US-Moderator Der Mann, der Trump zum "Leberfleck" erklärt

John Oliver

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John Oliver nimmt in seiner Show den US-Präsidentschaftskandidaten auseinander. Mit Journalismus will der US-Moderator jedoch nichts zu tun haben.

Von Karoline Meta Beisel

Wenn man messen könnte, welcher Journalist dieser Tage mit seinen politischen Analysen die größten Erschütterungen im Netz auslöst, dann wäre das wohl ausgerechnet einer, der hartnäckig bestreitet, überhaupt Journalist zu sein. "Was ich mache, ist eindeutig Comedy", sagte US-Fernsehmoderator John Oliver erst im Februar dem Magazin Vulture.

Den Zuschauern dürfte herzlich egal sein, wie der 38-Jährige die ihm eigene Mischung aus Humor und tief greifender Recherche bezeichnen mag. Die langen Monologe mit Einspielern, die das Kernstück seiner wöchentlichen Show "Last Week Tonight" auf dem US-Sender HBO bilden, sind fast immer sehr lehrreich und lustig und verbreiten sich im Netz rasend schnell - obwohl sie oft schwierige oder eher trockene Themen behandeln: die Flüchtlingskrise, Korruption in der Fifa oder Netzneutralität. Im vergangenen Jahr gelang ihm ein Coup, als er Edward Snowden interviewte - und ihn den Patriot Act anhand von Penisbildern erklären ließ.

Am vergangenen Sonntagabend hat John Oliver sich den Bewerber um die republikanische Präsidentschaftskandidatur Donald Trump vorgenommen, "obwohl ich weiß, dass der jedes Mal einen erschütternden Orgasmus bekommt, wenn jemand seinen Namen sagt". Dabei hatte Oliver erst vor wenigen Wochen angekündigt, sich mit dem Klein-Klein des Wahlkampfs gar nicht erst befassen zu wollen: "Das machen schon genug andere."

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Jetzt hat er seine Meinung offenbar geändert. "Donald Trump ist wie der Leberfleck auf dem Rücken Amerikas", begann er seinen Beitrag. "Vor einem Jahr sah er noch harmlos aus, aber mittlerweile ist er so gruselig groß geworden, dass es nicht clever wäre, ihn weiter zu ignorieren."

In den folgenden 22 Minuten nahm er eine Behauptung Trumps nach der anderen auseinander - zum Beispiel die, dass er seine Kampagne selbst finanziert habe. Tatsächlich habe er der Kampagne Geld aus seinem Privatvermögen nur geliehen. "Wer glaubt, das sei dasselbe, der soll seiner Freundin zum Jahrestag mal etwas Schönes leihen", sagte Oliver. In einer Biografie über den Kandidaten las er, dass dessen Familie ursprünglich nicht Trump, sondern "Drumpf" geheißen habe. Der Hashtag #makedonalddrumpfagain - in Anlehnung an dessen Motto "Make America great again" wurde bei Twitter sofort zu einem der meistbenutzten Schlagworte.

Gelernt hat der Brite mit dem Cambridge-Diplom, der nach eigener Aussage "aussieht wie ein kurzsichtiger Papagei, der in einer Bank arbeitet", bei seinem Kollegen Jon Stewart. In dessen "Daily Show" arbeitete er als "Senior British Correspondent"; 2013 übernahm er für acht Wochen Stewarts Urlaubsvertretung und empfahl sich. Den Blick von außen, den des staunenden Europäers, behielt Oliver bei, als er 2014 seine eigene Show bei HBO bekam. Das dürfte der Grund sein, warum Oliver nicht nur in den USA, sondern auch in Europa so beliebt ist.

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