US-Wahl Trumps Sieg ist ein Triumph des Frusts

Es hilft nichts: Donald Trump bleibt der Favorit für die Präsidentschaftskandidatur bei den US-Republikanern.

(Foto: REUTERS)

Donald Trump ist der Favorit für die Präsidentschaftskandidatur bei den US-Republikanern. Sein Erfolg speist sich vor allem aus Misstrauen.

Kommentar von Hubert Wetzel

Manchmal ist es wichtig, wer in New Hampshire Zweiter wird. Es gab in der Vergangenheit durchaus schon schwächelnde Kandidaten, die in New Hampshire besser als erwartet abschnitten und sich dadurch so viel Schwung holten, dass sie am Ende die Präsidentschaftskandidatur ihrer Partei gewannen. Bill Clinton, 1992 das "Comeback Kid" von New Hampshire, weiß da Bescheid.

Man wird jetzt viel über die Leute hören, die bei der republikanischen Vorwahl in New Hampshire am Dienstag die Plätze zwei bis vier belegten. Jeb Bush behauptet plötzlich wieder, ein Favorit zu sein. John Kasich - John Wer? -, der überraschende Zweite, sagt das auch. Aber das ist Unsinn. Wenn das Vorwahlergebnis der Republikaner etwas bedeutet, dann dies: New Hampshire verändert die Richtung des Rennens dieses Jahr nicht entscheidend.

So ist die Lage: Donald Trump bleibt der Favorit für die Präsidentschaftskandidatur. Ihm ist ein spektakulärer Sieg gelungen, der all das Untergangsgeraune nach seiner Niederlage in Iowa widerlegt. Ted Cruz bleibt Trump auf den Fersen. Für einen evangelikalen Texaner ist ein dritter Platz in New Hampshire nicht schlecht. Und Marco Rubio? Der Held von Iowa, Hoffnung der Gemäßigten? Fünfter. Das macht seinen Anhängern Angst.

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Von der üblen Stimmung im Volk profitieren radikale Kandidaten

Das Elend der Republikaner hat zwei Gründe. Der eine hat mit taktischen Dingen zu tun: Während sich die vielen moderaten Bewerber auf den hinteren Plätzen um ein paar Prozentpunkte prügeln, gewinnen Trump und Cruz die Wahlen. Das wird so lange weitergehen, bis es den einen gemäßigten Republikaner gibt, hinter dem sich die Vernünftigen sammeln können. Bisher gibt es ihn nicht.

Der zweite Grund ist die verheerende Stimmung im Volk. Mit jeder Wahl, so erscheint es, bricht sich immer mehr angestaute Frustration Bahn. New Hampshire hat wieder gezeigt, dass die Bürger jeden Politiker satt haben, der zu sehr mit "denen in Washington" verbandelt ist. Deshalb tun sich sogenannte Establishment-Kandidaten wie Bush so schwer.

Jede Wählerbefragung zeigt, dass die Menschen bei wichtigen Themen wie illegaler Einwanderung oder wachsender sozialer Ungleichheit das Vertrauen in die Politik verloren haben. Die Parteien haben dieses Misstrauen viel zu lange ignoriert. Daraus saugen Leute wie Trump und Cruz ihren Honig: Wir machen alles anders, ist ihre Botschaft. Das reicht. Ob sie es auch besser machen, ist nicht so wichtig. Trump gewann, weil - nicht obwohl - er eine Mauer an der Grenze zu Mexiko bauen will.

Noch deutlicher als bei den Republikanern kann man dieses Phänomen bei den Demokraten beobachten. Für Hillary Clinton, die Königin der Partei, war New Hampshire brutal, sie verlor zweistellig gegen Bernie Sanders. Gerade die Jungen stimmten begeistert für den 74-jährigen Senator, der von Revolutionen und Bankenzerschlagung schwadroniert.

Mehr als Sprüche sind das nicht. Aber es reichte, wie bei Trump, für den Sieg.

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