Syrien Moskau weist Verantwortung für Angriff auf UN-Konvoi von sich

  • Bei einem Luftangriff auf einen Hilfskonvoi nahe der syrischen Stadt Aleppo werden etwa 20 Menschen getötet.
  • Das US-Außenministerium stellt nun die weitere Kooperation mit Russland in Frage.
  • Die UN und das Rote Kreuz stellen alle Hilfslieferungen für Syrien vorerst ein.
  • Wer den Angriff unternommen hat, ist noch unklar. Moskau weist jede Verantwortung von sich.

Russland hat jede Verantwortung für den Angriff auf einen UN-Hilfskonvoi nahe der belagerten Stadt Aleppo von sich gewiesen. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Moskau sagte der Agentur Interfax zufolge, dass weder die russische noch die syrische Armee einen Luftangriff geflogen habe. Die US-Regierung hatte zuvor ihre Zusammenarbeit mit Russland offen in Frage gestellt.

Das Ziel des Konvois aus Lastwagen der Vereinten Nationen und des Roten Halbmonds sei sowohl der syrischen wie der russischen Regierung bekannt gewesen, sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, John Kirby. "Und dennoch wurden die Helfer getötet, während sie versuchten, den Menschen beizustehen." Die US-Regierung werde die Bombardierung direkt mit Moskau thematisieren, kündigte Kirby an. "Angesichts der ungeheuerlichen Verletzung der Waffenruhe werden wir die weiteren Aussichten einer Zusammenarbeit mit Russland neu bewerten."

Direkt verantwortlich gemacht hat die US-Regierung Russland für den Angriff nicht, bei dem nach Angaben des Internationalen Roten Kreuzes 20 Zivilisten und auch Mitarbeiter von Hilfsorganisationen getötet wurden. Es sei unklar, ob russische oder syrische Kampfflugzeuge für die Angriffe auf die Hilfskonvois verantwortlich seien, sagte ein Regierungsvertreter.

Der UN-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura, hatte sich schockiert über den Angriff gezeigt. "Unsere Wut ist enorm. Der Konvoi war das Ergebnis eines langen Verhandlungsprozesses mit dem Ziel, eingeschlossenen Menschen zu helfen", erklärte eine Sprecherin de Misturas.

Alle Hilfslieferungen werde man als Konsequenz vorerst einstellen, teilt ein UN-Sprecher in Genf mit. Sollte sich herausstellen, dass der Angriff gezielt erfolgte, wäre dies ein Kriegsverbrechen. Auch das Rote Kreuz will vorerst abwarten und verschiebt geplante Lieferungen auf unbestimmte Zeit. Die Sicherheitslage soll neu evaluiert werden.

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Die Regierung in Damaskus hatte die Waffenruhe am Montag für beendet erklärt und dies mit der Verletzung der Vereinbarungen durch den US-Angriff auf syrische Soldaten begründet. Auch Rebellenvertreter sagten der Nachrichtenagentur Reuters, die Waffenruhe sei faktisch gescheitert. Mittlerweile werden wieder Luftangriffe geflogen, Aleppo massiv umkämpft.

Am Wochenende waren bei einem US-geführten Luftangriff auf syrische Regierungstruppen Dutzende Soldaten getötet worden. Dies hatte zu Spannungen zwischen den USA und Russland geführt, die sich auf die Feuerpause verständigt hatten, um eine Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und Hilfsgütern und Verhandlungen über einen dauerhaften Frieden zu ermöglichen.