FC Bayern Never change a winning scene

Arjen Robben schießt, nachdem er parallel zur Strafraumlinie lief.

(Foto: REUTERS)
  • Arjen Robben trifft gegen Borussia Dortmund erneut mit dem Robben-Move. Auch Hans-Joachim Watzke ist ratlos, wenn man ihn nach einer Verteidigungsmöglichkeit fragt.
  • Neurowissenschaftler haben den Bewegungsablauf vor Jahren untersucht und kamen zu dem Ergebnis: Er ist einfach zu schnell.
  • Robben selbst erklärt den Erfolg mit dem richtigen Timing.
Von Saskia Aleythe

Es wäre nicht verwunderlich, würden sich mancherorts Löffel verbiegen, während ein Spiel mit Arjen Robben im Fernsehen läuft. Den Fußballer vom FC Bayern umweht etwas Mystisches, was im Groben daran liegt, dass er seit Jahren auf dieselbe Art Tore erzielt, was wiederum jene ins Grübeln bringt, die seit Jahren daran scheitern, dies zu unterbinden. So saß am Sonntagmittag Dortmunds Hans-Joachim Watzke in der TV-Sendung "Doppelpass" und versuchte, zu erklären, was diesen Robben denn an seinem typischen Tor zum 3:1 hätte hindern können. Watzke sagte über seinen Verteidiger Sokratis: "Er hätte draufgehen und ihn umnieten müssen. Aber sowas wollen wir ja nicht." Gewalt ist keine Lösung, das gilt im Fußball wie im Leben.

Pünktlich zum Viertelfinal-Duell in der Champions League gegen Real Madrid am Mittwochabend hat sich Robben in Rage gespielt, was die Dortmunder recht eindrücklich erleben mussten. "Wenn man so spielt, mit viel Intensität, viel Leidenschaft und du ganz klar gewinnst gegen einen starken Gegner", sagte Robben schließlich in den Katakomben der Arena, "dann macht das Spaß, und du kannst nur zufrieden sein." Dass sein Gegenpart auf der Außenbahn, Franck Ribéry, bei der Auswechslung einen Wangenkuss von Trainer Carlo Ancelotti ergatterte und er selber nicht, löste bei Robben nur leicht neidvolle Gefühle aus. "Den Kuss kriege ich wahrscheinlich auch noch." Und damit könnte er richtig liegen.

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Der Robben-Move, er ist sein Markenzeichen geworden: Auf der rechten Außenbahn Richtung Strafraum stürmen, den Gegner mit einer Körpertäuschung austricksen, nach links parallel zum Tor Richtung Mitte ziehen, - der Ball klebt da am linken Fuß - um schließlich neben dem linken Pfosten im Tor zu landen. Ein findiger Internetuser hat zuletzt ein Video zusammengestellt vom Robben-Move, 2:10 Minuten lang, mit Toren bei Bayern und in der niederländischen Nationalmannschaft. Das ist noch nicht das Gesamtwerk, aber eine eindrückliche Sequenz des Jeder-weiß-was-er-tut-aber-niemand-weiß-wie-man-ihn-stoppen-soll-Phänomens.

Gegenstand wissenschaftlicher Studien ist der Robben-Move sogar schon geworden, im Jahr 2010 stellte Shanti Ganesh, Neurowissenschaftler der Radboud-Universität Nijmegen, heraus, dass das Verteidiger-Gehirn gar nicht so schnell antworten kann, wie sich Robben schon mit seiner Körpertäuschung davon bewegt. "Du musst es im richtigen Moment machen", sagte Robben dazu jüngst dem kicker, was recht simpel klang, einen aber zur Wertschätzung des richtigen Timings führt. Der Niederländer ist immer noch verdammt schnell, noch dazu ist sein Parallel-Lauf zum Tor für die Abwehrspieler schwer zu verteidigen - da Robben den Ball am linken Fuß führt, ist das Trennen vom Ball eine heikle Angelegenheit. "Solange es funktioniert, geht's damit weiter", sagte Robben nach der Partie gegen Dortmund. Klar: Never change a winning scene.

Dass beim FC Bayern nun definitiv die Robben-Wochen ausgebrochen sind, war aber nicht nur an seinem typischen Tor zu erkennen. Wie der 33-Jährige über den Platz jagte, flink, bissig und unermüdlich, das ist für den Gegner bisweilen furchteinflößend. Für die Teamkameraden aber zwischenzeitlich auch eine Belastung. Robert Lewandowski gehörte am Samstag nicht gerade zu den Lieblingsanspielstationen von Robben. Im Spiel gegen Mönchengladbach zofften sich die beiden mehr oder weniger öffentlich, weil Robben fand, Lewandowski hätte ihn in einer Szene anspielen müssen, statt selbst zu schießen. Aber Robben kam auch so sehr häufig zum Abschluss und führt nun die Vereinsstatistik an: 314 Torschüsse in 90 Bundesliga-Heimspielen - so oft hat sich kein anderer Münchner den Ball genommen und geschossen.

Was dann auch als Botschaft an Real Madrid verstanden werden könnte. "Ich habe das Gefühl: Wir sind bereit", sagte Robben noch. Jubelerprobt ist er nun jedenfalls: Nach seinem Mysteriums-Tor fegte er auf den Knien Richtung Zuschauertribünen, stand auf und blieb stumm stehen. Aller Applaus zu ihm bitteschön. Im Karriere-Endspurt gilt ja auch: Alles mitnehmen, was geht.

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