Kein Einspruch Südtribüne des BVB wird für ein Spiel gesperrt

Für ein Spiel bleibt die Südtribüne leer.

(Foto: imago sportfotodienst)
  • Borussia Dortmund akzeptiert den Strafantrag des DFB-Kontrollausschusses. Die Südtribüne wird damit ein Spiel leer bleiben.
  • Der BVB akzeptierte den Antrag auch, damit niemand dem Klub mangelnde Einsicht nach den Plakaten gegen RB Leipzig vorwerfen könne.
  • Thomas Tuchel bezeichnete eine mögliche Sperrung am Abend zuvor als "Drama".

Die Gelbe Wand bleibt grau: Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund akzeptiert die Sperrung seiner Südtribüne für ein Spiel. Das gab der Verein am Montag bekannt. Der entsprechende Strafantrag des Kontrollausschusses des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ist damit rechtskräftig. Im Bundesligaspiel gegen den VfL Wolfsburg am kommenden Samstag um 15:30 Uhr wird die Tribüne leer bleiben.

In einer umfangreichen Pressemitteilung äußert sich der Verein zu der Strafe. Borussias Zustimmung basiere auch auf der Überzeugung, "dass es in der emotional noch immer aufgeladenen Atmosphäre derzeit weder möglich noch sinnvoll erscheint, eine inhaltliche Debatte über ein im juristischen Sinne 'angemessenes', 'erforderliches', 'verhältnismäßiges' oder 'weitsichtiges' Strafmaß zu führen", heißt es in der Pressemitteilung der Westfalen. Man sehe außerdem die Gefahr, "dass die Ablehnung des Strafantrages oder von Teilen seiner Inhalte durch den BVB als mangelnde Einsicht des Klubs in das krasse Fehlverhalten von Teilen der Fans fehlinterpretiert werden könnte. Dieser Eindruck wäre fatal!"

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Gleichzeitig teilte der BVB mit, dass er die Kollektivstrafe für unverhältnismäßig hält. Einem überwältigenden Teil der Fans sei kein Vorwurf zu machen. "Die Sperrung der gesamten Südtribüne - und nicht nur bestimmter Blöcke - birgt aus unserer Sicht zudem das Risiko, dass der von allen Seiten gewünschte Solidarisierungseffekt der vielen friedlichen Fußballfans gegen die Täter letztlich nicht eintritt", schreibt der Klub. Man werde allen Zuschauern, die nicht erwiesenermaßen zu den Tätern gehören, den Eintrittspreis erstatten.

Der Kontrollausschuss hatte ein Spiel Sperre der 25 000 Zuschauer fassenden Tribüne und 100 000 Euro Strafe beantragt, weil BVB-Fans vor dem Spiel gegen RB Leipzig (1:0) beleidigende Plakate präsentiert hatten. Während des Spiels bei 1899 Hoffenheim (2:2) seien zudem mehrmals Schmählieder gesungen worden, beim Hinspiel in Leipzig (0:1) monierte der Kontrollausschuss "ein beleidigendes Banner im Dortmunder Block".

Ausdrücklich keine Auswirkungen hat die Sperre auf die juristische Verfolgung der Randalierer, die vor dem Spiel gegen RB am 4. Februar Steine und Flaschen auf Gästefans geworfen hatten. Zehn Personen wurden dabei vor dem Stadion verletzt.

Wegen früherer Zuschauerausschreitungen spielte der BVB zuletzt unter besonderer Beobachtung. Am 8. Juli 2016 war vom DFB-Sportgericht ein Teilausschluss für den Unterrang der Südtribüne auf Bewährung ausgesetzt worden. Diese Bewährung wird nun widerrufen. Der Oberrang wird aufgrund der jüngeren Vergehen gesperrt.

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BVB-Coach Thomas Tuchel nannte die drohende Sperre am Sonntagabend "ein Drama". "Wir sprechen von der Tribüne in Europa und vielleicht auf der Welt schlechthin, einem ganz besonderen Ort des Fußballs, der eine besondere Symbolkraft hat", sagte Tuchel einem Bericht der Funke Mediengruppe. Tuchel erinnerte an positive Aktionen der Dortmunder Fans. "Und wir sprechen auch von der Südtribüne, die auf eine unglaublich mitfühlende Art im Spiel gegen Mainz den Support eingestellt hat, aufgrund eines Unglücks auf der Tribüne. Wir sprechen von der Südtribüne, die ausgezeichnet wurde für die Stimmung in den Spielen gegen Liverpool", sagte der Coach. "Es sind die gleichen Menschen, die gleichen Dauerkartenbesitzer."