Umstrittener Bahn-Posten Schäuble sieht Pofalla als Vorbild

Für Führungsaufgaben "hervorragend qualifiziert": Als erstes Regierungsmitglied nimmt Finanzminister Schäuble Ex-Kanzleramtsminister Pofalla gegen Kritik an dessen Jobplänen in Schutz. Wechsel von Politikern in die Wirtschaft gebe es in Deutschland noch viel zu selten, meint Schäuble.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat dem früheren Kanzleramtsminister Ronald Pofalla (beide CDU) in der Diskussion über dessen möglichen Wechsel zur Deutschen Bahn Rückendeckung gegeben. "Ich habe Ronald Pofalla als Chef des Kanzleramts erlebt. Er ist jemand, bei dem man ganz sicher nicht den geringsten Zweifel haben kann, dass er für Führungsaufgaben in vielen Bereichen herausragend qualifiziert ist", sagte Schäuble der Rheinischen Post.

Die deutsche Regierungszentrale zu leiten sei nicht irgendeine Aufgabe. "Viel größer geht es nicht in diesem Land", sagte Schäuble. Der Finanzminister ist damit das erste Regierungsmitglied, das Pofalla öffentlich gegen die massive Kritik an seinem offenbar bevorstehenden Jobwechsel in Schutz nimmt.

Seitensprünge zahlen sich aus

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Schäuble reagierte mit Unverständnis auf die Aufregung um den Fall Pofalla. Wechsel von Politikern in die Wirtschaft gebe es in Deutschland noch viel zu selten, monierte er. "Unser Problem in Deutschland ist doch eher, wenn man sich unsere Nachbarstaaten oder die USA anschaut, dass es zwischen Politik und Wirtschaft eher zu wenig als zu viel Austausch gibt." Die Debatte um Pofalla trage "nicht gerade dazu bei, dass das in Zukunft besser wird", sagte Schäuble.

Der Bahn-Aufsichtsrat wird sich am 30. Januar mit dem Fall befassen. In dem Gremium gibt es starke Vorbehalte gegen eine Berufung Pofallas in den Bahn-Vorstand, wo für ihn ein neuer Posten geschaffen werden soll. Pofalla soll als Chef-Lobbyist für politische Kontakte in Berlin und vor allem in Brüssel zuständig werden. Die offizielle Bestätigung der Personalie steht allerdings weiter aus.