Krise beim TSV 1860 München Ismaik forderte bereits Schneiders Rücktritt

Bei 1860 ist die Situation noch etwas komplizierter: Aufgrund einer Finanzierungslücke von insgesamt 18 Millionen Euro, die Ismaik im Mai schloss, war der Verein dazu gezwungen, sogar 60 Prozent seiner Anteile zu veräußern. Was in Deutschland eigentlich verboten ist, wurde erst durch einen Rechtskniff möglich: Ismaik besitzt zwar nun de facto 60 Prozent der KGaA, nur 49 Prozent seiner Anteile sind jedoch stimmberechtigt.

Gefangen zwischen Tradition und Chaos

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Genau darin besteht nun der Kern der Auseinandersetzung: Der Jordanier Ismaik und sein in München ansässiger Statthalter Hamada Iraki, ein Investmentbanker, sehen ihre Ausgaben als Investition. Da sie sich als Mehrheitseigner fühlen, wollen sie offenbar bestimmen und ihr eingesetztes Kapital nicht verlieren. Die andere Fraktion, allen voran Präsident Schneider, kämpft darum, die Rechte als stimmberechtigter Mehrheitseigner wahrnehmen zu dürfen. Das höchste Gebot lautet: keine weitere Verschuldung der KGaA wie in der Vergangenheit.

Aktuelle Brisanz erhalten die unterschiedlichen Ansätze bei der Frage, wie künftige Investitionen zu finanzieren sind. Im Winter sollen Spieler verpflichtet werden, das mittelfristige sportliche Ziel der Investoren ist der Aufstieg in die erste Bundesliga in der Saison 2013/14. Ismaik und Iraki wollen für die Ausgaben für neue Spieler aufkommen, jedoch nur mittels Krediten, die sie der KGaA gewähren. Der Investor wäre demnach eher eine Art Bankinstitut, kein gleichgestellter Partner, der das finanzielle Risiko mitträgt.

Dieser Weg sei mit ihm nicht drin, betonte Schneider: "Da wären wir in kürzester Zeit stärker verschuldet als je zuvor", das Insolvenzrecht würde den Verein wieder "einholen". Investitionen in neue Spieler, die auch "den Wert des Aktienanteils erhöhen", müssten stattdessen "an Erfolg oder Misserfolg dieser Investition gekoppelt werden". Der Investor profitiere als Anteilsinhaber vom möglichen Plusgeschäft, müsse aber ebenfalls das "unternehmerische Risiko" im Falle eines Misserfolges tragen.

Die politischen Gräben zwischen Ismaik und Schneider sind bereits so tief, dass der Iraki in der vergangenen Woche unverblümt ("der Verein braucht frisches Blut") den Rücktritt des Präsidenten forderte. Seither steht zu befürchten, dass Ismaik seine Solvenz als Mittel zur Einflussnahme auf die personelle Struktur des e.V. missbrauchen könnte. Der von Schneider kritisierte Geschäftsführer Schäfer erklärte am Dienstag, er "sehe derzeit keine Möglichkeit zur Einigung", der Konflikt sei so groß, dass es "im Winter keine Investitionen geben wird."

Schneider trug die Rede im Wirtshaus sachlich-unaufgeregt vor. "Die Gegenseite" habe zuletzt "die Presse instrumentalisiert - und ich jetzt halt diese Veranstaltung", erklärte er. Sein Ziel sei gewesen, ein "reinigendes Gewitter" im Klub auszulösen, jetzt müssten sich die Partner aussprechen. Wenn es dafür nicht schon zu spät ist.