Pep Guardiola vor dem Halbfinale Bayern - Barça Mehr als ein Ozean an Gefühlen

Große Siege mit Barcelona - und jetzt? Pep Guardiola wechselt bald nach München. 

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Das Spiel der Spiele im Champions-League-Halbfinale steht kurz bevor und so langsam beginnen die Katalanen, nervös zu werden. Hält der frühere Barça-Trainer Pep Guardiola gegenüber seinem neuen Klub dicht? Beim FC Barcelona wird heftig spekuliert, die alte Liebe ist offenbar abgekühlt.

Von Oliver Meiler, Barcelona

Er gibt sich ja alle Mühe, nicht aufzufallen, kein Thema zu sein, keine Sensibilitäten zu brüskieren. Weder in Barcelona, seiner Heimat, und noch weniger in München, seinem zukünftigen Arbeitsort. Wie lange ist es her, seit man Pep Guardiola zum letzten Mal in der Öffentlichkeit gesehen hat? Wann hat man ihn schon reden gehört? Eben.

Und vielleicht liegt es gerade daran, an diesem schier forcierten Wegsein, verloren in der Anonymität New Yorks, wo er sein Sabbatical zu Ende bringt und wo sich nun wirklich keiner für Fußball interessiert, dass dem Mann in diesen hohen Zeiten des europäischer Fußballs Dinge angedichtet werden, die er wahrscheinlich gar nie im Kopf führte.

Zum Beispiel, dass er den Bayern taktische Tipps geben könnte - gegen Barça, sein Barça, das Barça aller seiner Erfolge als kultartig gefeierter Trainer. Dass er also die Begegnung im Halbfinale der Champions League, diesen ersten Akt im Showdown um die Hegemonie im Weltfußball, irgendwie beeinflussen könnte. Mit Insiderinformationen zu Schwächen und Makeln, ganz ohne Eleganz.

Nun, man sollte Guardiola den Respekt erweisen, den Jupp Heynckes in dieser Angelegenheit für sich einfordert: So etwas würde Pep nie tun. Ist doch eine Frage der Moral. Und der Ehre. Wahrscheinlich. Oder etwa nicht?

So diskutiert und spaltet sich Barcelona, wenn die Rede auf Pep kommt. Erst zehn Monate ist es her, dass er den Verein verlassen hat. Mental und körperlich ausgelaugt, wie er damals sagte. Nach vier Jahren und 14 Titeln. Nie war Barça so erfolgreich gewesen wie unter seiner technischen Leitung, von 2008 bis 2012, nie so angesehen, ja geliebt. Weit über Katalonien hinaus.

Die legendäre Inkonstanz - sie war weg. Plötzlich hing dem Klub eine Aura der Unbesiegbarkeit an, die er in seiner Geschichte nie gehabt hatte. Plötzlich war man der beste Verein der Welt mit den besten Spielern und dem besten Spiel. Auch dank Pep, vielleicht sogar vor allem dank der Verausgabung von Pep, dieser besessenen Intensität. Zehn Monate ist das erst her.

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Doch es scheint, als sei eine Ewigkeit vergangen. Als hätte sich eine Welt zwischen Guardiola und den FC Barcelona geschoben, etwas mehr als nur ein Ozean.

Was fühlt er wohl, für wen schlägt sein Herz, fragen die Zeitungen. Und schon in der Frage schwingt das Unerhörte mit. Ein Kolumnist von La Vanguardia schreibt, Guardiola habe sich im New Yorker Exil "emotional emanzipiert" von Barça. Man hört Verrat heraus. Guardiola, der Katalane aus Santpedor, ist schließlich ein passionierter culé, wie sich die Anhänger des Vereins nennen, einer dieser Fans, die in den Farben mehr sehen als einen Klub. Der Schriftsteller Sergi Pàmies ortet eine ähnliche Entliebung, glaubt aber, dass es ganz anders sei, dass sich nämlich Guardiola verraten fühlt - von Barça.

Offenbar gefiel ihm nicht, dass der Verein die Beförderung seines langjährigen Freundes und Vizes Tito Vilanova zum Cheftrainer so kurz nach seiner Rücktrittsankündigung bekannt gab. Und dass der so schnell zusagte. Ohne statthaft ausgedehnte Verneigung vor dem Vermächtnis, nicht bescheiden genug. Da brachte es auch nichts, dass Vilanova später einmal sagte, er wäre an Guardiolas Seite geblieben, wenn der vor einem Jahr zu einem anderen Verein gewechselt hätte, statt eine Auszeit zu nehmen.

Etwas war zerbrochen. Seither soll die Beziehung zwischen Pep und Tito recht frostig sein. Sagt man. Als Vilanova für seine Krebsbehandlung nach New York fuhr, so berichtete es unlängst Barcelonas Sportzeitung Mundo Deportivo, trafen sich die beiden offenbar in über zwei Monaten nicht ein einziges Mal.

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