Einigung bei Klimagipfel in Cancún "Beginn einer neuen Ära"

Durchbruch in Cancún: Nach teils zähen Verhandlungen hat sich die internationale Staatengemeinschaft auf einen Kompromiss verständigt. Bolivien sträubte sich bis zum Schluss gegen das Abkommen - doch vergebens.

Von Michael Bauchmüller, Cancún

Ein Jahr nach dem Scheitern der Klimakonferenz in Kopenhagen nimmt die internationale Staatengemeinschaft einen neuen Anlauf in Sachen Klimaschutz. Im mexikanischen Cancún verabschiedete sie ein Abkommen, mit dem sie sich langfristig zum Klimaschutz verpflichten will.

Ziel soll sein, die Erwärmung der Atmosphäre auf zwei Grad zu begrenzen. Parallel vereinbarten die Teilnehmer der Weltklimakonferenz einen Fonds, der Entwicklungsländern helfen soll, mit den Folgen des Klimawandels zurecht zu kommen.

Die Verhandlungen über das Kyoto-Protokoll vertagten die Staaten. Ein umfangreiches Papier mit vielen unterschiedlichen Optionen werden sie wohl erst in einem Jahr im südafrikanischen Durban aushandeln.

Die groben Grundzüge legten sie allerding schon jetzt fest. So sollen sich die Industrie-Staaten verpflichten, bis 2020 ihre Emissionen um 25 bis 40 Prozent zu senken. Unmittelbar nach Auslaufen des jetzigen Kyoto-Abkommens im Jahr 2012 soll es eine Anschlussvereinbarung geben, beschlossen die Umweltminister aus 190 Staaten.

Die Teilnehmer verständigten sich am Samstag nach einer dramatischen Nachtsitzung auf die Abschlusstexte - trotz des heftigen Protests von Bolivien. Damit ist das gefürchtete Scheitern der Verhandlungen ausgeblieben.

Wie die Konferenzpräsidentin, die mexikanische Außenministerin Patricia Espinosa, am frühen Samstagmorgen (Ortstzeit) mitteilte, sollten die Bedenken Boliviens aber im Protokoll festgehalten werden.

Der bolivianische Unterhändler, Pablo Solon, war im Plenum wiederholt vorgetreten und hatte die Ablehnung seines Landes bekräftigt. Er verwies darauf, dass die Klimakonferenz eine Regelung nur einstimmig beschließen könne. "Ich habe natürlich Ihre Position zur Kenntnis genommen, aber wenn es keine anderen Einwände gibt, ist das Dokument angenommen", sagte Espinosa dazu.

Bolivien kritisierte, dass die Texte keine hinreichenden Klimaschutzmaßnahmen vorsehen würden. Pablo Solon bezeichnete das Ziel, die Erderwärmung auf maximal zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen, als inakzeptabel. Zudem sei in den Vorschlägen unklar, wie hoch die Zusagen der Industriestaaten zur Senkung des Treibhausgasausstoßes am Ende wirklich sein würden.

Patricia Espinosa hatte vor der Einigung betont, dass es sich bei den Dokumenten nicht um "mexikanische Texte" handle, sondern dass sie gemeinsam von allen erarbeitet worden seien. Mit Blick auf die geäußerte Kritik fügte sie hinzu: "Wir sollten Cancún nicht als das Ende eines Prozesses begreifen, sondern vielmehr als den Anfang." Mit den vereinbarten Beschlüssen beginne "eine neue Ära der internationalen Zusammenarbeit beim Klimawandel".