Krise beim BVB Klopp gibt Rätsel auf

Jürgen Klopp wirkt ratlos - findet der die richtigen Maßnahmen, um seine Mannschaft unten rauszukriegen?

(Foto: AP)

Jetzt fällt auch noch Mkhitaryan aus: Die Probleme bei Borussia Dortmund vertiefen sich nach der neuerlichen Pleite in Berlin. Die Gründe für die Misere liegen aber nicht nur beim Verletzungspech - auch Trainer Jürgen Klopp muss sich hinterfragen.

Kommentar von Freddie Röckenhaus

Solange nicht Weihnachten ist, werden die Tage immer kürzer - und es wird Woche für Woche etwas dunkler. Am Samstag wurde die ganze finstere Depression von Borussia Dortmund wieder unter Flutlicht vorgeführt. 15 Bundesliga-Spiele, neun Niederlagen: eindeutig die Bilanz eines Abstiegskandidaten. Jürgen Klopp, der Kapitän dieses denkwürdigen Untergangs einer Klasse-Mannschaft, windet sich von Niederlage zu Niederlage immer schmerzlicher, zumal dann, wenn der Gegner am Ende auch noch Trost, Mitleid und Anerkennung aussprechen will.

Klopp kann das nicht mehr hören - keiner kann das mehr hören in Dortmund, wo die Mannschaft mit dem zweithöchsten Gehaltsniveau der Liga unterhalten wird und wo sie sich an ihren rar gewordenen sehr, sehr guten Tagen auf Augenhöhe mit Real Madrid oder dem FC Bayern wähnen dürfen. Oder muss man sagen: durften?

Ja, auch in Berlin schlug das Verletzungspech wieder zu, und ausgerechnet Dortmunds spielerischer Kopf Henrikh Mkhitaryan wird mit einem Muskelbündelriss nun sechs Wochen fehlen. Aber die Kranken-Misere und das meist endlos lange Wiedereinblenden von Profis nach überstandenen Verletzungen können nicht als Alibi herhalten für das, was Klopps einstige Champagner-Truppe in Berlin an Lust- und Konzeptlosigkeit vorführte.

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Die Mannschaft wirkt teilnahmslos

Vor Kurzem, in Paderborn, verweigerte es die BVB-Truppe nach gnadenlos überlegener erster Halbzeit in ähnlicher Weise, den Kampf weiter durchzuziehen. Aus einem 2:0 wurde am Ende ein 2:2. In Berlin fand Klopps Mannschaft eine Stunde lang nicht ins Spiel gegen eine biedere Hertha-Mannschaft, die nicht viel mehr tat, als die Reihen fest zu schließen und zu beißen.

Zuletzt, beim 1:0-Sieg gegen Hoffenheim, hatte man kurz den Eindruck, als ob Dortmunds Auswahl von Nationalspielern die Zeichen verstanden hätte. Nun aber werden sie sich beim BVB fragen müssen, ob jene Führungs-Strategie, die bisher meist einfühlsam und charaktervoll wirkte, tatsächlich die richtige ist. Klopps Mannschaft vermittelt nicht den Eindruck, als habe sie den Ernst der Situation begriffen, als fühle sie sich für die Welt unterhalb der Champions League wirklich zuständig.

Auch Klopp selbst muss sich allmählich fragen, ob Pseudo-Maßnahmen - wie der Wechsel von Nationaltorwart Roman Weidenfeller zu Mitch Langerak - mehr waren als nur ein Showeffekt, oder ob halb gesunde Spieler wie Sebastian Kehl (spielte in Berlin mit gebrochener Rippe) oder Jakub Blaszczykowski (hatte ein Jahr lang nicht gespielt) gegen die Hertha unbedingt mitwirken mussten.

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Die Abwärtsspirale des BVB, immerhin des deutschen Meisters von 2011 und 2012, hat auch damit zu tun, dass seit Monaten Spieler das Vertrauen ausgesprochen bekommen, die noch gar nicht wieder auf höchstem Niveau mithalten können. Schon gar nicht, wenn es darum geht, sich gegen wild entschlossene andere Abstiegskandidaten giftig zu behaupten. Jürgen Klopp hat viele gute Gründe für jede Maßnahme, aber warum am Samstag nicht zumindest gesunde, kämpferisch geneigte Spieler wie Kevin Großkreutz oder Shinji Kagawa wenigstens eingewechselt wurden, war schon ein Rätsel. Die heile Welt in Dortmund bekommt allmählich Risse. Auch wenn das der Trainer und seine Spieler noch nicht wahrhaben wollen.