Doch das ist nicht der Anspruch in Wolfsburg. Binnen fünf Jahren, von 2005 bis 2010, hat der VfL den Etat für seinen Spielerkader und das Trainerteam mehr als verdoppelt, von 30 auf 71 Millionen Euro. Nur so gelingt es, Nationalspieler und einen Trainer wie Magath in das abgelegene Wolfsburg zu locken und Meister zu werden.

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Nach dem Gewinn des Titels 2009 waren Magath und seine Kicker in Cabrios geklettert und gemeinsam mit VW-Patriarch Ferdinand Piëch und Vorstandschef Martin Winterkorn im Autokorso durch die Stadt gefahren. Anschließend feierten VW und VfL in einem Hotel auf dem Unternehmensgelände, gleich dahinter ragten, grün angestrahlt, die Kamine des VW-Kraftwerks in den Himmel. Grün ist die Farbe der Wölfe.

Das System VW könnte Schule machen. Einflussreiche Akteure in der Kicker-Szene versuchen, aus den Ausnahmefällen der beiden einzigen großen Werksklubs, Bayer Leverkusen und VW Wolfsburg, eine Regel zu machen und Deutschlands Profiklubs nach und nach komplett für Investoren zu öffnen. Bis hin zur kompletten Übernahme von Vereinen, wie in England und anderswo.

Dann wäre Wolfsburg bald überall. Die wichtigsten Entscheidungen werden ja beim VfL nicht in der Klub-Geschäftsstelle in der VW-Arena getroffen. Sondern gut einen Kilometer entfernt, im zwölften und 13. Stock des VHH, des VW-Verwaltungshochhauses.

Hier residieren die VW-Vorstände, von denen zwei auch im VfL-Aufsichtsrat sitzen: Francisco Javier Garcia Sanz und Hans Dieter Pötsch. Hinzu kommen Stephan Grühsem, Leiter der Konzern-Kommunikation, und Bernd Osterloh, VW-Betriebsratschef. Diese vier bilden das Präsidium des VfL-Aufsichtsrats. Sie sind Kontrolleure und wichtigste Geldgeber der Fußballer zugleich. Sobald der Ball rollt, geht es Kommunikations-Chef Grühsem auch um eine Assoziationskette beim Zuschauer: "Fußball - Menschen - Emotionen - Auto."

Siege und Titel müssen her. Im VHH werden Trainer und Geschäftsführer ausgewählt und wieder gefeuert. Hier werden die wichtigsten Transfers abgenickt. Die vielbeschäftigten Auto-Manager bevorzugen schnelle, kostspielige Lösungen statt innovativer, preisgünstiger Ansätze, für die man Zeit und Tiefenkenntnis der Fußballbranche benötigen würde, wie neuerdings in Dortmund. Zeit haben sie bei VW im Grunde nie, aber Geld ist immer da.

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  1. Das fragwürdige VW-System
  2. Wirklichkeit auf dem Kopf
  3. Sie lesen jetzt Wolfsburg überall
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(SZ vom 30.07.2011/ebc)