Gewalt-Exzess im italienischen Fußball "Was für eine Schande"

Szenen einer Straßenschlacht: In Rom begkriegen sich Fußball-Hooligans in der Innenstadt.

(Foto: dpa)

Ein Fan in Lebensgefahr, neun weitere verletzt: Der Pokalerfolg des SSC Neapel gegen den AC Florenz versinkt in einem Albtraum aus Gewalt - in Rom kommt es sogar zu einer Schießerei mit schweren Folgen. Italien ist schockiert ob der Eskalation der Ereignisse.

Von Birgit Schönau, Rom

Es hätte ein Fußballfest werden sollen, wie es sich Papst Franziskus beim Empfang der beiden Mannschaften von AC Florenz und SSC Neapel gewünscht hatte. Für den Tabellendritten Napoli und den Vierten Fiorentina war es die Chance, wenigstens noch einen Trostpreis zu gewinnen.

Und für den Calcio als solchen sollte der Italien-Pokal, in früheren Zeiten als "Coppa del Nonno" (Großvater-Topf) geschmäht, ein wenig Glanz ins Saisonende bringen - nachdem Juventus Turin am Donnerstag das Endspiel um den Europa-League-Pokal im eigenen Stadion verpasst und die Serie A soeben das schlechteste Uefa-Ranking seit 30 Jahren eingefahren hatte. Das Stadion war gut gefüllt - zu "ausverkauft" reicht es inzwischen auch bei den großen Gelegenheiten nicht mehr -, auf der Tribüne saß neben Senatspräsident Pietro Grasso Regierungschef Matteo Renzi mit Frau und drei Kindern.

Es wurde dann tatsächlich Fußball gespielt, der SSC Neapel gewann 3:1 nach zwei Treffern seines einzigen Italieners Lorenzo Insigne (11./17.) sowie einem Tor des Belgiers Dries Mertens (90.); dazwischen traf Juan Manuel Vargas für Florenz (28.). Doch das sportliche Resultat war nur sekundär rund um dieses Spiel in Rom.

Der Finaltag versank in einem Albtraum aus Gewalt, er entwickelte sich zu einem weiteren Fanal dafür, wie sich in Italien gesellschaftliche Spannung und zunehmende Gewaltbereitschaft bevorzugt am Rande von Sportereignissen entladen. "Wir stehen diesen Exzessen mit Wut und Abscheu gegenüber", sagte Senatspräsident Grasso. Es klang hilflos.

Er sei kurz davor gewesen, das Stadion zu verlassen. Ein Leben lang hat Grasso gegen organisierte Gewalt gekämpft, als einer der erfolgreichsten Anti-Mafia-Juristen im Land. Nun muss er erleben, wie der Frust der Straße und gewöhnliche Kriminelle den Fußball immer wieder bedrohen. "Was für eine Schande", titelte der Corriere dello Sport.

Erst nach langen Debatten wird das Spiel angepfiffen. Involviert ist der Sohn eines Camorra-Chefs

Bereits am Nachmittag war es längs der Autobahn zwischen Florenz und Rom zu Rangeleien zwischen gegnerischen Fangruppen gekommen. Florentiner und Neapolitaner beharkten sich auch auf jenem Rastplatz, wo vor sieben Jahren bei Fan- krawallen ein Polizist tödliche Schüsse auf einen Anhänger von Lazio Rom abgefeuert hatte. Diesmal verlief die Anreise einigermaßen kontrolliert. Doch in Rom kam es unweit des Stadions zu einem schweren Zwischenfall: Bei Auseinandersetzungen zwischen Neapel-Fans und einem stadtbekannten rechtsextremen Roma-Anhänger fielen plötzlich Schüsse. Drei Neapolitaner wurden angeschossen, einer wurde lebensgefährlich verletzt, war am Sonntag aber wieder bei Bewusstsein. Auch ein Polizist in Zivil erlitt Verletzungen. Am Sonntag stellte sich heraus, dass ein einschlägig bekannter Roma-Fan den Schuss abgab, laut Polizei ein Einzeltäter. Insgesamt gab es vor der Partie zehn Verletzte.

Im Stadion wehrten sich die Fangruppen zunächst gegen den Anpfiff des Spiels. Die Lage drohte, außer Kontrolle zu geraten, die Neapolitaner befahlen schließlich den SSC-Kapitän Marek Hamsik vor ihre Tribüne. Als der Slowake zu seinen Fans ging, flogen ihm Feuerwerkskörper entgegen, ein Feuerwehrmann wurde verletzt. Nach langen, surrealen Verhandlungen zwischen Spielern, Fans und Ordnungskräften einigte man sich darauf, das Finale stattfinden zu lassen.

Schüsse in Rom - Polizei nimmt Hooligan fest

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