotz des bis 2016 verlängerten Vertrags fortzieht aus München, wird immer wahrscheinlicher. Zunächst aber wird das eigentlich mäßig brisante Derby am Samstag gegen Nürnberg erste Aufschlüsse über die Stürmerwahl von Trainer Heynckes fürs Halbfinal-Hinspiel geben. Gomez darf gegen den Club vermutlich starten. Pizarro, der Schelm, wartet ab.

Mario Mandzukic wird eher nur zusehen, er ist sicherlich am kommenden Dienstag wieder erste Wahl, wenn gegen die alten Kumpel aus Wolfsburg der Einzug ins Berliner Pokalfinale angestrebt wird. Mandzukic könnte gegen den FCN nur ein Problem bekommen: Wenn es dumm läuft für ihn, darf Timoschtschuk spielen. Und dann ist es ein bisschen einsam auf der Bank da draußen.