Präsidentschaftskandidat Reinhard Grindel Aufbrausender Machtmensch für den DFB

Reinhard Grindel: Noch Schatzmeister, bald Präsident?

(Foto: AP)

Reinhard Grindel dürfte der neue starke Mann des deutschen Fußballs werden. Der CDU-Mann ist umstritten - seine Nominierung ist auch eine Kampfansage der Amateure.

Von Johannes Aumüller

Vor der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Frankfurt sind ein paar Parkplätze für die Würdenträger des Hauses reserviert. Ganz rechts, in der Nähe des Eingangs, darf der Präsident seinen Wagen abstellen, dann der Schatzmeister, der Generalsekretär und so weiter. Wenn die kommenden Wochen nach dem Willen der Amateurvertreter im DFB verlaufen, dann muss sich Reinhard Grindel bald daran gewöhnen, ein paar Meter weiter rechts als bisher üblich zu parken: Der Schatzmeister soll zum Präsidenten aufsteigen.

Am Dienstagmittag versammelten sich die Regional- und Landesverbände etwas mehr als zweieinhalb Stunden lang in Hannover. Danach verkündete ihr Frontmann Rainer Koch das, was sich zuletzt schon abgezeichnet hatte: Er selbst verzichtet auf eine Kandidatur, das Amateurlager schlägt einstimmig Grindel, 54, als Nachfolger von Wolfgang Niersbach vor. "So schnell wie möglich" soll es einen außerordentlichen Bundestag geben, um den CDU-Bundestagsabgeordneten zu küren.

Rauball warnt vor Alleingang

Das ist ein eindeutiges Votum - aber auch eine Kampfansage an die Vertreter des Profilagers im DFB. Hartnäckig hatte Liga-Chef Reinhard Rauball, der mit Koch gerade interimistisch die Verbandsgeschäfte führt, in den vergangenen Tagen dafür geworben, erst einmal die Aufklärung der WM-Affäre zu forcieren und eine Strukturdebatte voranzutreiben - und sich erst später um Personalfragen zu kümmern. Es reiche nicht, einen Kopf durch den anderen zu ersetzen, so lautete sein Credo. Noch kurz vor dem Treffen in Hannover warnte er die Amateure vor einem Alleingang.

Kanzlerin fordert Aufklärung der WM-Affäre

Die Erinnerungen an das Sommermärchen 2006 könne der Skandal aber nicht verändern, sagt Merkel. mehr ...

Koch wies zurück, dass es sich bei Grindels Nominierung um eben diesen Alleingang handele. "Wir machen in dieser Minute nur einen Vorschlag", sagte er formal korrekt. Am Freitag kommt das komplette Präsidium zusammen, um das weitere Vorgehen zu beraten. Doch de facto dürfte der Vorschlag die Vorentscheidung sein: Die Amateurvertreter haben im Präsidium und beim Wahlkongress die Stimmen-Mehrheit. Eventuell nötige Strukturfragen wollen sie bis zum ordentlichen Bundestag im Herbst 2016 erörtern.

Zumindest die Idee eines hauptamtlichen Chefs wäre mit Grindel wohl schon mal vom Tisch. Der will den Job ehrenamtlich ausüben, wobei ihm als DFB-Präsident eine Aufwandsentschädigung zusteht; bei seinem Vorgänger Niersbach betrug sie dem Vernehmen nach etwa 80 000 Euro. Sein Mandat als Parlamentarier werde er für den Fall seiner Wahl niederlegen, bestätigte Grindel am Dienstag.

Schön, schöner, Messi?

mehr... Bilder

Nun stellt sich die Frage, ob und wie die Liga reagiert. Von den drei Präsidenten, die dem DFB in den vergangenen 15 Jahren vorstanden, waren zwei (Gerhard Mayer-Vorfelder, Wolfgang Niersbach) dem Profilager zuzuordnen, Theo Zwanziger eher den Amateuren. Viele Vertreter des Profibetriebs kennen Grindel nicht einmal richtig. Dass sie einen Gegenkandidaten präsentieren, ist aber unwahrscheinlich. Liga-Chef Rauball selbst lehnte mit dem Hinweis ab, es passe nicht in seine "Lebensplanung". Ein anderer Bewerber ist nicht in Sicht. Die Profis wissen, dass sie beim Bundestag keine Mehrheit haben.