Bundesliga Fangewalt ist auch Sache der Vereine

Dortmunder Fanblock in Darmstadt.

(Foto: dpa)

Klar, für Randalierer ist die Polizei zuständig. Trotzdem tun die Fußball-Klubs gut daran, die Motive ihrer Problem-Kundschaft zu verstehen, so irrational sie einem auch erscheinen mögen.

Kommentar von Claudio Catuogno

Wenn erwachsene Männer Sturmhauben, Kampfsporthandschuhe, Schmerzmittel einpacken, wenn sie Busse mieten mit dem Ziel, sich von Dortmund nach Darmstadt kutschieren zu lassen und dort, wie man annehmen muss, anderen Gewalt anzutun - hat das dann etwas mit Fußball zu tun? Ja und nein.

Es hat mit Fußball zu tun, weil es ohne das Spiel von Borussia Dortmund in Darmstadt keinen Anlass für die Reise gäbe. Weil auf den Sturmhauben das BVB- Logo prangt. Und gleichzeitig ist der Fußball doch nur ein Vorwand für diese Art organisierter Gewaltexzesse, denen sich die Gesellschaft insgesamt stellen muss. Das macht den Umgang mit dem Thema "Fangewalt" so kompliziert. Hans-Joachim Watzke bekommt das gerade zu spüren.

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Der BVB-Chef Watzke gilt vielen jetzt als der "geistige Brandstifter", der mit Sticheleien gegen das Marketing-Konstrukt Red Bull Leipzig erst "den Nährboden bereitet" habe für die umfangreichen Fan-Verfehlungen beim Spiel gegen Leipzig vor einer Woche. Völlig konstruiert ist der Zusammenhang nicht. Mancher Hassplakat-Schreiber mag sich ermuntert gefühlt haben, mancher Steinewerfer mag sich zumindest eingeredet haben, es sei, wenn schon nicht das Mittel, so doch der Zweck seines Handelns irgendwie gedeckt. Und doch greift der Vorwurf zu kurz.

Weil es ja möglich sein muss, sich - auch kritisch-pointiert - mit RB zu beschäftigen. Und weil der Vorwurf den Grad der Beeinflussbarkeit der sogenannten Ultras verkennt: Als würden ausgerechnet junge Männer, die Autoritäten ablehnen, nur auf ein paar Sprüche warten, um jede Hemmung fallen zu lassen.

Ja, der Fußball hat sich viel zu spät zuständig gefühlt für die Vereinnahmung seiner Kurven durch Gewaltbereite. Und schon gar nicht wollte er etwas mit Auswüchsen außerhalb der Stadien zu tun haben: Sache der Polizei! Diese Arbeitsteilung war von Anfang an unrealistisch. Aber die umfangreiche Fan-Arbeit in der Bundesliga, gerade auch in Dortmund, trägt dem inzwischen Rechnung. Wer Strafbares tut, ist dafür selbst verantwortlich. Und trotzdem tun die Klubs gut daran, auch die Sensibilitäten und Motivlagen ihrer Problem-Klientel verstehen zu wollen, so irrational sie einem auch erscheinen mögen.

Es ist ein bisschen wie mit der Frage, wie man Gewalt und Kriminalität in bestimmten Stadtvierteln begegnet: Man kann die Polizeipräsenz erhöhen - aber oft stellt man fest, dass man mit Sozialarbeit mehr erreicht. Man kann Gesetze verschärfen - aber oft hilft es auch, Leuten Perspektiven zu geben.

Eins darf man dabei aber nicht vergessen: jederzeit klare Grenzen zu ziehen. Beim Reden und beim Handeln. Es war nun auch ein Tipp des BVB, der die Polizei jene Busse filzen ließ, in denen die Schläger mit den BVB-Mützen saßen.

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