Rauswurf von Trainer Stevens "Viele Fehler, viel auf Glück gespielt, fast kein Fußball"

Trotzdem wäre keiner auf die Idee gekommen, Metzelder oder seinen Nebenmann Joel Matip, der das 1:2 auf dem Gewissen hatte, zum Schuldigen für die Niederlage zu ernennen - dafür war die Konkurrenz im konfus agierenden Team zu groß. Auf dem Platz begegneten sich zwei Mannschaften mit prinzipiell gegensätzlicher Ausstrahlung: Die eine unverschämt selbst- und stilsicher, die andere grundlegend derangiert. "Man hat gemerkt, dass das ganze Gebilde sehr zerbrechlich ist", sagte Metzelder. Klaas-Jan Huntelaar, der verhinderte Torjäger, präzisierte: "Viele lange Bälle, viele Fehler, viel auf Glück gespielt, fast kein Fußball."

"Stevens trägt die Entscheidung mit"

Diesen schlechten Eindruck teilten die Vereinsoberen, wie Heldt am Samstagabend während seiner Telefonate mit den Leuten vom Vorstand und dem Aufsichtsrat erfuhr. Stevens berichtete im niederländischen Magazin Voetbal International von seiner Ablösung: "Als ich morgens um Viertel vor acht von Horst Heldt angerufen wurde, um in sein Büro zu kommen, wusste ich, was die Stunde geschlagen hatte. Denn normalerweise ist er nie so früh auf der Anlage." Protestiert hat Stevens angeblich nicht, als ihm Heldt und Tönnies die Botschaft überbrachten. "Er trägt die Entscheidung voll und ganz mit und hält sie für richtig", berichtete Heldt. Stevens sei "ein toller Kerl", stimmte Tönnies ein.

Stevens' hohes Ansehen in Schalke, seine alten Verdienste und die jüngeren Erfolge seit der Übernahme des Postens im September 2011 waren nicht erst seit Samstag nebensächlich geworden. Der Niederländer wirkte resigniert und seiner Aufgabe überdrüssig, ein strategisches Konzept und ein phantasiereiches Spiel hat am Samstag bloß die Mannschaft aus Freiburg geboten. Heldt beschrieb den Niedergang als "schleichenden Prozess", jetzt war auch der letzte Rest Hoffnung auf eine Trendwende verloren, und weil das Verhältnis zwischen den Spielern und dem Trainer im Misserfolg zunehmend gelitten hatte, sahen die Verantwortlichen keinen Grund mehr, das Pokalspiel gegen Mainz am Dienstag noch abzuwarten. Man habe "das Innenleben der Mannschaft erforscht", sagte Heldt.

Keller hat nun die Chance, sich als Sanierer zu profilieren. In Stuttgart ist ihm das als Nachfolger von Christian Groß vor zwei Jahren nicht gelungen, er selbst erklärt das mit den Umständen des anspruchsvollen Spielkalenders. Nach Schalke kam er im Sommer mit dem Bewusstsein, seinem Beruf künftig im Verborgenen der Nachwuchsarbeit nachzugehen, "ich habe in keinster Weise gedacht, hier irgendwie höher zu kommen", erzählte er. "Jetzt ist der Plan, mit Jens bis zum Saisonende zu arbeiten", versprach Heldt, wies aber auch darauf hin, man denke "erst mal kurzfristig". Keller muss also nicht viel tun: Er muss Schalke lediglich beibringen, wieder Spiele zu gewinnen. Seine B-Jugend hat das am Sonntag beim 6:0 gegen Rot-Weiß Essen auch ohne ihn geschafft.

"Klares Signal" - "unschönes Ergebnis"

mehr...