Die Beschwerde des Bayern-Präsidenten über den angeblich überflüssigen Test des DFB gegen Australien hat in der öffentlichen Wahrnehmung viel Gewicht erhalten - gerechtfertigt war es nicht.
Am Samstag haben mehr als zehn Millionen Deutsche vor dem Fernseher gesessen, als die Nationalelf ihr ungleiches Duell mit Kasachstan ausgetragen hat. Am Dienstag haben acht Millionen Menschen die Partie gegen Australien verfolgt, obwohl keine Punkte vergeben wurden und die Reserve zu sehen war.
DFB: "Uns sind Freundschaftsspiele wichtig"
Anzeige
Daraus ergibt sich zwar, dass 72 Millionen Bürger einen anderen Zeitvertreib vorzogen, trotzdem bleibt die Zahl der Getreuen imponierend. Als der FC Bayern neulich zum Achtelfinal-Hinspiel der Champions League bei Inter Mailand antrat, meldete Sat1 die Rekordquote der Saison: Durchschnittlich acht Millionen Zuschauer. Das ist auch gut, taugt aber nicht, Uli Hoeneß' Behauptung zu veredeln, das Länderspiel gegen Australien sei belangloser als ein Trainingskick an der Säbener Straße.
Das Poltern des Bayern-Präsidenten über den angeblich überflüssigen Test hat in der öffentlichen Wahrnehmung viel Gewicht erhalten, gerechtfertigt war es nicht. Hoeneß hat dem DFB vorgeworfen, an einem offiziellen Länderspieltermin ein Länderspiel auszutragen, und er hat dem Verband unterstellt, damit Geld verdienen zu wollen. Profit ist kein verwerfliches Motiv im Profifußball, auch der FC Bayern arbeitet täglich am Ausbau seines Geldspeichers. Und um mehr über den sportlichen Reiz des Abends zu erfahren, sollte sich der Präsident an Bastian Schweinsteiger wenden, der lieber beim Nationalteam blieb, als an einem der spannenden Trainingskicks des FC Bayern teilzunehmen.
Dieser kleine Aufruhr war aber wohl nur eine Ouvertüre der Debatte, die im Mai droht, wenn die Bundesliga die Saison beendet, die besten deutschen Fußballer aber noch mehr als drei Wochen in Betrieb bleiben müssen, weil im Juni zwei EM-Qualifikationsspiele anstehen. Da es der FC Bayern versäumt hat, sich fürs Pokalfinale am 21. Mai oder das Champions-League-Finale am 28. Mai zu qualifizieren, sind Schweinsteiger und die übrigen sechs Nationalspieler aus München wochenlang beschäftigungslos, bis sie sich Ende Mai im DFB-Camp sammeln.
Wer hat diesen Irrsinn verbrochen? Jeder wird auf jeden zeigen. Die Liga wird sauer sein auf Uefa und Fifa, die die internationalen Termine diktieren. Der Bundestrainer wird sauer sein auf die Liga, die mitten im Mai die Saison beendet, damit sie mitten im Januar aus der verkürzten Winterpause kommen kann. Hoeneß wird sauer sein, dass seinen hochbelasteten Profis die Sommerferien verdorben werden - für ein Spiel in Aserbaidschan, einen Gegner mit dem Niveau des FC Tegernsee.
Es darf gepoltert werden. Immerhin ein Zeitvertreib beim Warten auf das Spiel in Aserbaidschan, das garantiert ein Quotenhit wird.
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
- Nationalelf: Einzelkritik Glücklose Perspektivspieler 29.03.2011
- Fußball: Kaderplanung beim FC Bayern Heynckes sucht das Gleichgewicht 31.03.2011
- Länderspiel: DFB - Australien Löws neuer Lieblingsschüler 30.03.2011
- Der Flügelflitzer "Die warmen, Lothar, die warmen!" 18.11.2011
- Reaktionen der Spieler nach 3:0 gegen Niederlande "Ausrufezeichen gesetzt" 16.11.2011
- 2 um 2 - Udos Erben "Holland ist einfach stärker als Deutschland" 15.11.2011
- Ukraine gegen Deutschland 3:3 Unberechenbar, vorne wie hinten 12.11.2011
(SZ vom 31.03.2011/jüst)
Bundespräsident zur Islam-Debatte
Champions-League-Finale



nur weil hoeness der einzige ist, der sich traut und etwas gegen die den partout mit heiligenschein versehenen DFB sagt, ist das poltern noch lange nicht überflüssig.
weshalb entscheidet bitte eine einschaltquote darüber, ob eine spielansetzung zum jetzigen und von hoeness kritisierten zeitpunkt sinnig ist, oder eben nicht? richtig: das hat damit überhaupt nichts zu tun.
und im übrigen ging es beim achtelfinal-spiel der bayern im gegensatz zum jünsten grottenkick der dfb-auswahl sehr wohl punkte und geld, genau wie bei den liga-spielen der vereine, die mal wieder ohne zu murren ihre spieler zur verfügung stellen.
sie schreiben es selbst, das spiel war ein belangloser trainingskick. und das zum unnötigsten zeitpunkt, den es dafür geben konnte. die wm war erst im vergangenen jahr, wozu muss ausgerechnet jetzt wieder ein spiel angesetzt werden?
scheinbar gerät immer wieder in vergessenheit, wer die spieler-gehälter bezahlt: das sind die vereine, nicht der dfb. die spieler sind bei genau diesen vereinen angestellt, wiederum nicht beim dfb.
ein grosses plus an vereinsorientierung stünde der verkrusteten pseudo-institution dfb ohne zweifel sehr gut. genau das ist es, was hoeness beklagt, und er hat damit einfach nur recht.
Köstlich, wie Sie versuchen Bernhard Oleinek zu widerlegen und ihn dabei in seiner Aussage bestätigen!
Zum Artikel: Schön, dass nur die Zuschauer auf Sat 1 gezählt werden. Dass auf Sky das Spiel in Mailand nochmal über 1 Million Zuschauer dazu kamen, bleibt unerwähnt. Zudem ist natürlich das Interesse an der Nationalelf für ein breiteres Publikum interessant, da die CL logischerweise in erster Linie Fans des jeweiligen Vereins anschauen.
Außerdem müsste man mal vergleichen, wie die Einschaltquoten bei Länderspielen früher waren. Ich denke, da wird man eine deutliche Übersättigung erkennen. Eine Studie des DFB aus dem Jahre 2002 verweist auf eine durchschnittliche Einschaltquote bei Länderspielen von 12,44 Millionen Zuschauer. Insofern ist schon die Quote gegen Kasachstan eher am unteren Ende des Intersses anzusiedeln. Zudem unterscheidet die Studie noch zwischen Spielen, die vor und solchen die nach 20:00 Uhr angepfiffen werden. Bei Spielen nach 20:00 Uhr soll das Interesse laut DFB-Studie deutlich höher ausfallen (wobei da keine Zahlen genannt werden). Ausgewertet wurden in dieser Studie 104 Länderspiele (Pflicht- und Freundschaftsspiele) im Zeitraum von 7 Jahren vor 2002. Jetzt war diese Zeit auch nicht gerade die Glanzzeit des deutschen Fussballs wie man weiß.
Das Spiel gegen die Türkei im vergangenen Jahr hatte ein Quote von 15 Millionen. Das heisst, dass sich für das Spiel gegen Australien nur ca. die Hälfte der potentiell Interessierten DFB-Fans wirklich interessiert haben. Selbst ein Top-Testspiel gegen Italien lag die Einschaltquote dagegen "nur" bei 11,62 Millionen, also noch unter dem Schnitt von vor 2002. Insofern ist die Frage sowohl nach dem sportlichen Nutzen, als auch nach dem Zuschauerinteresse schon interessant.
läßt Hoeneß doch jedes Jahr um die gleiche Zeit los ... anscheinend war dem
wieder mal langweilig und da gab er halt jedem der anrief schnell seinen
überflüssigen Senf ab.
Natürlich sind solche Testspiele sportlich nicht immer wertvoll, nur kann Löw
dort auch mal etwas ausprobieren. Positiv war am Dienstag, dass Schürrle
definitiv eine Bereicherung sein kann. Negativ, dass sich in so einem Spiel
keiner wehtun möchte und mit halbem Einsatz geht das auch gegen
zweitklassige Gegner schon mal schief. Das Ergebnis ist aber sowieso
zweitrangig. Mich würde mal interessieren, was mit Schweinsteiger los ist,
der scheint ja derzeit vollkommen neben sich zu stehen.
MIndestens 80% der Spiele, die der Bundesadler austrägt, kannst du in die Tonne klopfen. Die Gegner haben meist nicht mal Drittliga-Niveau. Wenn man sich z.B die letzte WM-Quali ansieht, war nur die Truppe aus Russland, die in etwa Bundesliganivea hatte. Kürzlich gegen die Kasachen müsste es normal ein 17:0 geben. Nur strengt sich keiner an, wenn der Gegner in etwa Bayernliga-Niveau hat. Dass die Fans pfeifen, kann ich vollkommen nachvollziehen. Es wird ein "drei Sterne" Eintritt verlangt und geboten wird Bahnhofsimbiss. Dass was gegen Australien geboten wurde, war schlicht und ergreifend eine Frechheit, auch wenn es die B-Elf war.
Schuld sind aber nicht mal so sehr die Spieler, für die es jetzt in der Liga um alles geht und sich deshalb keiner verletzen will. Der DFB hat grossen Einfluss in der Uefa und Fifa, der Terminkalender ist völlig aufgebläht. Das liegt daran, dass wir dauernd gegen irgendwelche Gurkentruppen antreten müssen, die meiner Ansicht nach eine Vor-Quali spielen müssten. Aber hier kommt der DFB ins Spiel, der natürlich freudig die ca. 5 Millionern, die so ein Schmarrn bringen soll, gerne mitnimmt.
Platini braucht die ehemaligen Gussen und andere Zwerge als Stimmvieh - es wird sich also nichts ändern. Das einzige, was man tun kann, ist abschalten!
Herrlich, wie Sie das Bild vom einfältigen Deutschen Michel zeichnen, der sich vom DFB am Nasenring herum führen lässt. Gesunder Menschenverstand und ein eigenes Urteilsvermögen sprechen Sie jedem DFB-Team-Konsumenten ab. Bitte Hirn anschalten und Ball flach halten. Der DFB melkt die Kuh eben solange sie Milch gibt. Sobald die Fernseher aus bleiben und die Stadien leer haben sich solche zugegebenermaßen aufgeblasenen Medien-Event-Termine erledigt bzw. werden im kleineren Rahmen stattfinden. Gerne in Drittliga-Stadien vor 10.000 Zuschauern mit anschliesender 2-minutiger Zusammenfassung im Nachrichtenblock. Das halte ich für angemesse Berichterstattung.
Paging