US-Wahl Ben und Jerry werben für Bernie Sanders - ganz ohne Eiscreme

Die Eiscreme-Erfinder Ben Cohen (links) und Jerry Greenfield beim Verlassen des Wahlkampfbüros von Bernie Sanders in Iowa.

(Foto: Bloomberg)

Die Karriere von Ben & Jerry's begann in Burlington, wo Sanders vor 30 Jahren Bürgermeister war. Er sei ehrlich und leidenschaftlich, schwärmen die Eis-Erfinder - und anders als Hillary Clinton nicht käuflich.

Interview von Matthias Kolb, Des Moines (Iowa)

Ihr Eis hat sie berühmt gemacht: Die Welt kennt Ben Cohen und Jerry Greenfield nur unter ihren Vornamen. Die Erfinder von Ben & Jerry's stammen aus Vermont - dem Bundesstaat, den der Demokrat Bernie Sanders im US-Senat vertritt. In den letzten Tagen vor der ersten Vorwahl in Iowa sind Greenfield ("Ich bin Jerry von Ben & Jerry's, aber ich bin eine Person, keine Firma") und Cohen ("Ich bin Ben, der Typ, dessen Namen als erstes kommt") tagelang unterwegs, um für Sanders zu werben. Warum sie so große Fans von Bernie, wie ihn alle nennen, sind, erklären sie am Rande eines Events an der Drake University in Des Moines.

SZ: Wie lange kennen Sie Bernie Sanders und warum engagieren Sie sich in seinem Wahlkampf?

Jerry Greenfield: Einige Jahre, nachdem wir unsere Eisdiele in Burlington eröffneten, kandidierte Bernie dort als Bürgermeister. Schon damals, 1981, war er eine bemerkenswerte Figur und hat den Amtsinhaber besiegt, der von allen Eliten unterstützt wurde. Er versprach, dass ihm die Anliegen der Bürger wichtiger sein würden als die Interessen der Geschäftsleute.

Hat er das eingehalten?

Greenfield: Ja, Burlington ist heute eine Stadt mit hoher Lebensqualität, in der jeder mitreden kann. Später vertrat er unseren Bundesstaat Vermont im Repräsentantenhaus und seit 2007 ist er unser Senator.

Ben Cohen: Wir haben endlich einen Präsidentschaftskandidaten, den man unterstützen kann. So viele amerikanische Politiker repräsentieren mich nicht, sie teilen meine Ansichten nicht, etwa zu Klimawandel oder Umweltschutz. Es ist großartig, dass Bernie so ähnlich tickt wie wir. Er ist der Einzige, der unabhängig ist von Großkonzernen und einzelnen Milliardären.

Bei Hillary Clinton ist das anders?

Cohen: Klar. Ich sage immer: Follow the money, schaut woher das Geld kommt. Hillary bekommt Spenden von Unternehmen, Wall-Street-Banken und der Pharma-Industrie. Sie hat ein Super-Pac (Political Action Committee, also eine sie unterstützende Lobbygruppe, die Red.) - die Finanziers dieser Wahlvereine bleiben oft unbekannt. Bernie ist der einzige Kandidat, dessen Kampagne nur von Bürgern finanziert wird. Obama hat auch viele Mini-Spenden bekommen, aber auch viele Schecks mit hohen Summen.

Und Obama hat 2012 auch ein Super-Pac genutzt, um seine Wiederwahl zu sichern. Er sagte damals: Ich bin sonst im Nachteil und kann nicht gewinnen.

Cohen: Ich dachte anfangs auch, dass Bernie einen Fehler macht, wenn er kein Political Action Committee startet. Heute verstehe ich, wie klug sein Plan ist. Er hat verstanden, dass er die USA nur ändern kann, wenn er von einer Massenbewegung im ganzen Land unterstützt wird. Seine Fans lieben ihn, weil er völlig unabhängig ist - und siehe da, er verfügt über genau so viel Geld wie Hillary.

Greenfield: Bernies Zeit ist einfach gekommen, hier und jetzt. Er redet seit Jahren über die enorme Ungleichheit in diesem Land. Die Finanzkrise mag nun vorbei sein, aber die Schere zwischen Armen und Reichen nimmt immer mehr zu.

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Macht Sie das wütend?

Cohen: Sehr. Es gibt eine Statistik, die ich nicht begreifen kann. Das reichste Prozent der US-Bürger besitzt mehr Vermögen als die unteren 90 Prozent. Ist das zu fassen? Die USA sind nicht mehr das Land der gleichen Chancen und Möglichkeiten, von dem man uns in der Schule erzählt hat.

Greenfield: Ich sehe zwei Probleme. Erstens: In den USA braucht ein Kandidat heute sehr viel Geld, um gewählt zu werden. Deswegen sind viele abhängig von den Spenden, die einige Superreiche und Firmen verteilen. Zweitens: Immer mehr Geld bündelt sich in den Händen von immer weniger Menschen, die immer mächtiger werden. Deshalb ist nicht jeder Amerikaner krankenversichert. Deshalb kann nicht jeder, der klug genug ist, ein College besuchen - er muss zehntausende Dollar Schulden aufnehmen. Und deshalb ist unser Mindestlohn so niedrig, dass Millionen Vollzeit arbeiten und trotzdem arm bleiben. Bernie ist der einzige, der das ändern will.

Haben Sie eigentlich auch für Obama Wahlkampf gemacht?

Cohen: Nein, wir sind nicht durchs Land gefahren, wie jetzt. Wir haben ihn unterstützt, das schon.