Benedikt Höwedes "Reisende kann man aufhalten, wenn man will"

Benedikt Höwedes: Schwieriger Abschied von seinem Jugendverein

(Foto: dpa)
  • Benedikt Höwedes wird in Turin begrüßt, kurze Zeit später äußert er sich über den Abschied von Schalke 04.
  • Es ist auch von Vertrauensproblemen die Rede.
  • "Ich gehe als Spieler, aber ich bleibe als Fan", schreibt er. Und hält den Wechsel derzeit für das Beste.

Die Tifosi von Juventus Turin haben Benedikt Höwedes direkt ins Herz geschlossen. Dutzende Fans umringten den Fußball-Weltmeister und machten reichlich Selfies, als dieser im weißen Hemd aus der Limousine stieg und sich endgültig zu Italiens Rekordchampion bekannte. "Es sind überwältigende Gefühle", erklärte das Schalker Urgestein, "Juventus ist einer der größten Klubs der Welt. Das ist ein großer Tag für mich."

Eigentlich hatte die Lebensplanung des 29-Jährigen anders ausgesehen. Bis 2020 war er an die Königsblauen gebunden, doch dann kam Trainer Domenico Tedesco als junger, neuer Chefcoach nach Gelsenkirchen, und die Absetzung von Höwedes als Kapitän am 12. August bedeutete den Anfang vom Ende der 16 Jahre währenden Ära des Defensiv-Spezialisten auf Schalke.

"Ich gehe als Spieler, aber ich bleibe als Fan"

Tedesco hatte über den vielseitig einsetzbaren Höwedes gesagt: "Grundsätzlich soll man Reisende nicht aufhalten." Auf seinen Profilen in den sozialen Netzwerken antwortete Höwedes nun: "Reisende kann man aufhalten, wenn man will". Er gab zu, über den eigenen Abschied "immer noch etwas sprachlos zu sein", noch vor vier Wochen habe er einen solchen ausgeschlossen. Das Vertrauensverhältnis auf Schalke sei dann "mehrfach auf die Probe gestellt worden", doch der Spieler meint, dass der Wechsel nun die beste Lösung für alle sei. Sein Eintrag trägt in Großbuchstaben die Überschrift: "Ich gehe als Spieler, aber ich bleibe als Fan."

Immerhin sechs Jahre hatte der Führungsspieler die Binde bei den Schalkern getragen und war immer vorangegangen, während sich andere Mitspieler gerne hinter seinem Rücken versteckten. Der Coach hatte Höwedes nicht nur als Kapitän abgesetzt, sondern ihn auch in den ersten Pflichtspielen nicht berücksichtigt.

Höwedes ist zunächst nur für eine Saison für vier Millionen Euro an die Turiner ausgeliehen. Abhängig von einer gewissen Anzahl von Pflichtspielen besteht dann die Möglichkeit einer Weiterverpflichtung durch Juve - und weitere 14 Millionen Euro sollen an Schalke fließen. Durch weitere Bonuszahlungen könnte "Bene" Höwedes den Königsblauen somit mehr als 20 Millionen Euro einbringen.

Manager Christian Heidel wollte die Debatte nach Abschluss der erfolgreichen Verhandlungen nicht weiter befeuern und sagte das, was im Fall eines solchen Transfers halt gesagt werden muss: "Es war keine einfache Entscheidung für uns, aber aufgrund der großen Verdienste von Benedikt Höwedes wollten wir seinen Wunsch, zu Juventus Turin zu wechseln, nicht ablehnen und haben daher einer Ausleihe zugestimmt."

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