Reiseknigge für ÖsterreichSchau' ma mal, Frau Ministerialrat

Wer in Österreich nicht unangenehm auffallen will, sollte Wörter wie Sackerl, Spritzer oder Schlagobers parat haben, dafür "Ösi" aus seinem Vokabular streichen und es nicht fürchterlich eilig haben. Was Urlauber bei der Reise ins Nachbarland beachten sollten.

Von Katrin Derler und Katja Schnitzler

Die Anrede

Sie denken, Sie sind mit "Lieber Herr X" oder mit "Sehr geehrte Frau Y" höflich genug? Nicht in Österreich. Hier wird viel Wert auf die richtige Anrede gelegt - und dazu gehört der Titel. So grüßt der "Herr Magister" die "Frau Oberstudienrätin". Diese äußere Form wird selbst in höchster Aufregung gewahrt, wie Sportkommentator Edi Finger beim Fußball-WM-Spiel 1978 Österreich gegen Deutschland bewies (bekannt je nach Land als "Wunder" oder "Schmach" von Córdoba). Als kurz vor Schluss das 3:2 für Österreich fiel, frohlockte Finger: "Tooor, Tooor, Tooor, Tooor, Tooor, Tooor! I wer' narrisch! Krankl schießt ein - 3:2 für Österreich! Meine Damen und Herren, wir fallen uns um den Hals; der Kollege Rippel, der Diplom-Ingenieur Posch - wir busseln uns ab." So viel Zeit muss sein, der Herr Diplom-Ingenieur wusste es bestimmt zu schätzen.

Wenn Sie den richtigen Titel aber gar nicht kennen? Mit "Herr Doktor" oder "Frau Magister" können Sie nicht viel falsch machen - ein Vorteil, wenn einem der Nachname des Gegenübers entfallen ist. Die Herren Ober (niemals "Kellner") in traditionellen Kaffeehäusern neigen zur charmanten Übertreibung und titulieren gleich mal mit "Herr Ministerialrat".

Im Bild: Stürmer Hans Krankl steuert mit dem Ball am Fuß auf das deutsche Tor zu, die Gegenspieler Rolf Rüssmann (ganz rechts) und Manfred Kaltz (links) versuchen ihn zu stoppen.

Bild: DPA 14. März 2013, 11:242013-03-14 11:24:00 © Süddeutsche.de/cag/bavo