Statistikvergleich Juve vs. FC Bayern Vorsicht vor dem Räuberbart

Quelle: Opta Sportdaten

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Gewarnt wurde genug - jetzt kommen Fakten: Was macht die Juve-Abwehr so stabil? Wie unterscheiden sich Bayern und Turin im Angriffsspiel? Und welche Rolle übernimmt Andrea Pirlo bei den Italienern? Vier zahlenbasierte Thesen zum Viertelfinale der Münchner gegen Juventus Turin.

Von Jonas Beckenkamp

Über einen Mangel an Gefahrsignalen können sich die Bayern wahrlich nicht beschweren - zuletzt warnte auch noch Jürgen Kohler vor Juventus Turin. Der Mann, der einst so eisenhart verteidigte, dass ihm der zweifelhafte Beiname "Fußballgott" zuteil wurde, hob in der Welt am Sonntag den Zeigefinger und redete dem Rekordmeister ins Gewissen: "Es wird nicht einfach. Juventus hat vielleicht nicht die individuelle Klasse, aber die Mannschaft ist in sich gewachsen, sie wirkt sehr reif", sagte der 105-malige deutsche Nationalspieler, der in grauer Vorzeit mal für die Münchner aktiv war.

"Die Bayern müssen sich wirklich sehr anstrengen, denn sie treffen da auf Spieler, die nicht nur gut und unberechenbar sind, sondern auch sehr hungrig. Denn Juventus hat international lange nichts mehr gerissen," erklärte Kohler vor dem Hinspiel im Viertelfinale der Champions League am Dienstag in München (20.45 Uhr, Liveticker bei SZ.de).

FC Bayern deklassiert den HSV Neun Grüße an Juventus Turin

Das 9:2 gegen den erbärmlichen HSV ist schnell abgehakt. Der höchste Saisonsieg des FC Bayern gelingt so absurd leicht, dass sich alles um Juventus Turin dreht. Dabei werden jene Münchner, die den HSV demütigten, in der Champions League nur auf der Bank sitzen.

Eigentlich verfügt der FCB in Person von Sportvorstand Matthias Sammer selbst über einen hauptamtlichen Mahner und Warner - "nicht im Ansatz" sei der von den Bayern eben noch mit 9:2 überrollte HSV mit Turin vergleichbar, hatte er am Wochenende angemahnt. Und überhaupt seien die Italiener "kompakt, schlau und geführt von erfahrenen Leuten."

Vieles davon mag stimmen, schließlich tummeln sich im Kader der "Alten Dame" Haudegen und gewiefte Strategen wie Gianluigi Buffon oder Andrea Pirlo, mit denen Juventus souverän die Serie A anführt. Aber wie steht es genau um die Stärken und Schwächen der Turiner? Worauf müssen die Bayern - abgesehen von den genannten Alarmrufen - achten? Ein neues Statistik-Werkzeug auf SZ.de gibt Aufschluss über relevante Zahlen zur Champions League (CL). Hier folgen vier Thesen, die ein näherer Blick auf das Tool unserers Partners Opta zu Tage bringt.

  • Die Juve-Abwehr agiert stabiler

Wie es sich für eine italienische Topmannschaft gehört, geht auch bei Juve die größte Bedrohung von der schwer überwindbaren Abwehr aus. Giorgio Chiellini, Andrea Barzagli und Leonardo Bonucci bilden im modernisierten 3-5-2 von Trainer Antonio Conte zumeist die Defensivreihe - und sie verrichten ihre Arbeit nachweislich besser als ihre bayerischen Gegenüber. Alle drei glänzen im Vergleich aller CL-Verteidiger mit extrem vielen "klärenden Aktionen". Das heißt: Vorbeikommen an der Turiner Menschenwand ist äußerst schwer. Abräumer Chiellini kommt bisher auf 70 gelöste Abwehraktionen, Barzagli auf 57 und Bonucci auf 51.

Bei den Münchnern ist Dante mit 30 klärenden Interventionen mit Abstand der erfolgreichste Zweikämpfer, dahinter kommt lange nichts. Vielleicht lässt sich so auch erklären, warum die Italiener erst vier Gegentore kassierten, während der deutsche Rekordmeister schon zehn Gegentreffer zu beklagen hatte. Bei den Zu-Null-Spielen führt Juventus gemeinsam mit dem FC Porto die Statisik an: Fünfmal blieb man hinten schadlos, den Bayern gelang das erst einmal.

  • Im Angriff sind beide Teams fast gleich stark

So grimmig Juve auch verteidigt, vielleicht hakt es dafür beim Toreschießen - möchte man meinen. Doch dem ist nicht so. Die Auswahl aus dem Piemont ist bei weitem keine Vereinigung reiner Catenaccio-Künstler. Die Angriffsstatistiken offenbaren nahezu identische Werte in allen relevanten Offensiv-Kategorien: Beide Klubs erzielten ähnlich viele Treffer (Juve 17, Bayern 18), schossen fast gleich häufig aufs Tor (48 zu 50) und zielten in ebenso ähnlicher Manier knapp daneben (58 zu 54). Wie nah beide Vereine in diesen Bereichen beieinander liegen, deutet an, dass an diesem Dienstag gleich gute Teams aufeinander treffen.