FC Bayerns Niederlage in Madrid Lähmende Gier nach Ballbesitz

15:3 Ecken, 70 Prozent Ballbesitz: Am Ende waren es fruchtlose Bemühungen

(Foto: dpa)

15:3 Ecken, 70 Prozent Ballbesitz: Der FC Bayern dominiert die Partie gegen Real Madrid - und verliert doch. Pep Guardiola lobt seine Spieler, Fehler will er keine erkennen. Die Mission Triple-Verteidigung ist in akute Gefahr geraten.

Von Lisa Sonnabend, Madrid

David Alaba schob die Unterlippe nach vorne, er blickte mürrisch, so als habe ein Anderer ihm den Titel "Österreichs Fußballer des Jahres" weggeschnappt. Claudio Pizarro entfuhr ein scharfer Zischlaut. Und auch Thomas Müller fixierte den Fernseher, der im Inneren des Estadio Santiago de Bernabéu die entscheidende Szene aus der 19. Minute wiederholte: Ronaldo passt, Coentrão rennt sämtlichen Bayern-Spielern davon, flankt - und der freistehende Benzema hält den Fuß hin. Auf Thomas Müllers Stirn bildete sich eine Falte, dann murmelte er: "Wenn Real den Ball hat, geht die Post ab."

Am Mittwochabend verlor der FC Bayern das Hinspiel des Champions-League-Halbfinales gegen Real Madrid mit 0:1. Pep Guardiolas Mannschaft ist überlistet worden - oder hat sie sich womöglich selbst überlistet? 15:3 Ecken, 18:9 Torschüsse, fast 70 Prozent Ballbesitz: Die Statistiken nach 90 Minuten suggerierten, der übermächtige FC Bayern hätte wie so oft in dieser Saison eine Partie locker mit 4:0 gewonnen. Hatte er aber nicht - und darüber, dass nur ein Gegentor fiel, konnten die Münchner sogar ein bisschen erleichtert sein.

"Ich bin optimistischer als vor dem Hinspiel"

Bayern-Trainer Pep Guardiola zeigt sich "stolz" auf sein Team und appelliert an die Zuschauer fürs Rückspiel. Manuel Neuer und Philipp Lahm sind beeindruckt von den Real-Kontern und Carlo Ancelotti glaubt nur an einen kleinen Vorteil für sein Team. Die Reaktionen zum Halbfinal-Hinspiel mehr ...

Als ihren Wunschgegner hatten die Bayern Real Madrid selbstbewusst bezeichnet. Der Angriffsfußball von Carlo Ancelottis Team liege ihnen mehr als das defensive Spiel von Atlético Madrid und FC Chelsea, frohlockten sie in München laut, dass die Madrilenen so große Angst vor der "Bestia Negra" bekamen, wie schon seit Jahren nicht mehr. Doch nun ist die Ausgangslage vor dem Rückspiel am kommenden Dienstag eine völlig andere als geplant. Die Mission Triple-Verteidigung ist in akute Gefahr geraten.

Guardiolas Laune trübte dies merkwürdigerweise kaum. "Ich bin sehr, sehr stolz auf meine Mannschaft", lobte der Trainer während der Pressekonferenz. "Ich bin nicht zufrieden mit dem Ergebnis, aber ich bin zufrieden mit der Haltung meiner Mannschaft."

Seinen Spielern war die Enttäuschung dagegen deutlicher anzumerken, nicht nur, als sie resigniert auf den Bildschirm starrten. Natürlich übten auch sie keine offene Kritik an den Mannschaftskollegen, doch ihre Aussagen ließen erahnen, dass es in den kommenden Tagen einiges zu besprechen gibt.

Philipp Lahm sagte: "Wir haben versucht, sie auszuschalten. Das ist uns phasenweise gelungen, phasenweise auch nicht." Torwart Manuel Neuer wurde etwas deutlicher und beschwerte sich indirekt bei seinen Kollegen in der Abwehr. "Wenn ein Spiel vorne abläuft, dürfen wir uns in der Defensive keine Fehler erlauben." Doch genau das passierte den Bayern. Bei den schnellen Kontern von Ronaldo, Benzema und di Maria wirkten Dante und Jérôme Boateng oft überrumpelt und gelegentlich träge wie Koalabären.

Lahms entscheidender Fauxpas

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