Dopingfall Lance Armstrong Gipfel der Verlogenheit

Doping im Spitzensport gab es schon lange vor dem gefallenen Radsport-Idol Lance Armstrong: Vom Urknall um Sprinter Ben Johnson über den systematischen Betrug in der DDR - doch so verlogen wie bei Armstrong war es nie.

Ein Kommentar von René Hofmann

Urteile verdichten sich oft in Adjektiven. Die bleiben in Erinnerung, wenn sie klug gewählt und treffend gesetzt sind. Das "ausgeklügeltste, professionellste und erfolgreichste Dopingprogramm, das der Sport je gesehen hat" - so hatte die US-Anti-Doping-Behörde das Treiben von Lance Armstrong genannt, als sie die Akten veröffentlichte, in denen Zeugen auf mehr als 1000 Seiten beschrieben, mit welchen verbotenen Mitteln und perfiden Tricks der Radprofi zu seinen sieben Tour-de-France-Titeln gekommen war.

Bei seinem ersten TV-Auftritt nach den Enthüllungen lag Lance Armstrong viel daran, diesem Urteil etwas entgegenzusetzen. Die Einschätzung stimme nicht, behauptete er bei Oprah Winfrey gleich zum Auftakt. Das DDR-Staatsdoping habe wesentlich größere Dimensionen gehabt.

Größer, höher, weiter - der Dreisatz treibt den Hochleistungssport. Ihn auf die Skandale des Sports zu übertragen, ist aber absurd. Wer war der größte Dopingfall? Was der höchste Heldensturz? Welcher Skandal reichte am weitesten? Das sind müßige Fragen, weil jeder Fall vor einem anderen Hintergrund spielt. Und in einer anderen Zeit. Interessant ist, wofür eine Enthüllung in Erinnerung bleibt. Was sich mit ihr verändert; in den Regelwerken und beim Publikum.