Karibiktraum: Caye Caulker in Belize "Go slow!"

Gelassenheit ist Pflicht auf Caye Caulker - die braucht man, wenn der Bootsführer vor dem Schnorcheln mit Haien ruft: "Springt, die lieben weißes Fleisch!"

Von Marcel Burkhardt

Vor dem Ablegen in Belize City steigt der Stresspegel ein letztes Mal rasant an. Werbung für ein Hotel soll das auf der Informationstafel sein, aber es klingt eher nach einer Reisewarnung: "Lassen Sie sich nicht von den Hustlern am Bootsteg anreden, gehen Sie wortlos und schnell an ihnen vorbei, dann rechts am Strand entlang!" Horden von aufdringlichen Werbern mitten im Karibikparadies?

Südamerika Karibiktraum: Caye Caulker in Belize

Karibik-Idylle im Hafen von Caye Caulker.

(Foto: Foto: Marcel Burkhardt)

Nach einer Stunde Bootsfahrt übers Meer endlich die beruhigende Aussicht: Weit und breit kein Hustler in Sicht, dafür soweit das Auge reicht Mangroven und Kokospalmen. Auf einem Streifen Sandstrand stehen bunt angestrichene Holzhäuschen. Ein Verkehrsschild empfängt die Besucher: "Go slow".

Die wirklich wilden Zeiten von Caye Caulker - einer von mehr als 200 Inseln entlang des Belize Barrier Reef - liegen lange zurück: Im 17. Jahrhundert gingen englische und schottische Piraten von der Insel aus auf Raubzug. Sie plünderten vor allem spanische Handelsschiffe.

Von den Spaniern mehrfach um Hilfe gebeten, machten die Briten der Piraterie 1670 ein Ende, um den Spaniern dann im Jahr 1798 ganz Belize abzujagen.

Bis 1973 trug das Gebiet den Namen Britisch-Honduras. Seit 1981 unabhängig, ist das zweitkleinste Land Mittelamerikas mit der Größe Hessens und nur 300.000 Einwohnern jedoch immer noch Mitglied im Commonwealth.

Englisch ist die offizielle Landessprache und Königin Elisabeth II. ist weiterhin auf den Belize-Dollar-Noten abgedruckt.

Die Geschäftigkeit Londons ist hier aber kaum vorstellbar. Die Einwohner von Caye Caulker betrachten es als Vorteil, dass sie wegen der Hitze, die tagsüber auf ihrer Insel herrscht, nicht schnell vorankommen. "Go slow" ist zu ihrem Lebensmotto geworden.

Junge Rastamänner gehen langsam und barfuß über die sandigen Wege. Ein Vater bringt seinen beiden kleinen Söhnen das Angeln bei und damit auch eine Lektion in Geduld. Ein Händler legt liebevoll langsam Kokosnüsse auf seinen Verkaufstresen. Eine junge Mutter fährt mit ihren Kindern auf dem Fahrrad über die Insel, so langsam, dass man sich wundert, wie sie das Gleichgewicht hält.

Autos gibt es auf Caye Caulker nicht. Außer einer Handvoll altersschwacher Transporter schleichen hier nur ein paar Elektro-Golfwagen über die Sandwege.