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Als Rangerin in Afrika:"Vor dem Zelt ist ein Leopard - gehen wir raus?"

Gesa Neitzel Rangerin Afrika

Gesa Neitzel in Makuleke im Krügerpark, Südafrika

(Foto: privat)

Gesa Neitzel kündigt ihren TV-Job in Berlin, um in Afrika Rangerin zu werden. Und landet unter Menschen, die Elefanten und Raubkatzen nah kommen wollen. Ganz nah.

SZ.de: Nehmen wir an, ich spaziere allein durch den afrikanischen Busch - und plötzlich steht ein Löwe vor mir. Wie kann ich mich retten?

Gesa Neitzel: Im Idealfall sind Sie gar nicht allein unterwegs, sondern mit einem Ranger, der aufpasst und Sie beschützt. Das Schlimmste, was Sie tun könnten, wäre wegzurennen. Das ist bei Löwen wie bei Hauskatzen: Was sich bewegt, wird interessant - und gejagt. Also muss man ruhig bleiben und dem Blick des Löwen standhalten.

Was ja beides nicht leicht ist: Bei Ihrer ersten allzu nahen Begegnung mit Löwen im Busch musste Ihr Ausbilder Sie festhalten, damit Sie nicht davon stürmen.

(Lacht) Das stimmt. Da muss man seinem Ranger vertrauen. Mein Ausbilder wies den Löwen dann wie ein Dompteur in die Schranken: Nein, du kommst nicht näher! Aber allein den Blick eines Löwen auszuhalten, erfordert Kraft: Da geht der Arsch auf Grundeis und einem wird klar, dass man nicht wirklich am oberen Ende der Nahrungskette steht. Aber der Blick ist auch unheimlich ehrlich und flößte mir enormen Respekt vor der Natur ein. Und ich habe verstanden, dass mir das Tier nichts Böses will.

In Ihren Videos auf Ihrer Webseite wonderfulwild.com scheinen Ranger immer bester Laune zu sein: Aber man haust beengt in Zelten, ohne Dusche oder gar Badewanne ... Haben Sie da nicht mal die Krise bekommen?

Unter Lagerkoller leide ich eher in Berlin zwischen vier Wänden. Allerdings hat es manchmal genervt, sich mit vier Jungs das Zelt teilen zu müssen, ein eigenes wäre ganz nett gewesen. Aber ich war ja den ganzen Tag draußen in der Wildnis unterwegs.

Früher waren Safaris eine raue Männerwelt. Wie ist heute die Frauen-Quote unter Rangern?

Dieser Beruf ist noch von Männern dominiert, aber das ändert sich immer mehr. Weil aber zum Beispiel Trail Guides zu Fuß unterwegs sind, können da viele Frauen die Waffen nicht lange genug tragen. Ich selbst bin groß gewachsen, da hat das gut geklappt. Aber auch die Frauen selbst haben sich verändert - und die Gäste, die nun auch weiblichen Rangern ihr Leben anvertrauen, solange diese Selbstsicherheit ausstrahlen. Da muss man manchmal schauspielern.

Safari-Test in Südafrika

Auge in Auge mit dem Raubtier

Wann zum Beispiel?

Es passiert jedem, dass er sich bei einem Busch-Spaziergang mal verläuft. Das muss ich dann eben überspielen, bis ich den Weg zurück gefunden habe. Ich weiß ja, in welcher Himmelsrichtung das Camp liegt.

Worauf sollte man auf Safari noch achten?

Neulinge sind von den vielen Geräuschen meist überwältigt. Ranger hingegen wissen zum Beispiel, dass "ein Kudu nie lügt": Sein Warnruf klingt wie ein heiseres, unfreundliches Bellen - dort treibt sich ein Raubtier herum. Wenn Elefanten aufgeregt trompeten, sind das übrigens zu 90 Prozent nervöse Kühe mit Kälbern. Da halten wir uns dann besser fern.

Nähe zu den Tieren ist durchaus ein Streitthema. Wie sehr dürfen wir Wildtieren auf die Pelle rücken?

Je nach Region verhalten sich Tiere anders: Werden sie gewildert oder offiziell gejagt, bedeutet der Mensch für sie Stress und Bedrohung. Aber so wie alle Tiere vom Charakter her verschieden sind, verhalten sie sich auch unterschiedlich. Am besten lässt man jedes selbst entscheiden, wie nah es einem kommen will. Etwa indem man den Jeep in der Nähe der Herde parkt, die dann näherkommen kann - oder eben nicht. Aber es gibt da auch viel Druck von den Gästen. Am schlimmsten ist es, wenn bei drei Fahrzeugen nur die Gäste von zwei Jeeps den scheuen Leoparden sehen konnten.

Sie selbst sind von wilden Elefanten sogar beschnuppert worden...

Gerade die Bullen sind wahnsinnig neugierig und haben oft nur Blödsinn im Kopf. Sie wollen einem aber nichts tun, höchstens zeigen, wer der Boss ist. Das ist mit ein bisschen Imponiergehabe erledigt. Wer die Körpersprache liest, sieht gleich, wie der Elefant drauf ist: Zeigt der Schwanz angespannt steil nach hinten, hat er schlechte Laune. Schwingt der Schwanz, ist alles gut. Wir sind bei den neugierigen Bullen einfach sitzengeblieben und haben abgewartet, wie nah sie kommen wollten. Wie sich herausstellte, wollten sie uns ganz genau kennenlernen.

Gesa Neitzel Rangerin Afrika

Wo versteckt sich in diesem Bild der Elefant?

(Foto: privat)

Was macht einen guten Ranger aus?

Er muss gut mit Menschen können, offen sein und neugierig. Und ein wenig Mut schadet auch nicht. Als wir nachts im Ausbildungs-Camp einen Elefanten hörten, sind wir los, um uns den Besucher näher anzusehen. Als allerdings meine Freundin Biff meinte: "Draußen ist ein Leopard, gehen wir raus?", blieb ich lieber im Zelt.

Und Ihre Freundin, geht es ihr noch gut?

Sie saß stundenlang vor dem offenen Zelt, während der Leopard herumschlich. Aber was will man von jemandem erwarten, der aus dem Land von Crocodile Dundee kommt und Rangerin werden will? Außerdem hat Biff ein ungewöhnliches Gespür für Tiere, einen Draht zu ihnen - da draußen mache ich mir um sie nie Sorgen. Sie gehört dort hin.

Gesa Neitzel machte 2015 in Namibia, Botswana und Südafrika eine Ausbildung zur Rangerin (mehr Informationen dazu finden Sie hier). Mit ihrem australischen Freund, den sie dort kennengelernt hat, plant sie, ganz nach Afrika auszuwandern. Bis es soweit ist, will sie 2017 eine Tour zu Orten aus ihrem jüngst erschienenen Buch "Frühstück mit Elefanten - Als Rangerin in Afrika" (Ullstein) anbieten.

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