Designentwurf für norwegischen Reisepass So schön kann Staatsbürgerschaft sein

Reisepässe sind bislang vor allem eins: eine ästhetische Katastrophe. Norwegen hat nun in einem Ideenwettbewerb nach einem neuen Design gesucht. Der Gewinnerentwurf überzeugt mit frischen Farben, Fjorden - und einer Überraschung bei UV-Licht.

Von Sarah K. Schmidt

Es ist ein Dokument, in dem sich Heimat und Fernweh zugleich manifestieren: der Reisepass. Es ist dieses kleine Büchlein, das die Menschen auch in der Fremde als Angehörige ihres Landes ausweist und ihnen gleichzeitig die Türen zu anderen Nationen öffnet. Der Reisepass kann Freiheit bedeuten, aber auch Sicherheit. Und wieder zurück daheim erinnern all die Stempel an die schönen, schaurigen und aufregenden Erlebnisse im Ausland.

Die optische Gestaltung dieses gewichtigen Dokuments nationaler Identität ist bislang jedoch vor allem durch Bürokratie und Funktionalität geprägt. Stichwort: "drucktechnische Echtheitsmerkmale". Sicherheitspapier, Hologramme, Laserkippbilder und Wasserzeichen zwischen einem Einband in gedeckten Farben mit wuchtiger Goldprägung. Die ästhetische Katastrophe ist bislang internationaler Standard.

Gold auf Weinrot mit Bundesadler: Auch der deutsche Reisepass ist wahrlich kein optisches Highlight.

(Foto: Stephan Rumpf)

Regelrecht revolutionär ist daher ein Vorstoß der Norweger, die gerade erst ein komplett überarbeitetes Design ihrer Geldscheine vorgestellt haben. Im Februar haben Polizeidirektorium und die Kriminalpolizei einen Designwettbewerb ausgeschrieben und um Entwürfe für neugestaltete Reisepässe und Personalausweise gebeten. Jetzt steht der Gewinner fest. Ausgewählt wurde der Entwurf der Designagentur Neue mit Sitz in Oslo.

"Det norske landskap", "Die norwegische Landschaft": So heißt der Siegerentwurf der Neue-Agentur.

(Foto: Neue Design Studio)

Bei UV-Licht wird es spannend

Prägendes Motiv der Neugestaltung ist eine abstrahierte Landschaftsszene. Bergspitzen erheben sich in zarten Türkistönen über einem Fjord. Grafische Punkt-, Strich- und Wellenmuster geben Wasser und Gebirgszügen Struktur. Ein besonders schöner Kniff: Wird diese Landschaft bei der Prüfung am Flughafen unter UV-Licht gehalten, dann erscheint eine nächtliche Variante der Szenerie - mit einem leuchtenden Vollmond und Polarlichtern. So ansprechend lassen sich Form und Funktion kombinieren.

Erst bei der Flughafen-Kontrolle mit UV-Licht erscheint diese nächtliche Szenerie.

(Foto: Neue Design Studio)

Auch die äußere Hülle des Dokuments bekommt ein frisches, ja, erfrischendes Layout. Statt biederem Blutrot soll es den Pass, den Ideen der Agentur zufolge, künftig in drei Farbtönen geben: zartes Hellblau, kräftiges Türkis und Koralle. Jeweils für Norweger, Diplomaten und Immigranten. Die bronzefarbene Beschriftung rutscht vom Zentrum in die linke untere Ecke, das norwegische Wappen ziert dezent die linke obere.

Hellblau, Türkis, Koralle: erfrischende Farben für die Pass-Außenhülle

(Foto: Neue Design Studio)

"Ansprechend und stilvoll"

"Das Design ist ansprechend und stilvoll, die Farben sind dezent und die Abstraktion der Landschaft ist spannend", lobt die Jury den Siegerentwurf. Besonders hervorgehoben wird "die Einfachheit der Lösung". Gørill Kvamme, die Leiterin der Agentur Neue, erklärt die Wahl des Motivs im Gespräch mit dem Guardian: "Alle Norweger sind sehr naturverbunden, es ist ein starker Teil unserer Geschichte und definiert uns als eine Nation."

Doch bis die norwegischen Mitreisenden bei der Grenzkontrolle neidische Blicke auf sich ziehen, wird es noch eine Weile dauern. Basierend auf dem Entwurf werde man jetzt eine finale Version erarbeiten und weitere sicherheitstechnische Überlegungen einbeziehen, kündigt die Polizeidirektion an.

Dann, so die Hoffnung, wird dieses Beispiel Schule machen und möglichst viele andere Nationen motivieren, individuelle Pässe zu kreieren. Denn was ist da alles denkbar: Brodelnde Quellen und Vulkane, die auf Islands Reisedokumenten changieren. Schneeflocken, die über den Schweizer Pass rieseln - aber erst bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Über die Pässe der Australier könnte per Wackelbild ein Känguru hopsen. Die Kunst kennt keine Grenzen.

"Beten Sie lieber!"

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