Bundesliga: 1. FC Köln "Dann haue ich dazwischen"

SZ: Als Sie Ende Oktober kamen, war Novakovic draußen. Sie haben ihn sofort wieder eingesetzt. Ein Grundsatzbeschluss?

Schaefer: Mir war klar, dass es nur diesen Weg geben konnte. Mit den beiden als Tandemspitze, mit Nova als Neuner und Lukas als Neuneinhalber. Es ging einfach darum, diese Individualisten in eine Ordnung und ins Kollektiv einzufügen. Taktisch bleibt das zwar ein Ringen: Ich weiß um die Gefahren, und ich weiß, dass sich die Gefahren noch oft genug zeigen werden. Aber ich weiß auch, dass wir mehr Gewinn durch diese Konstellation haben. Lukas hat zehn Saisontore, Nova neun, sie waren zusammen an 28 Toren beteiligt. Da ist die Aussicht auf Gewinn größer als das Risiko. Und für Lukas ist es ein guter Schritt in der Entwicklung, dass seine Leistung im Verein nun auch mit der in der Nationalmannschaft übereinstimmt.

SZ: Fühlen Sie sich einer bestimmten Trainerschule zugehörig?

Schaefer: Es gibt kein Trainervorbild oder so etwas, mir geht es um die Spielidee. Mein Credo ist: Wer gut verteidigt, greift auch gut an. Mannschaften wie Dortmund, Mainz oder die Nationalmannschaft machen das vor. Es geht darum, Aggressivität und Aktivität in die Grundhaltung aufzunehmen. Wenn du lethargisch verteidigst, wirst du auch lethargisch angreifen.

SZ: Gerade weil der Stil, den Sie dem FC vermittelt haben, den modernen Mustern von Kollegen wie Jürgen Klopp, Thomas Tuchel oder Joachim Löw entspricht, fragen sich viele in Köln, warum der Klub Sie nicht längst mit einem Vertrag für die nächste Saison ausgestattet hat. Also: Warum?

Schaefer: Wir haben hier ein ganz spezielles Verhältnis und eine ganz spezielle Vertrauenssituation. Wir wollen hier Schritt für Schritt gehen. Es geht darum, den Abstieg zu verhindern, das ist meine Mission, darauf bin ich fixiert - und wenn wir das geschafft haben, dann können wir uns zusammensetzen. Damit kann ich sehr gut leben. Ich brauche für mich nicht mehr Sicherheit, als zu wissen, dass wir gleich ein gutes Training haben werden. So bin ich gestrickt.

SZ: Haben Sie einen Agenten, der Ihre Sache vertritt?

Schaefer: Nein.

SZ: Sie verdienen weniger Geld als alle anderen Bundesligatrainer. Wollen Sie nicht Ferrari fahren?

Schaefer: Ich weiß, worauf Sie hinauswollen. Und ich weiß auch, dass es eine neue Trainergeneration gibt, die von Agenten gesteuert und geführt wird. Für mich ist das nichts. Ich will mich nicht manipulieren lassen, ich brauche keine Berater, die mir irgendwas erzählen. Aber wenn ich das Gefühl haben sollte, dass die Haltung, die ich habe, irgendwie ausgenutzt wird - dann haue ich dazwischen.

SZ: Es ist höchste Karnevalszeit in Köln. Welchen Einfluss hat das auf Ihre Arbeit?

Schaefer: Aus Trainersicht einen störenden. Du musst dich mit Themen beschäftigen, die uninteressant sind. Wer geht wo wann hin? Wird an Rosenmontag trainiert? Ich bin zwar Kölner und feiere auch gern Karneval, aber für mich wäre es das größte Fest, wenn wir am 14. Mai den Klassenerhalt erreicht haben sollten. Dann fallen Weiberfastnacht und Rosenmontag auf einen Tag.

SZ: Und wenn die Mannschaft am Freitag in Dortmund punkten, vielleicht gewinnen sollte - verzichten Sie dann aufs Training an Rosenmontag?

Schaefer: Man soll als Trainer nicht zu früh irgendwelche Aussagen machen. Die Emotion und die Stimmungslage, damit muss man arbeiten. Aber wir haben auch nächsten Freitag wieder ein Spiel. Gehen Sie davon aus, dass wir an Rosenmontag auf jeden Fall trainieren werden.