Atletico wirft Hannover raus Zu wenig Raum für große Träume

Eine starke internationale Saison von Hannover 96 endet im Viertelfinale gegen Atletico Madrid. Wie schon im Hinspiel reicht die Qualität gegen abgeklärte Spanier nicht - das erneute 1:2 lässt Hannover nun viel Zeit für die Bundesliga. Dort will die Mannschaft, die von ihren Fans trotz des Ausscheidens gefeiert wurde, erneut angreifen.

Von Frieder Pfeiffer

Das Auffälligste an Hannover 96 war lange Jahre ein Mann namens Oliver Pocher. Das sagt einiges aus über einen Verein, der seit langem in der ersten Liga spielt. Diese drögen Zeiten sind jedoch vorbei. Heute lässt sich die Promimenz vom ortsansässigen Fußballklub schmücken. Seit dem Beinahe-Abstieg 2010 stieg 96 zur Hauptattraktion Niedersachsens auf - und seit den überzeugenden Leistungen in der Europa League weiß laut Klub-Boss Martin Kind auch der europäische Kontinent, "wo Hannover liegt".

Der Anfang vom Ende: Adrian trifft zum 0:1

(Foto: dapd)

Kind war es auch, der diese Saison zur erfolgreichsten der Vereinsgeschichte erhob. 19 Jahre war man nicht international vertreten gewesen. Nun schaffte man es gleich ins Viertelfinale der Europa League. Dass dort der glorreiche Weg ein Ende fand, wird Kind in seiner Bewertung nicht erschüttern.

Nach dem 1:2 im Hinspiel bei Atletico Madrid verlor Hannover auch das Rückspiel zuhause 1:2 und darf sich nun komplett auf die Bundesliga konzentrieren, wo der erneute Einzug in den internationalen Wettbewerb mehr als möglich erscheint. Madrid spielt im Halbfinale gegen Valencia. "Madrid war natürlich ein toller Gegner, aber ich finde trotzdem, es war mehr drin", sagte 96-Trainer Mirko Slomka.

Es war noch kein Ball gespielt, da hatte Zuversicht die besonnene Landeshauptstadt schon lange besetzt. Das Stadion war nahezu so schnell ausverkauft wie die Hannoveraner für einen Konter benötigen, also rund vier Sekunden. Und die 44.000 produzierten vor dem Anpfiff eine Stimmung, die mehr an Dortmund als an Hannover erinnerte. 25.000 Pappdeckel verschwammen zu einem riesigen Vereinslogo und machten mit dem ersten Pass Platz für Gesänge (Ballbesitz Hannover) und Pfiffe (Ballbesitz Madrid).

Hoffnung schöpfte man in Hannover auch aus der Tatsache, dass der spanische Gast in Juanfran, Arda Turan und dem im Hinspiel überragenden Gabi auf drei gelbgesperrte Leistungsträger verzichten musste. Diese Hoffnung verschluckte sich jedoch an der Nervosität der trotz allem international unerfahrenen Hannoverschen Elf. Es dauerte einige Minuten, bis sich das Team von Trainer Mirko Slomka ein wenig konstruktiver und zielgerichteter in dieses Spiel einbrachte.

Die letzten drei Spiele in der Europa League hatte Hannover gewonnen, zudem in dieser Saison im internationalen Wettbewerb nicht verloren. Das daraus resultierende Selbstverständnis offenbarte sich jedoch nur zögerlich - freilich ohne Torchancen für Hannover. Schon zu Beginn waren Christian Panders Standards zu ungenau, zielte Stürmer Mame Diouf nicht richtig (11.) und vergaß Ya Konan im Konter die freistehenden Mitspieler (23.).

Hannover braucht Platz für sein Offensivspiel, Jan Schlaudraff, Ya Konan und Mame Diouf brauchen Raum für Kunst, diesen gab ihnen Atlético jedoch nicht. So blieb Kunstvolles aus. Das Spiel über die Außen, vor allem über den dafür prädestinierten Linksfuß Konstantin Rausch kam nicht in Schwung. Unzählige Male hob zudem Pander Freistöße und Ecken in den gegnerischen Strafraum, Mitspieler fand er dabei nicht.

So plätscherte die erste Hälfte ohne Höhepunkte, träge wie ein lustloser Fangesang, vor sich hin, auch Madrid war bis auf einen Kopfball von Adrian mit ihrem Anti-Konterprogramm beschäftigt (31.). Nach der Pause änderte sich daran zunächst wenig, auch wenn Madrid nun etwas offensiver agierte. Doch auch die Spanier blieben unpräzise.

Leidlich spektakulär entwickelte sich lediglich die Kartenstatistik. Nach gut einer Stunde hatte Schiedsrichter Mark Clattenburg dem spanischen Gast bereits fünfmal Gelb gezeigt, was weniger am Drang der Hannoveraner lag als vielmehr am intensiven Kampf im Mittelfeld, der die Partie bestimmte.

Doch immer erfolgreicher versuchte sich Atlético nun, den Kampf in die richtige Richtung zu lenken. Und es reichte dann ein zu Ende gedachter Angriff für die Führung. Weil Emanuel Pogatetz einen Pass von Diego zwar ablaufen, jedoch nicht verwerten konnte, kam der Ball zu Adrian, der mit den Abwehrspielern in Grün ein wenig Fang-Mich spielte und schließlich den Ball im verwaisten Tor unterbringen konnte (63.).

Zwei Tore fehlten Hannover nun für die Verlängerung. Und Slomka reagierte. Er brachte Mohammed Abdellaoue für Rausch und wenig später Manuel Schmiedebach für Christian Schulz. Allein, es blieb beim bemühten, jedoch uneffektiven Spiel des Bundesliga-Fünften. Panders linker Fuß, ansonsten Inbegriff Hannoveraner Torgefahr, fand die Mitspieler auch im zweiten Durchgang nicht.