Rucksackreise durch alle Staaten Ohne Flugzeug um die Welt

Weltreise mit leichtem Gepäck und ohne selbst zu fahren oder zu fliegen: Graham Hughes. 

(Foto: Hannah McNeish/AFP)

Graham Hughes hat in vier Jahren fast alle Länder der Welt bereist, aber nur zu Fuß, im Bus, mit Taxis oder Schiffen. Auch auf Hotels verzichtete er. Ein Interview über eine äußerst sparsame Weltreise und darüber, wie man nordkoreanische Grenzposten überrumpelt.

Von Titus Arnu

Seit knapp vier Jahren ist Graham Hughes unterwegs, mit einem Rucksack als einzigem Gepäckstück und einem schwarzen Cowboyhut auf dem Kopf. Er hat 201 Länder bereist, neben den 193 UN-Mitgliedern auch Nichtmitglieder wie Kosovo, den Vatikan und die Palästinensergebiete. Nun ist Hughes im Südsudan angekommen - dem jüngsten souveränen Staat der Erde. Damit hat der 33-Jährige aus Liverpool weltweit fast alle Länder besucht, ohne ein Flugzeug zu benutzen. Er reiste nur über Land und Meer.

SZ: Hallo Herr Hughes, wie geht es Ihnen? Wo sind Sie jetzt genau?

Hughes: Ich bin mitten in Juba, der Hauptstadt von Südsudan. Mir geht's ziemlich gut, wenn man bedenkt, dass ich gerade länger als eine Woche in Bussen und Taxis quer durch Afrika gefahren bin.

Warum tun Sie sich das an? Was wollen Sie überhaupt im Südsudan?

Das Land wurde erst im Sommer 2011 gegründet, es fehlte noch auf meiner Liste. Mein Ziel war es ja, alle Länder der Welt mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Das habe ich jetzt geschafft.

Glückwunsch. Aber was wollen Sie damit beweisen?

Dass es möglich ist, mit wenig Geld die ganze Welt kennenzulernen. Die meisten Leute glauben, eine Weltreise sei wahnsinnig teuer, dabei fallen die meisten Kosten für Flüge, Hotels und Restaurants an. Wenn man seine Ansprüche runterschraubt und sich etwas Zeit nimmt, fallen 90 Prozent der Ausgaben weg.

Wie hoch war Ihr Budget?

Ich habe in den vier Jahren etwa 33.000 Euro ausgegeben. Das habe ich geschafft, indem ich nie in Hotels übernachtet habe, sondern privat bei irgendwelchen Leuten. Gegessen habe ich auf der Straße, oder ich wurde eingeladen. Ein bisschen Geld habe ich mit der Reise auch verdient, meine Video-Kolumne "Graham's World" wurde wöchentlich im National Geographic Adventure Channel gezeigt.

Es gibt ja Länder, in die man nicht so ohne Weiteres reinkommt, Nordkorea zum Beispiel. Wie war es da?

Zunächst mal muss ich sagen: Ein Pass der Europäischen Union ist ein goldenes Ticket, mit dem kommt man weltweit eigentlich überall durch. In Nordkorea war es so: Ich bin zu Fuß von Süden in die demilitarisierte Zone zwischen Nord- und Südkorea gelaufen. Die Grenzsoldaten dürfen da nicht rein. Ich bin einfach immer weiter geschlichen, bis ich beim nordkoreanischen Grenzposten war. Dort habe ich wortlos meinen Pass auf den Tisch gelegt, und zack, war ich drin.

In welchem Land war die Einreise am schwierigsten?

In Kap Verde. Ich kam dort nach vier Tagen auf See mit einem kleinen, lecken Boot an - und wurde sofort verhaftet. Sechs Tage saß ich im Knast. Begründung: Ich sei ein Menschenschmuggler. Dabei war ich mittags im Haupthafen angekommen, alleine, und hatte sofort freiwillig meinen Pass gezeigt. So blöd ist doch kein Schmuggler! Aber im Kongo war es noch schlimmer.