In Leverkusen wird das Projekt Michael Ballack von Geschäftsführer Holzhäuser schonungslos für gescheitert erklärt - eine vorzeitige Trennung ist denkbar, weil der frühere DFB-Kapitän nicht einmal an einer Streitschlichtung interessiert scheint. Ballacks Weg könnte nun nach Amerika führen.
Sie wollten Publicity, und dieser Wunsch, das lässt sich nicht abstreiten, ist mit großer Wirkung in Erfüllung gegangen. Allerdings ist es längst nicht mehr die Art von öffentlicher Aufmerksamkeit, die sie sich bei Bayer 04 Leverkusen und beim Bayer-Konzern vorgestellt hatten, als sie im Sommer 2010 Michael Ballack engagierten.
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Bye bye Leverkusen? Michael Ballack könnte sich schon bald aus der Bundesliga verabschieden. (© dapd)
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Damals hatte die Idee von Ballacks Comeback in Leverkusen viel Charme, sie hatte sogar etwas Romantisches, doch inzwischen weiß man, dass man einer Illusion aufgesessen ist. Inzwischen würden die Leute bei Bayer am liebsten schweigen auf Fragen nach ihrem prominentesten Lizenzspieler, aber sie wissen natürlich, dass das nicht geht, vor allem nachdem Wolfgang Holzhäuser jetzt in aller Öffentlichkeit bekannt hat, dass der schöne Plan mit Ballack gescheitert ist.
Bevor der Geschäftsführer am Donnerstag im Express erklärte, es sei nun der Zeitpunkt erreicht, an dem "wir uns alle eingestehen müssen, dass unsere Überlegungen, die wir vor 20 Monaten hatten, nicht aufgegangen sind", hatten die Verantwortlichen den Versuch unternommen, mit Ballack ins Gespräch zu kommen. Am Mittwoch bat Sportchef Rudi Völler den 35-Jährigen zu einem Treffen, zu dem etwas später auch Holzhäuser hinzukam. Es ging um die Nachwirkungen des Bundesligaspiels gegen Mainz am Sonntag, in dem Ballack nach 60 Minuten ausgewechselt worden war, worauf viele Zuschauer mit Pfiffen reagiert hatten und er mit Unverständnis.
So hinterließ der Abend trotz des 3:2-Sieges im Publikum, aber auch in der Mannschaft eine heftige Missstimmung - nicht zuletzt deshalb, weil die Spieler gleich nach der Partie auf den Monitoren in der Kabine sehen mussten, dass im Fernsehen nicht über den Sport und über die Tore geredet wurde, sondern über die Auswechslung Ballacks und den unterlassenen Handschlag mit Trainer Robin Dutt. Völler und Holzhäuser hätten es deshalb gern gesehen, wenn Ballack vor der am Samstag anstehenden Partie in Bremen in einem entsprechend arrangierten Interview ein paar freundliche Worte zur Sache und zum Verhältnis mit dem Trainer gesagt hätte. Aber dieser Bitte hat er nicht folgen wollen. Auch am nächsten Tag nach dem Training hat er, wie es im Klub heißt, zur Initiative der Bayer-Chefs sein Nein bekräftigt.
Da war für Holzhäuser, um es mit den Worten des Bundespräsidenten zu sagen, der Rubikon überschritten.
"Michael ist auf keinem guten Weg. Er ist uneinsichtig. Es ist der Punkt erreicht, bei dem Rudi Völler und ich nicht mehr mitgehen wollen", sagte Holzhäuser am Freitag der Agentur dpa und fügte an: "Was er jetzt macht, tut mir leid für ihn." Diese Äußerung des Mitgefühls war sogar ehrlich gemeint, sie hatte aber keine gute Wirkung. Ballacks langjähriger Berater Michael Becker konterte mit einer Stellungnahme, die mit dem Versuch der Deeskalation nichts zu tun hatte: "Das ist ein billiger Trick, um von den eigenen Problemen mit dem Trainer abzulenken. Michael ist doch nur das Bauernopfer", sagte er dem sid, und: "Da es offenbar nicht möglich ist, sich derzeit von Robin Dutt zu trennen, musste man einen anderen Sündenbock suchen, und den hat man dann in Michael gefunden."
Ballack selbst äußerte sich nicht, laut des Beraters Becker ist er "verwundert" über Holzhäusers offene Worte. Die Reise nach Bremen soll Ballack mitmachen, im Weserstadion wird er aber wohl zunächst nur Reservist sein.
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