FC Bayern Wie im Büro oder in den besten Familien

Jupp Heynckes hakt den Konflikt mit Matthias Sammer ab - offiziell. Dass der Trainer des FC Bayern bis zum nahenden Karriere-Ende mit dem Sportvorstand eher ein Zweckbündnis bildet, legt er jedoch mit einem beiläufigen Abwehrversuch von Nachfragen nahe.

Von Andreas Burkert

Es gibt Dinge, die Jupp Heynckes mehr bewegen als die Kompetenzrangelei mit einem Sportvorstand oder eine seiner Meinung nach ordentliche Partie des FC Bayern beim 1:3 in Minsk gegen Borissow, die jedoch "in die Tonne gekloppt wurde", wie er mitbekommen hat.

Denn Heynckes hat zum Beispiel Tom Starke im Team, den Reservetorwart, der aus Hoffenheim kam und der "gut befreundet ist mit Boris Vukcevic", der nach einem Autounfall um sein Leben kämpft. Wie beklemmend es zugehen muss bei Starkes alten TSG-Kollegen vor dem Wiedersehen in München am Samstag, "das haben wir diskutiert und besprochen", sagt der Bayern-Coach.

Die Weisheit des Alters hat Heynckes zuletzt nicht davor bewahrt, die nach einem 2:0 in Bremen vorgetragene Nörgelei des neuen Sportchefs Matthias Sammer in Minsk öffentlich "Populismus" zu nennen. Sammer hat den Vorstoß, auch wenn er das behauptete, offenbar nicht mit ihm abgesprochen; Heynckes wiederum sprach seine Replik schon ab, mit sich selbst: Er habe sie noch Tage nach der Partie in Bremen ganz bewusst geäußert, räumt er ein: "Ich hatte ja vorher keine Gelegenheit dazu."

Ansonsten ist er nun sehr darauf bedacht, die ja angeblich in einem von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge moderierten Gütegespräch ausgeräumte "Unstimmigkeit" betont tiefenentspannt abzuhaken: Er habe Matthias Sammer seine Meinung gesagt und auch der Klubführung, die den antizyklischen Tadel des neuen Sportchefs goutiert hatte.

Doch Meinungsverschiedenheiten kämen "in den besten Familien vor", und die Sache sei jetzt erledigt: Mit Sammer sei "alles okay, bestens", man verstehe sich "sehr gut". In diesem Moment ist allerdings nicht zu erkennen, ob Heynckes während der mutmaßlichen Flunkerei Zeige- und Mittelfinger kreuzt.

Dass er bis zum nahenden Karriere-Ende mit Sammer eher ein Zweckbündnis bildet, legt er jedoch mit einem beiläufigen Abwehrversuch von Nachfragen nahe: "Sie müssen doch auch mit Ihren Kollegen und Mitarbeiten zusammenarbeiten", sagt er da. Heißt: wie er halt notgedrungen mit Matthias Sammer.

Was von alledem zurückbleibt im Münchner Komödienstadl, wird woanders geregelt, auf dem Rasen. Dort fehlt dem Tabellenführer gegen Hoffenheim erneut Arjen Robben wegen anhaltendem "Muskelzwicken", der Einsatz von Franck Ribéry ist laut Heynckes "offen": Muskelverhärtung, nichts wirklich Schlimmes.