Umweltminister Altmaier Buddha der Kanzlerin

Merkels neuer Umweltminister ist einer, der gut über die Menschen denkt und redet. Altmaiers Güte wird der Unionsfraktion fehlen. Nun hat er nicht viel Zeit, um sich als Umweltminister zu bewähren. Wenn die bisher vertrödelte Energiewende überhaupt noch gut hinzukriegen ist, dann mit einem wie ihm, der für die Politik lebt und twittert.

Ein Kommentar von Heribert Prantl

Wer seine Geschäfte maschinenmäßig betreibt, der bekommt ein Maschinenherz: Der Satz ist alt, er stammt nicht vom Bundespräsidenten, sondern vom chinesischen Philosophen Zhuangzi. Die Entlassung des Bundesumweltministers Norbert Röttgen bietet die Gelegenheit, das Maschinenherz der deutschen Politik zu besichtigen; es arbeitet effektiv, präzise und gefühlskalt.

Röttgen hatte eine Wahl verloren und womöglich auch seine Autorität als Minister; er wurde ausgewechselt. Angela Merkel hat das getan, um nicht in Kürze bei der Bundestagswahl selbst ausgewechselt zu werden. Solch mechanistisches Handeln hat wenig mit dem christlichen Menschenbild zu tun, von dem Angela Merkel an Sonntagen gern spricht, aber viel mit einem sehr funktionalen Verständnis von Macht. Eine Regierung, diese schwarz-gelbe Regierung schon gar nicht, ist keine Maiandacht; sie ist ein Machterhaltungsmechanismus. Zu diesem Zweck hat Merkel nun ein angeblich abgenutztes Teil ersetzt. Das klingt herzlos, gefühllos und rücksichtslos; und das ist es auch. Aber so ist Politik.

Röttgen selbst hat genau so gehandelt, als er sich in Nordrhein-Westfalen den Vorsitz der CDU erkämpfte, um so seine Macht zu mehren; in seinem Fall freilich war das der Anfang vom Ende. Am Ende rächte es sich, dass er sich auf seinem Weg keine Freunde gemacht hat. Röttgen war respektiert, aber isoliert. Hätte Röttgen sich nicht so rücksichtslos gegenüber seinen Weggefährten an die Spitze des großen Landesverbandes NRW gedrängt - dann wäre er noch Minister in Berlin.

Er wäre nicht in die Verlegenheit gekommen, Spitzenkandidat im NRW-Wahlkampf sein zu müssen, er hätte Zeit gehabt, sich intensiver um die Energiewende zu kümmern. Er hat die furchtbarste Niederlage in der Geschichte der Landes-CDU zu verantworten. Nicht alles daran ist seine Schuld, aber vieles. Röttgen war wie Buridans Esel: Der konnte sich nicht zwischen zwei Heuhaufen entscheiden und ist deswegen verhungert. So ist es Röttgen mit Berlin und Düsseldorf ergangen. Manchmal hilft eben ein Maschinenherz nicht weiter.

Nun folgt Peter Altmaier. Der neue Umweltminister ist nicht smart und blitzgescheit, wie Norbert Röttgen es war und die jungen Herren von der FDP es sein wollen. Altmaier ist nur blitzgescheit; aber er ist leutselig; er hat noch kein Maschinenherz: Er ist einer, der gut über die Menschen denkt und redet, auch über den politischen Gegner. Seine Güte wird der Unionsfraktion, deren brillanter Geschäftsführer er war, jetzt fehlen.