Bundesliga Bayerns Höllenhunde verzagen

Selbst David Alaba agierte zuletzt nicht immer wie David Alaba.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Einigen fehlt die Bestform, andere kämpfen mit sich selbst - und selbst der große Alaba rennt hinterher. Fünf Baustellen des FC Bayern vor dem Spiel in Dortmund.

Von Jonas Beckenkamp
  • Nur wenige Profis sind in Bestform

Normalerweise verliefen die Spiele beim FC Bayern in den vergangenen Jahren so: Wenn zufällig mal dem Müller alle Bälle vom Fuß kullerten, traf halt der Lewandowski. Wenn der Ribéry sich zu oft verhedderte, haute eben der Robben einen rein. Und wenn hinten mal Boateng einen Boateng baute, flog ein Ungeheuer namens Neuer heran. Doch für diese Logik fehlen derzeit zu vielen Bayern ein paar Prozent ihres Leistungsvermögens. De facto agierten von den Feldspielern zuletzt nur Robben, Lewandowski und Müller auf elitärem Level. Der Rest kämpft zu sehr mit sich selbst: Ribéry muss erst wieder Ribéry werden, Thiago wirkt uninspiriert, Medhi Benatia verliert entscheidende Duelle und selbst der große David Alaba lässt Gegner davon rennen. Und Douglas Costa? Hat sich im Universum der Übersteiger verirrt.

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  • Die Abwehr wackelt

Natürlich machen sich die Ausfälle von Boateng, Holger Badstuber und Javi Martínez bemerkbar. Guardiola probierte verschiedene Varianten, um ihr Fehlen aufzufangen, der Verein reagierte mit dem Notkauf von Serdar Tasci. Doch bisher hat sich weder der frühere Nationalspieler als Ersatz bewährt, noch die Umschulung des spielstarken Joshua Kimmich zum Aushilfs-Verteidiger. Gegen Mainz offenbarte sich schließlich die akute Verwundbarkeit des Gespanns Alaba/Benatia in der Rückwärtsbewegung. Nur vier der vergangenen neun Partien beendeten die Bayern folglich ohne Gegentreffer. Benatia klagte nach dem 1:2 gegen Mainz, dass "es für uns häufig zu schnell ging hinten. Das müssen wir besser lösen." Dumm nur, dass der BVB nun mit Pierre-Emerick Aubameyang wartet - dem absoluten Roadrunner der Liga.

  • Anfälligkeit für Fehler

Am deutlichsten sprach Arjen Robben diesen Punkt an: "Wir reden immer wieder über das selbe. Wir schaffen es nicht, die Spiele zuzumachen und dürfen solche Konter nicht zulassen." Ein handfester Hinweis des Holländers in Richtung Hintermannschaft, die er gerne "rigoroser" sehen würde. Auch Pep Guardiola monierte, dass man die "Konter von Mainz nicht gut kontrolliert habe". Alaba lief nur nebenher, Bernat trabte zu spät an den Brennpunkt, Benatia und Vidal gingen zu Boden - das 1:2 gegen den FSV war auch das Resultat von Schlampereien in der Defensive. Beim 2:2 in Turin hatte es mit Kimmich ähnliche Szenen gegeben, dort ließen sich die Münchner trotz brachialer Überlegenheit noch den Sieg klauen. Doch nicht nur Tempofußball der Gegner piesackt die Bayern - auch ein Widersacher wie Darmstadt schaffte es zuletzt, mit einer Führung in die Halbzeit zu gehen. Beim 3:1 gegen den Aufsteiger ermöglichte Tasci den Gästen mit Schlafmützigkeit das 0:1.

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  • Das Gegenpressing funktioniert nur phasenweise

Vielleicht der Punkt, der Guardiola am meisten wurmt, denn eigentlich können die Bayern es ja. In den Partien gegen Juventus oder Wolfsburg schnürten seine Männer den Gegner streckenweise bis zum Ersticken in der eigenen Hälfte ein. Das Resultat: Panik, selbst bei international gestandenen Befreiungskünstlern wie Paul Pogba oder Luiz Gustavo. Beide Male bewerkstelligte der FCB dieses Übergewicht aber vor allem zu Beginn - während der Druck im Verlauf des Spiels nachließ.

Guardiola sucht in Abwesenheit seines vielleicht fähigsten Wellenbrechers Martínez noch nach einer Variante, um die nötige Balance hinzubekommen. Aber: Thiago und Xabi Alonso sind keine Höllenhunde, die ständig den Gegner anrennen, und ein Vidal allein reicht nicht als Pressingbeauftragter. In der Gegenwart fehlt den Bayern jene Überzeugung, mit der sie ihre Kontrahenten normalerweise hinten rein drängen.

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Gegen Mainz verzichtete Guardiola auf Philipp Lahm und zunächst auch auf Müller und Costa. Auch Thiago und Alonso bekommen häufiger Pausen, um in der entscheidenden Phase volle Schaffenskraft zu erreichen. Das Problem ist, dass die Bayern nicht für alle gleichwertigen Ersatz haben. Lahms Gespür für die Wogen eines Spiels, seine Balleroberungen und sein Passspiel erreicht Rafinha in diesem Leben wohl nicht mehr. Von der Dynamik eines David Alaba ist der solide, aber nicht herausragende Linksverteidiger Juan Bernat weit entfernt und Kingsley Coman kann zwar dribbeln, aber den Weg zum Tor findet er viel weniger als etwa Robben. Guardiola hat diese Unwuchten in der Rotation längst erkannt - verhindern kann er sie nicht.

"Sechs, sieben Spieler haben gut gespielt", erklärte er nach dem 1:2 gegen Mainz. Wie gut Mario Götze nach seiner viermonatigen Verletzungspause schon wieder ist, interessiert ihn offenbar so wenig, dass er den Weltmeister erneut ganz draußen ließ. Am Samstag in Dortmund steht den Bayern ein Aufstellungs-Dilemma ins Haus: Eigentlich muss Guardiola dort seine derzeit beste Elf aufbieten. Doch die braucht er wenige Tage später auch in der Champions League gegen Juve.