2:3 nach 0:3: Ivica Olic und Arjen Robben sichern dem FC Bayern im turbulenten Viertelfinale von Manchester das Weiterkommen. Dort wartet Lyon.

Die vergangenen Wochen hatten dem FC Bayern die sonnige Aussicht eröffnet, sich mit einer Supersaison auf dem hauseigenen Briefpapier zu verewigen: Eintritt ins Pokalendspiel, wieder Erster in der Liga, 2:1 im ersten Champions-League-Viertelfinale gegen das mutmaßlich übermächtige Manchester United - schon schillerte das "Titel-Triple" am Horizont.

Champions League: Manchester - München

Der Schuss zum 2:3: Arjen Robben trifft den Ball perfekt. (© Foto: rtr)

Anzeige

Dem Vorstandschef kam all der Frohsinn "fast schon einen Schuss zu euphorisch" vor, so sagte es Karl-Heinz Rummenigge, bevor er in den Flieger nach England stieg. Es wurde dann zunächst sehr schnell sehr finster für die Bayern am Mittwochabend in der Fußball-Kathedrale von Old Trafford: 0:1 nach drei Minuten, 0:2 nach sieben, 0:3 nach 41 - Manchester schien kurzen Prozess zu machen im Rückspiel.

Doch mit typisch bayerischer Unbeugsamkeit und ihrer zuletzt erlangten psychischen Stärke kamen die Münchner kraftvoll zurück und schafften durch Olic (43.) und Robben (74.) doch den Eintritt ins Halbfinale. Wieder durch ein 2:3, wieder durch ein rettendes Traumtor von Robben, wie schon im Achtelfinale von Florenz. Nach dieser herkulischen Leistung erscheint nun alles möglich im Halbfinale gegen Olympique Lyon.

Das Medizinressort der Bayern hatte alle Kräfte mobilisiert fürs große Spiel. Arjen Robben (Wade) und Abwehrchef Daniel van Buyten (Knie) standen auf dem Aufstellungsbogen, wie erhofft. Wie von manchen Münchnern befürchtet, ließ die Kriegslist des gegnerischen Trainers allerdings auch - simsalabim - Wayne Rooney dort auftauchen. Damit nicht genug der Überraschungen, die Sir Alex Ferguson für das Duell der Groß-Hirne mit Louis van Gaal ausgeheckt hatte. Der Brasilianer Rafael, 19, ersetzte als Rechtsverteidiger Routinier Neville, 35. Und das ManU-Mittelfeld bereicherte der irische Jüngling Darron Gibson.

"Diesmal ab der ersten Minute bereit sein!", hatte Robben den eigenen Hinterleuten ins Pflichtenheft geschrieben - ein Warnhinweis wegen des 0:1 im Hinspiel in der 64.Sekunde. Es blieb beim Vorsatz, es kam - noch schlimmer. Rafael, von Ribéry kaum belästigt, passte vom rechten Flügel in die Spitze zu Rooney, dem vermeintlich verletzten Sturmbullen der Briten, Rooney ließ prallen zu Gibson, der schüttelte Schweinsteiger ab und schoss den Ball auf flatternder Bahn ins Tor; Verteidiger Demichelis konnte nicht blocken, Torwart Butt nicht halten - 1:0 (3.), durch eine Zusammenarbeit der drei Überraschungsspieler Fergusons: Rafael, Rooney, Gibson, es sah aus wie ein geübtes Kombinationsmuster.

Nun war Schwimmstunde im Münchner Abwehrpool. Ein erhabener langer Pass von Rooney erreichte rechts vorne Valencia, Bayerns junger Linksverteidiger Badstuber ließ sich vom Ecuadorianer austricksen - und dessen Flanke verwandelte Nani zum 2:0 (7.), kunstvoll mit der Hacke, wie einst ein gewisser Rabah Madjer (FC Porto) gegen die Bayern im Europacup-Finale 1987.

Nani hatte sich clever mit zwei, drei flinken Schritten zum Ball in ein Vakuum zwischen den Verteidigern Lahm, van Buyten und Demichelis bewegt, alle drei blickten hinaus auf den Flügel, zum Ball, zum Flankengeber; und niemand über die Schulter, zum Torschützen. Es war der nächste Schnitzer der Münchner Hintermannschaft, die es allen Kritikern zeigen wollte, die ihre Tauglichkeit auf europäischem Topniveau angezweifelt hatten.

Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite

  1. Sie lesen jetzt Schwimmstunde, Traumtor - Halbfinale!
  2. Traumtor von Arjen Robben
Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: "Ich war nie schuld. Nie. Nie. Nie."

Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...