Der Deutsche Meister Borussia Dortmund ist beim 1:3 in Piräus ohne Chance und steht vor dem Aus in der Champions League. Bayer Leverkusen dagegen schafft gegen Valencia eine wundersame Wende. Nach 30 Prozent Ballbesitz in der katastrophalen ersten Hälfte gelingen den Rheinländern kurz nach der Halbzeit zwei Tore - in nur 190 Sekunden.
Von dieser Reise ans Meer hatte sich Borussia Dortmund so viel versprochen, zumindest ein Pünktchen sollte es werden im dritten Champions-League-Spiel des deutschen Meisters beim griechischen Titelträger Olympiakos Piräus. Anderenfalls, so hatte Klubgeschäftsführer Hans-Joachim Watzke kurz vor der Partie geäußert, gehe es nur noch um den dritten Rang in der Gruppe. Doch das, was nicht eintreffen sollte, geschah in den Hafenstadt, 1:3 (1:2) verlor die Borussia nach einer insgesamt enttäuschenden Leistung - sie hat damit nur noch theoretische Chancen auf den Einzug ins Achtelfinale und muss sogar am Überwintern in der Europa League zweifeln . "Piräus wirkte galliger und giftiger", sagte ein ernüchterter Sportchef Michael Zorc, "wir müssen alle Kritik, die da uns einprasseln wird, akzeptieren."
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Mats Hummels im Kampf um den Ball. Er hat ihn gegen Piräus zu oft verloren. (© dpa)
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Piräus ist am Mittwoch grundsätzlich ein ungemütlicher Ort gewesen, nur wenige Stunden nach den Massenprotesten und Krawallen in der Athener Innenstadt musste die Borussen in die traditionell aufgeheizte Atmosphäre des Karaiskakisstadions ein kleines Endspiel bestreiten. Aber BVB-Trainer Jürgen Klopp hatte die Zustände und Stimmungen im Land schon vor dem Anpfiff nicht als mögliche Ausrede für einen Misserfolg gelten lassen wollen: "Ehrlich gesagt gar nix", antwortete er da auf Fragen, ob seine junge Mannschaft von den Unruhen etwas mitbekommen habe. "Und wir verstehen ja nicht, was die Fans auf den Rängen rufen. Außerdem spielen wir gerne Fußball, wenn es rundherum ein wenig lauter ist", sagte Klopp.
Der frühere Löwe Holebas trifft
Es waren in der Tat altbewährte Probleme, welche die Borussia in dieser Saison beschäftigen - und die ihnen nun auch in Piräus das Leben schwermachten. Dass sie etwa zu wenige Chancen nutzt, belegte sie schon nach 20 Sekunden, als Shinji Kagawa im Strafraum zu lange zögerte beim Abschluss. Fünf Minuten später schlenzte der Japaner den Ball freistehend über Torhüter Franco Constanzo - aber auch über das Tor.
Piräus dagegen konterte und wartete auf Fehler der BVB-Deckung, die sich schon zuletzt beim 0:3 in Marseille mit stümperhaften Fehlern und Ausrutschern selbst bloßgestellt hatte. Und nicht anders kam Piräus an die 1:0-Führung, als die Gäste einen gewissen José Holebas wohl nicht richtig ernst nahmen: Dessen prächtige Kopfballabnahme nach hoher Flanke ließ Torwart Roman Weidenfeller nicht das letzte Mal laut zetern über die Vorderleute (8.).
Für Holebas dagegen ist das eine schöne Sache gewesen, denn er ist Deutscher, stammt aus Aschaffenburg und wechselte im Rahmen der jetzt schon legendären Eigengewächs-Veräußerung des Münchner Zweitligisten TSV 1860 zur vorigen Saison nach Piräus. Als der inzwischen 27-jährige Mittelfeldspieler dort gleich Meister wurde, haben die Löwen noch einige Euro kassiert. Das war natürlich klasse, doch am Mittwochabend werden sie daheim ungläubig gestaunt haben.
In einer offenen Partie drängte Dortmund nach dem Rückstand weiter auf den Torerfolg, auch Piräus' Abwehr offenbarte einige Lücken. Die Vorlage zum Ausgleich lieferte Mario Götze, der über rechts nach vorne stieß und mit seiner flachen Hereingabe Robert Lewandowski fand - der polnische Stürmer erzielte mit einem trockenen Schuss ins Eck von der Strafraumgrenze das angemessene 1:1 (26.). Dortmund spürte jetzt, dass auch hier etwas möglich war. Doch Torhüter Constanzo parierte mehrfach blendend, vor allem Ivan Perisic forderte ihn einmal aus kurzer Distanz heraus. Kagawa dagegen fehlte beim Abschluss erneut die Präzision, die ihn voriges Jahr bis zu seiner schweren Fußverletzung ausgezeichnet hatte.
Und so kam, was irgendwie kommen musste: Die BVB-Deckung stümperte und rutschte - und lud den Gegner zum nächsten Treffer ein: Nachdem zuletzt Neven Subotic mehrfach wie ein angetrunkener Eisläufer im ungeeignetsten Moment auf dem Hosenboden gelandet war, rutschte diesmal Kollege Mats Hummels im Zweikampf aus, auch Weidenfeller sah beim Schuss von Rafik Djebbour schlecht aus (40.) - das 1:2.
Wer nach der Pause einen Sturmlauf der Borussia erwartet hatte, wurde bitter enttäuscht. Von meisterlichem Elan und Drang zum Tor war nun kaum noch etwas zu sehen bei Dortmund, Piräus kontrollierte das Geschehen gegen die ideenlos und nicht robust genug agierenden Gäste recht sicher. Holebas konnte dann einen alten Münchner Weggefährten begrüßen, das einstige Löwen-Talent Moritz Leitner kam nach knapp einer Stunde für den schwachen BVB-Regisseur Ilkay Gündogan. Holebas spielte aber weiterhin auffälliger als die Landsleute und bejubelte schließlich die Entscheidung: Der Franzose Francois Modesto durfte nach einem Freistoß zum 3:1 (79.) einköpfen; es sah aus, als sei die Abwehr endgültig in einen Generalstreik getreten, und Klopp meinte bedient: "Dass jede Chance bei uns ein Tor ist, ist Quatsch."
(SZ vom 20. Oktober 2011)
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Champions-League-Finale
"Von einer dt. Mannschaft erwartet (Ausnahme: FC Bayern) niemand im In- und Ausland, dass man in der Cl auch nur ansatzweise etwas erreicht"
Wenn man vor 40 Jahren darüber sinniert hätte, wäre wohl nur M'Gladbach als tauglich für internationale Wettbewerbe betrachtet worden ...
... der FCB hätte niemals international spielen dürfen, keine Erfahrung sammeln können, kein Geld und keinen Ruhm bekommen ...
Genauso gilt's für die andere handvoll Weltklasse-Klubs:
Die sind nicht als Weltklasse geboren, das hat sich bei denen einfach so entwickelt, und so entwickeln sich die Vereine in den Ligen immer noch,
wenn auch weniger dynamisch als früher.
Wer weiss - vielleicht ist in 10 Jahren Herta BSC ständiger Gast in CL-Halbfinale oder so ... warum soll man die Entwicklung heute einfrieren ?
dww
"Da stimme ich voll u. ganz zu! Von einer dt. Mannschaft erwartet (Ausnahme: FC Bayern) niemand im In- und Ausland, dass man in der Cl auch nur ansatzweise etwas erreicht-wie auch!"
Was heißt denn nach Ihrer Definition "ansatzweise etwas erreichen"? Das Überstehen der Gruppenphase? Das Einziehen in ein Halbfinale?
Für die allermeisten der 32 Gruppenphasen-Teilnehmer wird das Überstehen - und somit das Erreichen der K.O.-Runde der verbleibenden 16 Teams - schon ein mehr oder minder großer Erfolg sein.
Das wird man in Dortmund mit Sicherheit sofort unterschreiben. Oder in Leverkusen, Valencia, Neapel, Donezk, Porto, Trabzonspor, Basel, Zagreb...
Was sollen also Ihre herablassenden Kommentare zum Abschneiden deutscher Fußballvereine (Ausnahme: FC Bayern) in der CL?
Welcher Club kann es denn mit den teilweise von Milliardären unterstützten großen Konkurrenten aus Spanien, Italien oder England dauerhaft aufnehmen? Na?
"Da der Anspruch gleich Null ist, kann man sich auch nicht blamieren-komfortable Sache, nicht?"
Scheinbar haben Sie den Anspruch, dass deutsche Clubs in der CL "erfolgreich" (s.o. - Definition?) sein müssten? Oder zumindestens auswärts gegen den griechischen Meister nicht verlieren? Oder wie, oder was?
Wahrscheinlich sind Sie Fan des FCB? Eher des katalanischen, als des bayerischen. Da ist der Erfolg ja praktisch zu Hause.
"Warum nicht nur noch italienische Mannschaften? Dann würde sich wenigstens der Besuch des Café King wieder lohnen..."
Jaja, der Zynismus;-)
Ich hoffe nur, dass das nicht irgendwann zum Bumerang wird...
"Weder blamiert der BVB mit seinem Auftreten in der CL bislang die deutsche Bundesliga, noch sind die sog. "Übermannschaften" Barca, Real, ManU oder Milan (um nur ein paar willkürlich genommene zu nennen) im Halbfinale oder Finale. "
Da stimme ich voll u. ganz zu! Von einer dt. Mannschaft erwartet (Ausnahme: FC Bayern) niemand im In- und Ausland, dass man in der Cl auch nur ansatzweise etwas erreicht-wie auch!
Da der Anspruch gleich Null ist, kann man sich auch nicht blamieren-komfortable Sache, nicht?
am besten sollen sie den Startplatz an einen weiteren Club aus Spanien, Italien oder England abtreten
Warum nicht nur noch italienische Mannschaften? Dann würde sich wenigstens der Besuch des Café King wieder lohnen...
Paging