FC Bayern in der Einzelkritik:Wachsam wie Bambi auf der Waldlichtung

Torwart Manuel Neuer fehlen noch ein paar graue Haare zum Rentner-Status, Philipp Lahm arbeitet sich erfolgreich an seinem Italiener-Trauma ab und Arjen Robben schießt erst Richtung Groningen und dann an den Pfosten - bei Mario Mandzukic wechseln sich Ärger und Freude ab. Die Bayern beim 2:0 gegen Juventus Turin in der Einzelkritik.

Von Jonas Beckenkamp

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FC Bayern in der Einzelkritik:Manuel Neuer

Juventus v FC Bayern Muenchen - UEFA Champions League Quarter Final

Quelle: Bongarts/Getty Images

Torwart Manuel Neuer fehlen noch ein paar graue Haare zum Rentner-Status, Philipp Lahm arbeitet sich erfolgreich an seinem Italiener-Trauma ab und Arjen Robben schießt erst Richtung Groningen und dann an den Pfosten - bei Mario Mandzukic wechseln sich Ärger und Freude ab. Die Bayern beim 2:0 gegen Juventus Turin in der Einzelkritik.

Von Jonas Beckenkamp

Manuel Neuer: Spitzbübisch wie er ist, hatte der Bayern-Keeper vor der Partie "Coolness und Cleverness" gefordert. Das passte, schließlich ist er einer der unerschrockensten Münchner. Durfte sich gefreut haben, dass er vom Status eines "Rentners" (Franz Beckenbauer über Juve-Torwart Buffon) noch ein paar graue Haare entfernt ist. Unterstrich diese Feststellung mit einer Blitz-Abwehr gegen Pirlos Freistoß-Ungetüm, das anderen Menschen wohl die Hände zerfetzt hätte. Auch sonst wachsam wie ein Bambi auf der Waldlichtung. Cool und clever? Einfach bei Manuel Neuer nachfragen!

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FC Bayern in der Einzelkritik:Philipp Lahm

Bayern Munich's Lahm controls the ball during their Champions League quarter-final second leg soccer match against Juventus in Turin

Quelle: REUTERS

Philipp Lahm: Als vor knapp einem Jahr gegen Chelsea alles zusammenkrachte, war vielerorts von der europaweiten Titelkrise der Generation "Lahmsteiger" zu lesen. Doch diesmal tat der Kapitän alles, um an diesem Makel zu rütteln - Gelb-Vorbelastung hin oder her. Wuselig wie immer, dabei aber stets defensiv pflichtbewusst und zweikampffreudig. Arbeitete sich an diesem erfreulichen Abend endlich an seinem Italiener-Trauma ab - all die Balotellis, Pirlos und Chiellinis bereiten ihm von nun an keine Bauchschmerzen mehr.

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FC Bayern in der Einzelkritik:Daniel van Buyten

Juventus FC vs Bayern Munich

Quelle: dpa

Daniel van Buyten: So ein kantiges Auslaufmodell hätten viele Vereine wohl gerne in ihrem Team. Mit 35 Jahren verrichtet er in diesen Tagen allerbeste belgische Wertarbeit - mitunter beeindruckt er sogar als massiver Abwehrfelsen. Oder hat irgendjemand im Hinspiel etwas von den Herren Quagliarella und Matri gehört? Diesmal mehr gefordert, nicht immer ganz sicher und mit kleineren Kratzern an seiner Wert-Performance: Ein Schlag auf den Fuß ließ ihn erst etwas humpeln, dann bescherte ihm ein Ellbogentreffer reichlich Kopfschmerzen. Noch vor dem Halbzeitpfiff trottete er angeknockt vom Rasen, die Nehmerqualitäten des stets robusten Wrestlersohns aus Chimay waren überschritten.

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FC Bayern in der Einzelkritik:Dante

Juventus FC vs Bayern Munich

Quelle: dpa

Dante: Um es einmal klar zu stellen: Brasilianisch ausgesprochen heißt der Jimi Hendrix unter den Bayern-Verteidigern "Daaaantsch". Dieser "Daaaantsch" ist in Turin nicht ganz so berühmt wie sein Namensvetter Dante Alighieri, dem sie immerhin eine prunkvolle Straße gewidmet haben. Aber erinnern werden sie sich trotzdem an diese Münchner Prellwand mit den Prachtlocken. Agierte zumeist aufmerksam gegen Turins Anrennerei und verlor selten den Überblick - war damit eine wichtige Konstante im wellenhaften Bayern-Spiel.

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FC Bayern in der Einzelkritik:David Alaba

Juventus v FC Bayern Muenchen - UEFA Champions League Quarter Final

Quelle: Bongarts/Getty Images

David Alaba: Dürfte ganz entschieden darauf gehofft haben, dass es nicht zu einem Elfmeterschießen kommen würde - gegen Frankfurt war er zum ersten Mal bei elf Versuchen gescheitert. Hatte im Spiel aber zunächst andere Sorgen: Musste sich erst hineinfinden in dieses komplizierte Gewurstel auf engem Raum und bekam dafür von Heynckes einige deutliche Worte zu hören. Stabilisierte sich danach auch dank verbessertem Stellungsspiel und bedankte sich spätestens nach dem 0:1 beim Fußballgott: Die Sache mit dem Elfmeterschießen war damit gegessen.

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FC Bayern in der Einzelkritik:Javier Martínez

Juventus Turin - FC Bayern München

Quelle: dpa

Javier Martínez: Nach seiner Sperre zurück im Team und gleich präsent wie eine Rampensau auf den Bühnen der Welt. Neben dem Strategen Schweinsteiger vor allem als Aufräumarbeiter gefragt - denn es gab einiges wegzuschaffen gegen Juves giftige Partycrasher in der Zentrale. Als die Bayern (auch dank ihm selbst) ein wenig geordneter auftraten, nahm er sich auch die Freiheit, nach vorne mitzumachen. Seine eingesprungene Volleyabnahme nach Schweinsteigers Freistoß wehrte Buffon direkt auf Mandzukics Kopf ab - der Assist des überzeugenden Spaniers führte somit zum 0:1.

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FC Bayern in der Einzelkritik:Bastian Schweinsteiger

Bayern Munich's Schweinsteiger is challenged by Pirlo of Juventus during their Champions League quarter-final second leg soccer match in Turin

Quelle: REUTERS

Bastian Schweinsteiger: Im Vergleich zum Hinspiel "müsse man noch eine Schippe drauflegen", hatte er beinahe Sammer-esk gewarnt. Wirklich. Nach DEM Riesen-Auftritt der Bayern. Noch besser? Ein etwas hoher Anspruch, selbst für den auch diesmal um Übersicht bemühten Schiffskapitän auf der Münchner Brücke. In Sachen Passsicherheit nicht immer in Hinspiel-Form - gerade zu Beginn mit einigen problematischen Abspielen. Umso akkurater dann sein Freistoß, der zum 0:1 durch Mandzukic führte. Verbrachte den Rest der Begegnung wieder damit, den Kahn gemächlich durchs Wasser zu steuern.

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FC Bayern in der Einzelkritik:Arjen Robben

Bayern Munich's Robben is challenged by Chiellini and Asamoah of Juventus during their Champions League quarter-final second leg soccer match in Turin

Quelle: REUTERS

Arjen Robben: Toni Kroos verletzt - na klar, dass da ein gewisser Kahlkopf aus Groningen in die erste Elf rutscht. Daran besteht aus Sicht jenes gewissen Kahlkopfs aus Groningen auch gar kein Zweifel. Führte sich gleich mit einem kerzengeraden Querschläger ein, als wolle er die Höhe der friesländischen Deiche testen. Ihn schmerzte das fehlende Tempo im Bayern-Spiel am meisten und so versuchte er es erfolglos auf die alte Arjen-Robben-Art: Dribbling, Zug nach innen, Schuss. Einer dieser Versuche platschte an den Pfosten, der Rest segelte Richtung Groningen. Als die Räume größer wurden, hatte auch er endlich einen freudvolleren Abend - da spielte er sogar öffnende Pässe.

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FC Bayern in der Einzelkritik:Thomas Müller

Juventus Turin - FC Bayern München

Quelle: dpa

Thomas Müller: Toni Kroos verletzt - na klar, dass Thomas Müller da auf die Zehnerposition rückt. Daran besteht aus Sicht von Trainer Heynckes kein Zweifel. Als Regisseur irgendwie nicht ganz so leichtfüßig wie über außen, zudem hinten als erster Bewacher eines gewissen Bartträgers beim Gegner gefragt. Aber ein Thomas Müller ist nicht nur Zuspieler und Aufpasser, sondern eben auch ein langbeiniger Alleskönner. Mit dieser Qualität verwirrte er zumindest ein paar Mal die harten Jungs der Juve. Ein Treffer blieb ihm nach Robbens Passgemälde in der 67. Minute und einem Direktschuss nach 78. Minuten aber verwehrt.

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FC Bayern in der Einzelkritik:Franck Ribéry

Bayern Munich's Ribery and Pogba of Juventus fight for the ball during their Champions League quarter-final second leg soccer match in Turin

Quelle: REUTERS

Franck Ribéry: Der ewige Kindskopf hat am Sonntag die große 30 überschritten - und das mit Sprinttraining statt "Vive la fête". In seinen 30 Lebensjahren hat der kleine Franzose ja schon so manchen Gegenspieler gefoppt, aber diesmal traf er auf die Erben Vidals: Pogba und Marchisio. Beide stiegen ihm so gehörig auf die Strümpfe, dass man sie wohl kaum auf seinem eigenen Geburtstag dabei haben möchte. Verschaffte sich mit seiner Technik einige Räume, drehte und wendete sich, jedoch ohne entscheidende Fortune. Mit Zehnundzwanzig lässt man es eben gerne auch mal ruhiger angehen.

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FC Bayern in der Einzelkritik:Mario Mandzukic

Juventus Turin - FC Bayern München

Quelle: dpa

Mario Mandzukic: Gut, dass sich der Kroate nicht von der unnötigen Kriegsrhetorik seines montenegrinischen Gegenüber Mirko Vucinic anstecken ließ. Hat martialisches Gerede auch nicht nötig bei seiner Klasse. Musste früh erkennen, dass es Juve mit dem Kämpfen ernst meinte - sah dann aber selbst Gelb, was ihn das Hinspiel im Halbfinale kosten wird. Konnte sich über mangelnden Körperkontakt zu den Herren Chiellini und Bonucci nicht beschweren, bewegte sich aber auch nicht genug, um sich deren Zudringlichkeit zu entziehen. Hatte dann die eine Szene, die ihn so wertvoll macht: Hielt nach Buffons Abpraller gedankenschnell sein Haupt hin und traf zum 0:1.

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FC Bayern in der Einzelkritik:Jérôme Boateng

Juventus Turin - FC Bayern München

Quelle: dpa

Jérôme Boateng: Die Partie hatte kaum begonnen, da trabte er schon die Seitenlinie entlang. Van Buyten hatte sich weh getan, weshalb die Bayern Ersatz brauchten. Kam nach 35 Minuten aufs Feld und klärte gleich in beträchtlicher Not. Vertrat dann Van Buyten auch in der Offensive bei Standards, was ein wenig verwunderte, schließlich steht Boateng in Sachen Tore als Profispieler immer noch bei der bemerkenswerten Zahl 1. Freute sich, dass die Turiner Bemühungen im Laufe des Spiels ein wenig einschliefen.

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FC Bayern in der Einzelkritik:Einwechselspieler: Luiz Gustavo und Claudio Pizarro

Juventus Turin - FC Bayern München Mario Gomez

Quelle: dpa

Luiz Gustavo: Durfte kurz vor Schluss für Ribéry aufs Feld und gesellte sich als Schiffsmaat an die Seite der Steuermänner Schweinsteiger und Martinez.

Claudio Pizarro: Ebenfalls als Kurzarbeiter um Einsatz. Schoss diesmal leider keine vier Tore, sondern nur eines. Kommt als Ersatzmann damit auf beeindruckende vier Treffer in fünf Champions-League-Partien.

© SZ.de/jbe/hum
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