11. November 2012, 10:29 FC Bayern siegt gegen Frankfurt Schweinsteigers Schulbubenstreich

"Muss man nicht geben": Bastian Schweinsteiger kommentiert sein Darniedersinken im Strafraum mit einem schelmischen Lächeln, der fragwürdige Elfmeterpfiff des Schiedsrichters entscheidet dennoch das Spitzenspiel zugunsten des FC Bayern. Dabei bestätigt Aufsteiger Eintracht Frankfurt auch in München, dass er zu Recht so weit oben in der Tabelle steht.

Von Martin Mühlfenzl

Entscheidung: Bastian Schweinsteiger sinkt zu Boden, die Frankfurter werden sich gleich über einen Elfmeterpfiff wundern.

(Foto: REUTERS)

Nein, laut lachen durfte er freilich nicht. Doch ein schelmisches Lächeln huschte kurz über das Gesicht von Bastian Schweinsteiger. Ganz wie bei einem Schulbuben, der genau weiß, dass sein letzter Streich bei den Kameraden bestens angekommen ist - und der trotzdem keine Konsequenzen nach sich ziehen wird. "Muss man nicht geben", sagte Schweinsteiger über seinen ganz persönlichen Streich gegen den Tabellendritten aus Frankfurt in der 76. Minute.

Dynamisch drang Schweinsteiger bei einem Konter in den Strafraum der Eintracht ein, setzte noch einen Haken nach innen - ehe ihn die Kräfte verließen und er im Zweikampf mit Vadim Demidov mehr zu Boden sank denn gefoult wurde. Den anschließenden Strafstoß, denn man nicht geben muss, verwandelte David Alaba zum letztlich entscheidenden 2:0 für die Bayern.

Die Bayern taten sich hart gegen - und daran muss man sich erst noch gewöhnen - einen ihrer ernsthaftesten Verfolger. Die Frankfurter Eintracht reiste als Tabellendritter nach München und wollte sich nicht lange mit Erklärungsversuchen für den überraschenden Saisonstart aufhalten: Vielmehr suchten die Hessen selbst mutig ihre Chance durch gezielte Konter gegen anfangs müde wirkende Bayern. Vor allem der ehemalige Profi des Lokalrivalen TSV 1860, Stefan Aigner, sorgte gemeinsam mit dem Japaner Takashi Inui für Unruhe in der Defensive der Bayern - ein Treffer aber wollte den Gästen gegen Nationaltorhüter Manuel Neuer nicht gelingen.

Und die Bayern? Hatten durch Arjen Robben bereits nach neun Minuten die große Chance zur Führung, mussten den Ausfall von Jérôme Boateng (Muskelfaserriss, fällt für das Länderspiel in den Niederlanden am Mittwoch aus) verkraften und wirkten nach dem 6:1 gegen Lille in der Champions League unter der Woche müde. Und ein wenig entkräftet.

"Bei uns grassiert ein Virus", erklärte Trainer Jupp Heynckes entschuldigend nach dem Spiel. Mehrere Spieler hätten sich einen Virus eingefangen, der die Mannschaft nicht mehr loslasse. "Das soll keine Entschuldigung sein, aber es geht schon an die Physis", stellte sich Heynckes vor seine Spieler - darunter Dante, Philipp Lahm oder Franck Ribéry, die dennoch in der Startformation standen. Letzterer sollte gar grippegeschwächt für den ersten Höhepunkt aus Sicht der Bayern sorgen: Den Führungstreffer in der 44. Minute - aufgelegt nach einem Konter durch 40-Millionen-Zugang Javier Martinez.

Bis dahin hatte sich gezeigt, dass die Bayern der Doppel- beziehungsweise Dreifachbelastung durch Bundesliga, Champions League und auch Pokal nicht ganz entkommen können. "Es ist nicht immer leicht, den Schalter umzulegen", sagte Heynckes auch mit Blick auf die 6:1-Gala gegen Lille unter der Woche. Der Mannschaft sei daher kaum vorzuwerfen, am Wochenende auch kräftesparender zu agieren. Oder wie es der Trainer ausdrückte: "Clever und intelligent."

Den Bayern fehlte vor allem in der ersten Hälfte die Leichtigkeit, die Spielfreude und Kreativität. "Wir haben nicht so entschlossen gewirkt wie gewohnt", befand Heynckes. Selbst Eintracht-Trainer Armin Veh konnte seinem Kollegen nicht widersprechen und bemerkte angesichts der Grippewelle und Belastung in Reihen der Bayern mit der ihm eigenen Ironie: "Deshalb ist das Länderspiel am Mittwoch ja auch so wichtig." Dann sind Bayerns deutsche Nationalspieler schon wieder beim Test gegen die Niederlande im Einsatz.

Seiner Mannschaft wollte Veh indes nicht viele Vorwürfe machen. Kritik übte der Trainer aber am Defensivverhalten seiner Spieler kurz vor Seitenwechsel: Nach einem Eckball liefen die Frankfurter in einen Konter, eingeleitet durch Manuel Neuer, inszeniert von Javier Martínez und vollendet von Franck Ribéry. Das 1:0 wirkte für Fans, Betreuer und Spieler gleichermaßen wie eine große Befreiung. Doch noch wollte sich die Eintracht nicht geschlagen geben - und vor allem der drohenden Mini-Krise trotzen. Denn aus den letzten fünf Partien hat der überraschend starke Aufsteiger nur einen Sieg mitgenommen.

Dass schwierige Zeiten kommen würden, war aber auch den Spielern und Verantwortlichen klar - vor allem Trainer Armin Veh. "Wir sind und bleiben Aufsteiger", sagte der Coach. "Unsere Ziele werden wir nicht ändern." Soll heißen: Nach wie vor spielt die Eintracht gegen den Abstieg. So traten die Hessen in München freilich nicht auf. "Das war die stärkste Eintracht, die ich seit Jahren gesehen habe", betonte Bastian Schweinsteiger. "Die haben es uns nicht leicht gemacht." Außer in einer Szene - in der ein Schulbubenstreich für die Entscheidung sorgte.