Simbabwe Kreuzfahrt mit Krokodil, Flusspferd und Elefant

Kreuzfahrtschiffe sind noch eine Seltenheit im Hafen von Kariba. Bislang liegen hier nur Hausboote und ab und zu schaut ein Flusspferd vorbei.

(Foto: Florian Sanktjohanser)

Simbabwe hofft auf die Rückkehr der Touristen. Ein Kreuzfahrtschiff auf dem Karibasee machte den Anfang - nach drei Monaten Irrfahrt über Land.

Von Florian Sanktjohanser

Das Empfangskomitee ist pünktlich. Genau als das Beiboot durchs Hafenbecken tuckert, grast ein Flusspferd im seichten Wasser vor der untergehenden Sonne. "Das habe ich gut organisiert, oder?", ruft Evy Duville und raunt in ihr imaginäres Funkgerät: "Hippo, Hippo, jetzt den Kopf zu uns drehen."

So ungefähr hat man sich das vorgestellt, eine Kreuzfahrt in Afrika. Und Duville weiß das. Früher arbeitete die Flämin auf Sansibar und in Botswana, danach reiste sie acht Monate mit dem Rucksack durch den Kontinent. Seit einigen Monaten ist die 36-Jährige nun die Chefin an Bord der "African Dream", des ersten Kreuzfahrtschiffs auf dem Karibasee. "Ich kenne Afrika sehr gut", sagt sie. "Aber Simbabwe war eine Herausforderung."

Warum, sah man schon während des Anflugs. An den Fenstern der winzigen Cessna zogen die Gischtwolken der Victoria Falls vorbei und die Schlucht des Sambesi. Bald weitete sich der Strom, mäanderte zwischen endlosem Buschland und grünen Hügeln, wurde schließlich zum See. Und ganz am Ende dieses gewaltigen Sees landete man auf einem blumengeschmückten Flughafen.

Bevor die rhodesischen Kolonialherren hier einen 617 Meter langen und 128 Meter hohen Damm in eine Schlucht betonierten, war die Gegend eine der abgelegensten in Simbabwe gewesen, von Tsetsefliegen geplagt, nur über Elefantenpfade erreichbar. Seitdem hat sich Kariba zum Städtchen entwickelt. Zwar grasen weiter Zebras am Straßenrand, aber es gibt ein passables Hotel, und im Hafen liegt eine Flotte von Hausbooten. Gemietet werden sie bisher allerdings nur von weißen Simbabwern und Südafrikanern, die zum Angelurlaub hierher kommen.

Im Gang riecht man noch frische Farbe

"Viele unserer Angestellten haben zuvor nie mit ausländischen Touristen gearbeitet", sagt Duville, während sie hinter der Bar die ersten Drinks mixt. "Die meisten stammen aus Kariba, einer war zuvor Buchhalter in der Hauptstadt Harare." In einem mehrwöchigen Kurs haben sie die Grundlagen internationaler Gastronomie gelernt. Nun, nach wenigen Monaten, sind sie bereits erstaunlich professionell. Und, noch wichtiger: extrem freundlich und bemüht.

So dauert es maximal ein Bier und eine Begrüßungsrunde, bis man sich zu Hause fühlt an Bord. Die Kabinen sind makellos, die Ecksofas im rundum verglasten Wohnzimmer ebenso bequem wie die Rattansessel auf dem Sonnendeck. Nur im Gang riecht man noch frische Farbe. "Jedes Mal, wenn wir im Hafen anlegen, bessern wir etwas aus", sagt Duville.

Geschenkt. Viel wichtiger ist jetzt sowieso, was die beiden Kellner servieren: Salat mit Blauschimmeldressing, Steak mit Süßkartoffeln und Milchtarte als Dessert. Die Köche, erklärt Duville, seien von einem Starkoch aus Südafrika ausgebildet worden. Glaubt man ihr sofort.

Die Speisen in den folgenden drei Tagen sind europäisch, die meisten Zutaten aber werden in Kühlkisten aus Harare herangekarrt, Käse und Wein kommen aus Südafrika. Nur, guten Schnaps zu bekommen, sei ein Problem, sagt Duville. "Hier waren lange keine internationalen Gäste mehr."

"Vor dem Zelt ist ein Leopard - gehen wir raus?"

Gesa Neitzel kündigt ihren TV-Job in Berlin, um in Afrika Rangerin zu werden. Und landet unter Menschen, die Elefanten und Raubkatzen nah kommen wollen. Ganz nah. Interview von Katja Schnitzler mehr ...

Kein Wunder, wer wollte in den Jahren von Robert Mugabes Diktatur und chaotischer Misswirtschaft schon nach Simbabwe reisen? Auch für Croisi Europe war das Land nicht die erste Wahl. Die französische Reederei plante, die für maximal 16 Gäste ausgelegte "African Dream" auf dem Chobe fahren zu lassen, dem Grenzfluss zwischen Botswana und Namibia. Aber dann machten die Besitzer von Lodges und Touristenbooten dort politischen Druck, um sich die unerwünschte Konkurrenz vom Leib zu halten. Der Schwertransporter mit dem 32 Meter langen Schiffsrumpf war schon bis nach Kasane in Botswana gerollt, als er zurückbeordert wurde. Just in dieser Situation änderte sich in Simbabwe die politische Situation: Der greise Mugabe war endlich zurückgetreten. "Und Simbabwe", erzählt Duville, "öffnete seine Türen und sagte: 'Kommt zu uns'." Am 21. Dezember 2017, nach einer Irrfahrt von drei Monaten und 2100 Kilometern, glitt die "African Dream" endlich ins Wasser. Neun Tage später lief sie zu ihrer Jungfernfahrt aus. Die Route ist bis heute gleich geblieben.

Um sechs Uhr startet der Motor, an Schlafen ist nun nicht mehr zu denken. Aber der Sonnenaufgang vor dem Fenster ist das Aufstehen ohnehin wert. Das Boot pflügt durch glattes Wasser, passiert zuerst runde Tilapia-Fischfarmen, dann Antelope und Zebra Island. Die Inselchen sind benannt nach den Tieren, die dorthin flohen. Tausende andere ertranken, als das Wasser wegen des Staudamms stieg.