US-Regierung sperrt Anwesen Mögliche Spionage in allerbester Lage

Die Bootsanlegestelle des russischen Anwesens bei Centreville, Maryland.

(Foto: AFP)
  • Im Zuge der Sanktionen gegen den russischen Staat sperrt die US-Regierung zwei Sommeranwesen in Maryland und New York.
  • Von dort aus soll der russische Geheimdienst die USA jahrzehntelang ausspioniert haben.
  • Die USA werfen Russland vor, die Präsidentschaftswahl im November beeinflusst zu haben.
Von Johannes Kuhn, New Orleans

Mythen aus dem kalten Krieg faszinieren US-Amerikaner noch immer. Genau deshalb heizte am Donnerstag nicht nur die Ausweisung 35 russischer Diplomaten, sondern auch die Sperrung zweier russischer "Gelände" auf US-Boden die Fantasie an. Die Gebäude in Maryland und New York seien für "für das Sammeln geheimdienstlicher Informationen" genutzt worden, so die Begründung von Obama-Sicherheitsberaterin Lisa Monaco.

Obama bestraft Moskau wegen Hacker-Attacken

Der US-Präsident reagiert mit Sanktionen auf die Einmischung in den Wahlkampf. Die Ankündigung setzt Nachfolger Trump unter Druck. Von Hubert Wetzel mehr ...

"Sie stören niemanden", wird ein Immobilienmakler zitiert

Das klingt wie frisch aus der Spionage-Serie "The Americans", doch nichts ist so geheim, wie es scheint: Das Gelände in Maryland, idyllisch auf einer Halbinsel an der Ozean-Mündung zweier Flüsse gelegen, findet sich auf Google Maps unter "Russian Embassy's Country Retreat", ist also als Landsitz der russischen Botschaft vermerkt. Von Washington sind es nur 90 Minuten mit dem Auto.

1972 kaufte die Sowjetunion das Grundstück, im Gegenzug erhielten laut Washington Post die USA zwei Gebäude in Moskau. Das Gelände mit seinen Tennisplätzen, Bungalows und Swimming-Pool galt als Sommer-Ferienziel für sowjetische Diplomaten. "Man kann sich keine besseren Nachbarn vorstellen", wurde in einem Artikel von 1979 ein Immobilienmakler zitiert. "Sie stören niemanden."

Gerüchte über Spionage-Aktivitäten auf dem mit großen Sicherheitsvorkehrungen geschützten Anwesen hielten sich hartnäckig, ein Washington-Post-Reporter traf 1987 bei einer Führung nur Tennisspieler. Nach dem Zusammenbruch der UdSSR wurde die Russische Föderation zum Eigentümer. 2007 lud der russische Botschafter das Hochglanz-Magazin Washington Life auf das Grundstück ein und bezeichnete es als Datscha, also Sommeranwesen.

59 Zimmer, 14 Hektar Land

Bei dem New Yorker Grundstück soll es sich um eine prächtige Strandvilla in Long Island handeln (59 Zimmer, 14 Hektar Land), die offiziell von russischen UN-Diplomaten genutzt wird. Die Sowjetunion kaufte das Gelände bereits im Jahr 1951, zudem besitzt Russland auch ein Gebäude im Stadtteil Bronx. "Die Dächer (...) sind voller Antennen, um amerikanischen Unterhaltungen zuzuhören", schrieb 1985 ein ehemaliger sowjetischer Diplomat, der zu den Amerikanern übergelaufen war.

Wie genau beide Anwesen in der jüngeren Vergangenheit für Geheimdienst-Tätigkeiten genutzt wurden und wie diese in Zusammenhang mit der Hacking-Affäre stehen, hat die Obama-Regierung nicht erklärt. Der Schritt, den Zugang zu den beiden Luxus-Anwesen zu verwehren, dürfte auch symbolische Bedeutung haben.

Putins Hydra - wie russische Geheimdienste ticken

In Machtkämpfe verstrickt, unterwürfig gegenüber dem Präsidenten, mit Hang zum Risiko: Ein US-Experte beschreibt die russischen Geheimdienste als Gefahr für die internationale Gemeinschaft. Von Antonie Rietzschel mehr...