US-Wahl Republikaner lassen Romney fallen

Bitterer Abend für die "Grand Old Party": Mitt Romney verliert deutlich gegen Amtsinhaber Obama. Die Experten im Haussender Fox präsentieren sich übel gelaunt. Erste Parteifreunde werfen Romney offen Fehler im Wahlkampf vor, Kritik kommt sowohl aus dem ultrakonservativen als auch aus dem moderaten Lager. Die Partei steht vor einem Richtungsstreit.

Von Hannah Beitzer

Republikaner Mitt Romney nach seiner Wahlniederlage. Vor seinen Anhängern in Massachusetts verkündete er, er habe US-Präsidenten Barack Obama zu seiner Wiederwahl gratuliert.

(Foto: AFP)

Seit' an Seit' gegen Präsident Barack Obama - die Republikaner versuchten im Wahlkampf ein geschlossenes Bild abzugeben. Doch damit war es schon vorbei, ehe der Ausgang der Wahl überhaupt klar war. Führende Konservative wendeten sich noch in der Wahlnacht vom republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney ab und kritisierten offen dessen Wahlkampagne.

Beim konservativen Hardliner-Sender Fox News war die Stimmung schon früh gedämpft. Noch während durchaus ein Kopf-an-Kopf-Rennen um das Weiße Haus möglich schien, stimmten die Kommentatoren ihre Zuschauer bereits auf einen Sieg Obamas ein. Wirbelsturm Sandy habe Romneys Wahlkampf durchkreuzt, klagte Moderator Bill O'Reilly. Fünf Tage lang sei der Republikaner von der politischen Landkarte verschwunden. Präsident Obama hingegen sei dabei gefilmt worden, wie er Menschen half.

Doch Sandy allein sei nicht schuld an einem Sieg Obamas. Das "weiße Establishment" sei inzwischen eine Minderheit in den USA, sinniert O'Reilly weiter: "Das traditionelle Amerika existiert nicht mehr." Die wirtschaftliche Situation verunsichere die Menschen. Vor allem Hispanics, Afroamerikaner und Frauen stimmten für Obama - eine Feststellung, die erste Wählerbefragungen belegen.

Romney als Übergangskandidat?

Wenig schmeichelhaft für Mitt Romney ist das Urteil von Kommentator Charles Krauthammer auf Fox. Romney sei lediglich ein "Übergangskandidat" gewesen und repräsentiere einen Typ des Konservatismus, der keine Zukunft habe: den Liberalen aus dem Nordosten. Seine Hoffnungen legt Krauthammer in eine neue Generation von Republikanern wie zum Beispiel Paul Ryan, der in diesem Jahr schlicht noch zu jung gewesen sei, um als Präsidentschaftskandidat anzutreten. "Die Zukunft der Republikaner wird noch weiter rechts liegen", sagt er.

Das denkt auch Matt Kibbe, Präsident der Bewegung "Freedom Works", die der Tea Party nahesteht. "Der Kampf zwischen der alten Garde und all dem frischen Blut, das seit 2010 in die Partei kam (unter anderen Tea-Party-Kandidaten; Anm. d. Red.), wird weitergehen", sagt er der New York Times. Die Zeiten, in denen ein Kandidat des Establishments wie Mitt Romney zum Präsidentschaftskandidaten tauge, seien mit dessen Niederlage endgültig vorbei.

Den demographischen Wandel ignoriert

Radiomoderatorin Laura Ingraham ätzt auf Twitter gegen Romney: "Nur so ein Gedanke ... Das nächste Mal kann die Grand Old Party darüber nachdenken, einen echten Konservativen zu nominieren" und prophezeit: "Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass wir nach seiner Abschlussrede von Romney nie wieder etwas hören werden."

In eine gänzlich andere Richtung denkt der ehemalige Gouverneur von Arkansas, Mike Huckabee - allerdings in eben so deutlichen Worten wie Ingraham. "Ich finde, die Republikaner haben fürchterlich versagt bei dem Versuch, die People of Colour zu erreichen", polterte er auf Fox. "Daran müssen wir arbeiten." Auch diese wachsende Bevölkerungsgruppe sei Ziel einer ernsthaften konservativen Politik.

"Die Republikaner haben sich verhalten, als würden sie diese Stimmen ohnehin nicht bekommen. Deswegen haben sie es nicht einmal versucht - und so haben sie die Stimmen auch nicht bekommen", ging er hart mit Romneys Wahlkampfstrategie ins Gericht. "Ich widerspreche entschieden der Auffassung, weiße Menschen wählten automatisch Mitt Romney und schwarze Menschen wählten automatisch Barack Obama." Es sei vielmehr so, dass Konservative für Romney und Liberale für Obama stimmten. Die Spaltung des Landes sei eine ideologische Spaltung, keine ethnische.

Er erhält viel Zustimmung im moderaten Lager. Die republikanische Senatorin Susan Collins etwa sagte der New York Times: "Wir müssen dem demografischen Wandel im Land Rechnung tragen." Man könne nicht allein auf die weiße, ländliche Bevölkerung setzen. Der langjährige Parteiberater Mike Murphy sieht einen "Krieg" heraufziehen - zwischen "Mathematikern" wie ihm selbst, die den wachsenden Bevölkerungsgruppen Rechnung tragen wollen, und "Predigern", die nach wie vor glaubten, Konservatismus brauche sich nicht zu verändern, um zu siegen.

Der Wahlverlauf sorgte selbst im engsten Kreis um Romney offenbar schnell für Ernüchterung. Berater Avik S. A. Roy gratulierte seinen "demokratischen Freunden" schon um 22:20 Uhr (Ortszeit) via Twitter: "Die besten Wünsche für die neue Regierung. Wir werden weiterhin eine loyale Opposition stellen."