Rücktritt von Luca di Montezemolo Überholt hat ihn nur die Zeit

Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo und Michael Schumacher: Gemeinsam waren sie sehr erfolgreich.

(Foto: dpa)

Charmant ist in der Formel 1 heute kaum noch etwas - und nun verlässt auch noch Luca di Montezemolo den Kommandostand bei Ferrari. Selbst im Scheitern verkörperte er noch die lässige italienische Weltläufigkeit.

Von Birgit Schönau, Rom

Der Graf tritt ab und mit ihm eine ganze Ära. Eine Zeit, in der die Piloten und die roten Autos aus dem 17 000-Einwohner-Nest Maranello in der Emilia Romagna Motorsport-Fans aus der ganzen Welt begeisterten. Dass Ferrari nicht einfach nur eine Weltmarke unter vielen in der Formel 1 wurde, sondern eine Art Kulturgut für die globale Gemeinde der Pisten- Enthusiasten, verdankt die Scuderia vor allem Luca Cordero di Montezemolo. 23 Jahre lang stand der Adlige aus altem Piemonteser Geschlecht an der Spitze von Ferrari, 14 Weltmeisterschaften wurden unter seiner Ägide gewonnen, sechs von Piloten, acht von Konstrukteuren.

Zählt man seine Jahre als Teamchef von 1973 bis 1977 hinzu, und die zwei Titel mit Niki Lauda, so hat Montezemolo fast so viel Triumphe geholt wie der Gründervater Enzo Ferrari. Eigentlich konnte ihn niemand überholen, nur die Zeit. Und weil Luca di Montezemolo aus der Zeit gefallen ist, muss er jetzt gehen.

Am Mittwoch hat er seinen Rücktritt angekündigt, pathetisch wie immer: "Ferrari ist die schönste Firma der Welt. Gemeinsam mit meiner Familie war sie für mich das Wichtigste in meinem Leben." Dass er selbst, der einst von Enzo Ferrari angeheuert wurde, nun von Fiat-Boss Sergio Marchionne zu den Altlasten aussortiert wird, muss ihn schwer getroffen haben.

Als Ferrari am Sonntag beim Großen Preis von Italien in Monza wieder einmal der Konkurrenz hinterher gefahren war, hatte Marchionne dem Chef des Fiat- Tochterunternehmens Ferrari faktisch gekündigt. Was für Ferrari zähle, seien Ergebnisse, und die blieben bereits seit dem letzten Konstrukteurs-Titel 2008 aus. Über Montezemolo ließ Marchionne nur eine sarkastische Bemerkung fallen: "Niemand ist unersetzlich."

Das wird man ja jetzt sehen, da Marchionne zunächst einmal selbst Montezemolo ersetzt - der Sohn italienischer Arbeitsemigranten, die aus den Abruzzen nach Kanada zogen, nimmt den Platz des Marchese ein. Marchionne ist der klassische Selfmade-Man, demonstrativ trägt er nur Pullover, als müsse er auch mit 62 noch die Anzugträger dieser Welt herausfordern. Montezemolo hingegen ist mit 67 zwar auch ein Arbeitstier, fände es aber unfein, das zu zeigen.

Lieber pflegt er mit der stets leicht zerstreuten Allüre eines Dandys seinen Platz in den Verwaltungsräten der unterschiedlichsten Unternehmen einzunehmen. Als Person ist Montezemolo ebenso unaufdringlich elegant wie seine Kleidung, lediglich die Angewohnheit, die linke Hand in die Jackentasche zu stecken, zeugt von seinem Hang zum Unkonventionellen. Natürlich hat er seine Finger trotzdem überall drin in Italien.

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Als junger Jurist fuhr Montezemolo bereits Rallyes, als Ferrari-Chef unterhielt er eine langjährige Liaison mit dem Softporno-Star Edwige Fenech. An der Seite des Grafen wurde die Dame gesellschaftsfähig - wie überhaupt alles gleich ein wenig heller strahlte, was dieser Vorzeigemann des alten Italien mit seiner Verbindlichkeit und seinen Verbindungen unter die Fittiche nahm. Montezemolo gab den Fußballmanager, als Chef des Organisationskomitees der WM 1990, als Vizepräsident beim Rekordmeister Juventus Turin und beim FC Bologna.