Venice Beach in L.A. An der Muskelküste

Der einst berühmte Trainingsstrand von Venice ist heute wieder eine Arena für Prominente und Prominentenjäger: Unterwegs im Los Angeles von Arnold Schwarzenegger.

Von Von Marc Hujer

Morgens, wenn sich die Sonne die Santa-Monica-Berge hinaufschiebt, gehört "Muscle Beach" noch den Pennern. Man kann sie schon von weitem sehen, wie sie auf den Betonplatten des städtischen Strandparks liegen, satten Seelöwen gleich.

Nirgendwo sonst gibt es im ganzen Land einen so angenehmen Platz wie die Küstenmeile von Venice, wo die Natur selbst den Liegengebliebenen ein gutes Leben gestattet, ohne Hitze, Schnee oder Wirbelsturm. Dies sind die letzten Momente des Müßiggangs, bevor sich die Strandpromenade mit schwitzenden Körpern füllt, mit Hundebesitzern und powerwalkenden Müttern, die ihre Kinder in dreirädrigen Joggern wie Sportgeräte vor sich herschieben.

Man müsste jetzt einer wie Arnold Schwarzenegger sein, um diesen Moment wirklich fassen zu können; die Inspiration, die von dieser heruntergekommenen Strandpromenade ausgehen kann, wenn sie plötzlich mit Leben voll gepumpt wird und explodiert wie ein gedopter Athlet. Arnold Schwarzenegger hat an dieser Küste für sein Leben gelernt.

Venice ist eine von 88 Städten, die sich zu L.A. zusammenfügen, jener auseinanderfließenden Millionenstadt, in der Arnold Schwarzenegger begann, das lebende Beispiel des amerikanischen Traums zu werden.

Hier am "Muscle Beach" hat er vor 36 Jahren das erste Mal für seine Bodybuilding-Profi-Karriere trainiert, seinen Bizeps von 58 Zentimetern aufgebaut, Frauenbekanntschaften im Geiste eines Hochleistungssportlers gepflegt und seinen so genannten Masterplan erdacht, der ihn zum fünffachen Mr. Universum, zum fünffachen Mr. Olympia, zum Multimillionär, zum Filmstar und nun auch zum Gouverneur von Kalifornien machte.

Man erkennt "Muscle Beach" heute an einem mehrere Meter hohen Betonklotz, der zu Ehren der avantgardistischen Athleten von einst errichtet wurde. Wer will, kann hier noch heute trainieren, für eine Tagesgebühr von fünf Dollar in bar oder eine Gebühr von 79 Dollar, die eine siebenmonatige Mitgliedschaft begründet.

Ein komplettes Urlaubspaket ist hier möglich: Nur ein paar Schritte von hier kann man sich im Bodybuilder-Lieblingshotel "Best Western Marina Pacific Hotel" einmieten, und um die Ecke, im "Firehouse", ein eiweißhaltiges Frühstück einnehmen.

Das Trainings-Hauptquartier

Es gibt ihn also noch, den Mythos von "Muscle Beach", auch wenn nicht mehr alles so ist wie in den siebziger Jahren, als Arnold Schwarzenegger Bodybuilding groß gemacht hat. Die alten Fitnessstudios des Joe Gold, in denen Schwarzenegger trainierte, sind im damals beginnenden Fitnessboom schnell zu klein geworden, und so stehen von ihnen heute nur noch die Fassaden, die man in der Pacific Avenue (1965 bis 1975) und in der Second Avenue (1976 bis 1981) besichtigen kann.

Das "World Headquarter" von Gold"s Gym wurde inzwischen ein paar Straßen weiter nördlich errichtet, eine Firmenzentrale für die größte Fitnessstudiokette der Welt mit angeschlossener State-of-the-Art-Fitnesshalle, die mit Markengeräten bestückt ist und einem 360-Grad-Spiegelraum, in dem man seinen Körper von jedem Winkel aus betrachten kann.

Der Mythos vom so genannten "Mekka des Bodybuilding" zieht heute zahlreiche Prominente an, Janet Jackson etwa, Lenny Kravitz, Bruce Springsteen, Nicolas Cage und Boxprofi Wladimir Klitschko. Auch der Basketballsuperstar Shaquille O'Neill trainierte hier, jedenfalls solange er noch für die L.A. Lakers spielte. 497 Dollar kostet die Jahresmitgliedsbeitrag, ein Tag Probetraining 15 Dollar.