Bundesliga Ein Team, das in der Pause nach Hause will

Sie diskutieren mit dem Schiedsrichter, doch die rote Karte war nicht zu hart: Die RB-Spieler am Samstag in München

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • RB Leipzig verliert zwei Spiele gegen den FC Bayern, unter anderem weil Leipzig keins der Spiele mit elf Spielern beendet.
  • Die Klub-Strategie lautet: Auf junge Spieler setzen. Dann ist es schwierig, Erfahrung und Abgezocktheit zu erwarten.
  • Den Schritt zur Spitzenmannschaft schafft Leipzig derzeit noch nicht. Know-how und Geld reichen alleine nicht aus.
Von Christof Kneer

Dieses Mal hatten die Leipziger einen Schiedsrichter erwischt, der es gut mit ihnen meinte. Zwar orientierte sich auch Daniel Siebert am derzeit gängigen Branchentrend, wonach unbedingt ein Platzverweis gegen RB zu verhängen ist. Aber das war nicht böse gemeint, es war halt ein Notbremse, was sollte er machen? Dass er ein Herz für diese Mannschaft besitzt, bewies der Schiedsrichter, als er die Partie in München nach 90 Minuten beendete - ohne eine Sekunde Nachspielzeit. Möglicherweise ist Daniel Siebert sogar ein guter Mensch, der sich einfach folgende Frage stellte: Wieso soll ich die armen Leipziger noch länger quälen?

Wenn er den Leipzigern aber wirklich einen Gefallen hätte tun wollen, dann hätte er seine Schiedsrichter-Karriere aufs Spiel setzen müssen. Dann hätte er sich über die Regeln der Sportart erheben und das Spiel schon zur Pause beenden müssen.

Der Geist aus der Dose

Ralf Rangnick, der Sportchef von RB Leipzig, fordert den großen FC Bayern schon zum zweiten Mal heraus. In München muss das wie eine Provokation wirken. Von Christof Kneer mehr ...

Nach 45 Minuten hätte man auch heimgehen können, meinte Leipzigs Trainer Ralph Hasenhüttl, der sich mit dieser Idee über seinen Arbeitsvertrag erhoben hätte. Laut Vertrag sollte Hasenhüttl ein Spiel bestimmt ordnungsgemäß zu Ende coachen, wobei man in diesem Fall allerdings einwenden muss: Welches Spiel eigentlich?

Das Spiel FC Bayern gegen RB Leipzig dauerte 13 Minuten. "Danach waren wir mit unserem Matchplan am Ende", sagte Hasenhüttl. Das ist ein Satz, den ein Trainer nicht unbedingt sagen sollte, ebenso wenig wie den, dass man nach der Pause auch heimgehen könne. Aber Hasenhüttl sagte noch mehr: In der zweiten Halbzeit habe man "in den Verwaltungsmodus geschaltet", gestand er trocken, "um vielleicht noch Spieler schonen zu können".

Führt man nun all diese Sätze zusammen, gelangt man zu folgender Erkenntnis: Die Leipziger haben die zweite Hälfte dieses Spiels kampflos hergeschenkt.

Noch erstaunlicher als diese Erkenntnis waren nur die Reaktionen darauf. Es fand sich später niemand, der aus dieser kuriosen Leipziger Selbstanzeige einen ernsthaften Vorwurf konstruieren wollte. Warum auch? Wer die Geschichte dieses Klubs in den vergangenen Tagen verfolgt und in dieser Zeit die beiden Duelle mit dem FC Bayern studiert hatte, der durfte ja tatsächlich bezweifeln, ob sich Kämpfen in der zweiten Halbzeit dieses Ligaspiels in München überhaupt gelohnt hätte.

Es ist grundsätzlich kein schlimmes Schicksal, RB Leipzig zu sein. Man ist zwar nicht so rasend beliebt, aber das wird ja gerade besser, und man lässt sich auch gerne davon trösten, dass man sich viel mehr leisten kann als andere. In den vergangenen Tagen konnte man als RB allerdings tatsächlich das Gefühl bekommen, als habe sich jemand gegen einen verschworen, das Schicksal oder vielleicht auch nur Felix Zwayer. Seit dieser Schiedsrichter am vorigen Mittwochabend im Pokalspiel gegen den FC Bayern einen bereits gegebenen Elfmeter für Leipzig nachträglich stornierte, sind folgende furchterregende Fakten zu notieren: Naby Keita sieht in diesem Pokalspiel die gelb-rote Karte. Timo Werner verschießt in diesem Pokalspiel den entscheidenden Elfmeter. Willy Orban sieht im anschließenden Bundesligaspiel nach 13 Minuten wegen Notbremse die rote Karte. Und Naby Keita muss am Ende dieses Spiels angeschlagen raus, worauf die Leipziger, die bereits dreimal gewechselt haben, die Partie zu neunt zu Ende spielen.