Die schönsten Radfernwege in Deutschland Ich nehm dann mal das Rad

Beim Flug von A nach B bekommen Reisende von der Schönheit deutscher Landschaften wenig mit. Auch die Bahn hält nicht an, wenn der Passagier etwas Sehenswertes entdeckt hat. Die Alternative: Radfernwege.

Von Irene Helmes

Auf Reisen muss heute meistens alles ganz schnell gehen: Rein in Flugzeug oder Auto und die Minuten bis zur Ankunft zählen. Wo ist der Weg noch das Ziel? Die Antwort: auf Radreisen. Die zehn beliebtesten Radfernwege in Deutschland - ein Überblick.

Ostseeküsten-Radweg

Route: Von Kupfermühle bei Flensburg am Meer entlang über Glücksburg, Eckernförde, Kiel, Hohwacht und die Insel Fehmarn bis nach Travemünde sowie weiter in Mecklenburg-Vorpommern durch Stralsund bis zum Ostseebad Heringsdorf.

Länge: etwa 800 Kilometer

Schwierigkeitsgrad: leicht (meist eben, familienfreundlich)

An der Förde bei Flensburg, Schleswig-Holstein

(Foto: dpa)

Es kann eine steife Brise wehen an der Ostsee, doch das abwechslungsreiche Panorama der Route soll das vergessen machen: Der Ostseeküsten-Radweg bietet eine Tour zwischen Stränden, Fjorden, Steilufern und Seen, zwischen alten Hafenstädtchen und versteckten Orten im Hinterland. Naturfreunde finden entlang der Strecke zum Beispiel ein Wasservogelreservat auf der Insel Fehmarn oder den Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft. Für das Kulturprogramm bietet sich schon zum Start der Besuch der alten Hafenstadt und des Schifffahrts- und Rummuseums in Flensburg an, später auf der Tour wartet das Künstlermuseum in Heikendorf. Meist geht es über Asphalt, auf Fehmarn bereiten Abschnitte mit Sand und Schotter Rennrädern allerdings immer wieder Schwierigkeiten. Für die Rastpausen typisch: frische Fischbrötchen an Buden entlang der Strecke. Auf dem Weg nach Osten folgen weitere traditionsreiche Strandbäder wie Warnemünde, am Ende der Tour liegt die berühmte Backsteingotik der Hansestadt Stralsund.

Weitere Informationen: www.ostsee-schleswig-holstein.de/de/ostseekuesten-radweg sowie www.mecklenburger-radtour.de/radurlaub/bekannte-radwege/ostseekuesten-radweg.html

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Elbe-Radweg

Route: Empfohlen wird die Route von Westen nach Osten - von Cuxhaven vorbei an Hamburg, Wittenberge und Magdeburg über Wittenberg und Meißen bis nach Dresden und in die Sächsische Schweiz

Länge: 840 Kilometer (1260 Kilometer sind es von Cuxhaven nach Prag)

Schwierigkeitsgrad: leicht bis mittel (meist eben, familienfreundlich für Kinder ab zwölf Jahren)

Albrechtsburg in Meißen

(Foto: Getty Images)

Durch sieben Bundesländer und ganz unterschiedliche Landschaften führt der Elbe-Radweg. Er wird immer wieder vom Radfahrer-Club ADFC zum beliebtesten deutschen Fernradweg gekürt. Vom Wattenmeer bei Cuxhaven und der Metropole Hamburg aus geht es in das Unesco-Biosphärenreservat zwischen dem schleswig-holsteinischen Lauenburg und Sachsen. Dort sind unter anderem weitläufige Auenwälder, die Reviere der Elbebiber und das "Europäische Storchendorf" Rühstädt zu sehen. Geschichtsinteressierte Radler machen in historischen Hansestädten wie Werben und Tangermünde Station und besichtigen den romanischen Dom in Havelberg. Im weiteren Verlauf der Strecke folgen berühmte Unesco-Welterbestätten - vom Bauhaus in Dessau bis zur Lutherstadt Wittenberg - sowie die weltberühmte Porzellanmanufaktur in Meißen. Am Ende des Elbradwegs liegen Dresden und die Sächsische Schweiz mit ihrer eindrucksvollen Bergwelt.

Weitere Informationen: www.elberadweg.de/start.html

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Weser-Radweg

Route: Aus dem Weserbergland bis an die Nordsee - von Hannoversch Münden in die Region Mittelweser und weiter durch Bremen sowie die Wesermarsch bis nach Cuxhaven

Länge: 500 Kilometer

Schwierigkeitsgrad: leicht (eben, familienfreundlich)

Weser bei den Stadtbremer Häfen

(Foto: dpa)

In 15 Etappen führt der Weser-Radweg entlang des Flusses vorbei an Burgen, Schlössern und Fachwerkstädtchen, an bekannten Orten wie Hameln, Höxter und dem ehemaligen Kloster Corvey (seit 2014 Unesco-Weltkulturerbe) vorbei. Immer wieder können Reisende mit ihren Rädern auf Ausflugsschiffen ein Stück des Weges zurücklegen oder auf Fähren zum anderen Ufer übersetzen. In Porta Westfalica geht es in die norddeutsche Tiefebene und in die Region Mittelweser durch Moor- und Marschlandschaften, die von Windmühlen gesäumt sind. Auf Höhe der Hansestadt Bremen gelangen die Weser-Radler in das Gebiet der Wesermarsch, das sogenannte "Land am Wasser", wo der Strom immer breiter wird und der Weg schließlich in den Dünen der Weltnaturerbe-Stätte Wattenmeer bei Cuxhaven endet.

Weitere Informationen: www.weserradweg-info.de/

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Ems-Radweg

Route: Von der Ems-Quelle in Hövelhof in der Senne vorbei am Teutoburger Wald und durch Ostfriesland bis nach Emden, wo der Fluss in die Nordsee mündet

Länge: 375 Kilometer

Schwierigkeitsgrad: leicht (durchgehend eben, familienfreundlich)

Deich in Jemgum, Ostfriesland

(Foto: AP)

Von der Quelle bis zu ihrer Mündung ins Meer macht dieser Radweg die Ems erfahrbar. Die Strecke verläuft vorbei an alten Klöstern wie Clarholz durch typische Heidelandschaften, Wälder und Auen weiter durch das Münsterland, wo unter anderem Wasserschlösser und norddeutsche Bauernhöfe zu besichtigen sind. In Meppen läuft der Strom mit dem Fluss Hase und dem Dortmund-Ems-Kanal zusammen. Dahinter beginnt Ostfriesland mit seinen Schafherden und Deichen. Am Ende der Route bietet sich die Insel Borkum als letzte Station an. Die gesamte Route verläuft im Flachland und wird somit auch für ungeübte Radler empfohlen.

Weitere Informationen: www.emsradweg.de/startseite.html