Wowereit bleibt Berliner Bürgermeister Spiel, Satz und Sieg

Klaus Wowereit kann weiterwursteln. Das Misstrauensvotum gegen den Regierenden Bürgermeister ist gescheitert. Berlins rot-schwarze Koalition kann trotz Flughafenchaos sogar noch eine Stimme aus der Opposition verbuchen. Doch der einst starke SPD-Mann ist angezählt.

Von Max Biederbeck, Berlin

Berlin: Opposition scheitert mit Misstrauensantrag gegen den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit

(Foto: dpa)

So richtige Stimmung will einfach nicht aufkommen. Etwa 20 Demonstranten raufen sich am Samstagmorgen in der Kälte vor dem Berliner Abgeordnetenhaus zusammen. Sie sind sauer, weil der Bau des Flughafens Berlin Brandenburg (BER) eine nicht enden wollende Katastrophe zu sein scheint. Ein paar Mal spielen sie lauten Flugzeuglärm über die Lautsprecher eines roten VW-Busses ab. Ansonsten wirkt die Veranstaltung müde. Nur einige Plakate haben sie mitgebracht. Darauf stehen Sätze wie: "Falscher Standort, falsches Versprechen, falsches Personal".

Es ist 8.30 Uhr in der Früh, noch eine dreiviertel Stunde bis zur Abstimmung über den Misstrauensantrag von Grünen und Piraten gegen Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD).

Auch drinnen im Parlament ist die Stimmung verhalten. Ramona Pop wartet schon in der Lobby. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Abgeordnetenhaus wirkt abgekämpft, muss während ihrer Erklärungen manchmal husten. Die Stimme bleibt ihr dann weg, denn in den vergangenen Tagen hat sie viel reden müssen: Darüber, dass die andauernden Bauprobleme des neuen Flughafens eine Regierungskrise von Schwarz-Rot bedeuten würden. Und darüber, dass Wowereit das Vertrauen des Parlaments verspielt habe.

Klatschen, auch wenn die Stadt gespalten ist

Dabei weiß Pop sehr genau, dass die Chancen von Anfang an schlecht standen, den Regierenden Bürgermeister tatsächlich aus dem Amt zu werfen. Bereits in den Tagen zuvor haben sowohl SPD als auch CDU angekündigt, beim Misstrauensantrag geschlossen für Wowereit zu stimmen. Pop ist dennoch sicher: "Wenn die Koalition heute gewinnt, dann kommt sie trotzdem nicht gut weg. Sie wird sich gegenseitig beklatschen, aber vorher hat sie die Stadt gespalten."