Fußball-Marketing Tauziehen um die teuren Trikots

Lamentiert bald mit neuem Ausrüster auf der Brust: Wayne Rooney.

(Foto: AP)

Rund eine Milliarde Euro für zehn Jahre: Ein jüngst geschlossener Ausrüstervertrag zwischen Adidas und Manchester United bringt die Fußball-Branche in Aufruhr. Es fließt so viel Geld, dass andere Klubs nachhaltig irritiert sind - auch der FC Bayern ist betroffen.

Von Johannes Aumüller und Thomas Kistner

In einer Loge der Münchner Arena hatte sich am Dienstag eine gemütliche Runde zum Mittagessen zusammengefunden. Am Kopf des Tisches saß Karl-Heinz Rummenigge, der FC-Bayern-Boss, daneben Vorstandskollegen des deutschen Rekordmeisters sowie vom Softwarehersteller SAP. Eine neue Partnerschaft verkündeten sie an diesem Tag, und neue Partnerschaften sind für den FC Bayern immer gut - zumal in diesen Tagen, in denen in einer anderen, traditionellen Partnerschaft atmosphärische Störungen zu vernehmen sind.

Denn die Münchner sind zentral betroffen von jener Aufregung, die in der Branche herrscht, seitdem Adidas einen spektakulären Ausrüstervertrag mit Manchester United abgeschlossen hat - über jährlich fast 95 Millionen Euro.

Herzogenaurach, Mitte Juli. Deutschland ist Weltmeister, das WM-Endspiel gegen Argentinien war aus Sicht von Adidas ein firmeninternes Drei-Streifen-Finale. Zumindest auf den Trikots. Doch ausgerechnet der begehrteste Schuh des Finales ist jetzt im Schaufenster der Konkurrenz zu besichtigen, in der Berliner Filiale von Nike.

Der US-Konzern hat Mario Götzes linken Kickstiefel ausgestellt, der das Siegtor im Finale brachte. Das Trikot bei Adidas, der Schuh von Nike - schon das zeigt, wie kompliziert und umkämpft die Situation im Sportartikelmarkt ist. Wie passend, dass Adidas just im Schlagschatten des WM-Finales den Coup mit ManUnited bekannt gab: Derzeit sponsert noch Nike die Red Devils, für 31 Millionen Euro pro Saison, ab 2015/16 übernimmt für die nächsten zehn Spielzeiten Adidas - für mehr als das Dreifache jährlich.

Der Drei-Streifen-Plan

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Manchester United mag zwar eine starke Fußballmarke sein, gerade in einem Markt wie Südostasien. Doch die Rekordsumme ist so gewaltig, dass die Hauptkonkurrenten (Nike, Puma) fürchten, Adidas habe die Marktsituation radikal verändert, der Deal werde der Branche buchstäblich auf die Füße fallen.

Erstmals hat Nike damit einen Großen des Fußballs verloren, als Reaktion folgte die Botschaft: "Jede Partnerschaft mit einem Klub oder Verband muss für beide Seiten profitabel sein, und die Bedingungen, die für eine Vertragserneuerung anstanden, boten keine Werthaltigkeit für Nikes Aktionäre." Mit anderen Worten: fast 95 Millionen Euro jährlich, das rentiert sich nicht. Adidas rechtfertigt die Höhe mit den gewaltigen Umsätzen, die zu erwarten seien.

"Die Dimension des Abschlusses mit Manchester United ist krass", ist bei einem wichtigen Vertreter der Branche zu hören, ein anderer meint: "Adidas hat da einen Riesenfehler gemacht. Bei uns hat der Deal nur Kopfschütteln ausgelöst." Selbst die langjährigen Adidas-Getreuen beim FC Bayern sind skeptisch, auch wenn sie es freundlich formulieren: "Wir haben das jetzt noch nicht zur Gänze analysiert, aber ich stimme grundsätzlich zu: Was die Höhe des Betrages betrifft, ist das ein Meilenstein", sagt Bayern-Chef Rummenigge.