Trump-Wahlkampf Manchmal wären sie gerne einfach aus Trumps Flugzeug gesprungen

US-Präsident Trump macht seine Späße gerne auf Kosten anderer. Hier trifft es Senator Mike Lee aus Utah.

(Foto: AFP)
  • Ein neues Buch über Trumps Wahlkampf enthüllt skurrile Details.
  • Es geht um Big Macs, offene Kekstüten und am Leib gebügelte Anzüge.
  • Manchen Mitarbeitern ist die Zeit mit Trump nicht gut bekommen.
Von Thorsten Denkler, New York

Große Leute haben großen Hunger. Und Trumps Appetit schien grenzenlos, wenn es um Produkte aus dem Hause McDonald's ging. "Zwei Big Macs, zwei Filet-O-Fish und ein Schokomilchshake (chocolate malted)", das war so eine Mahlzeit, die der heutige US-Präsident auf seiner Wahlkampftour im vergangenen Jahr verdrückte.

Gerne schallte dazu Musik von Elton John durch die "Trump Force One", jener privaten Boeing 757 mit dem Trump-Schriftzug, die ihn von Wahlkampfauftritt zu Wahlkampfauftritt brachte. Die Musik soll derart laut gewesen sein, dass die Mitglieder seines Wahlkampfteams an Bord keine klaren Gedanken mehr fassen konnten. An schlechten Tagen schrie Trump seine Mitarbeiter an, er würde ihnen "den Kopf abreißen". Und es soll nicht so geklungen haben, als sei das nicht wörtlich zu verstehen gewesen.

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Aufgeschrieben haben diese Anekdoten Trumps früherer Kampagnen-Manager Corey Lewandowski und David Bossie, der ebenfalls zu den führenden Leuten auf der Wahlkampftour von Trump gehörte. An diesem Dienstag kam ihr Buch "Let Trump be Trump", "Lasst Trump einfach Trump sein", in den US-Handel.

Es ist ein durchaus wohlmeinendes Buch. Beide sind beileibe keine Trump-Gegner. Auch wenn Lewandowski von Trump im Juni 2016 nach einem Streit mit dessen damaligem Chefstrategen Paul Manafort gefeuert wurde. Es ist gespickt mit Passagen und Anekdoten, die es selbst eingefleischten Trump-Fans schwermachen müssten, in ihrem Vorbild noch einen Sympathieträger zu sehen.

Bis zum Sommer 2016 lief Trumps Kampagne alles andere als glatt. Eine Krise folgte auf die nächste. Und sein größtenteils aus politischen Anfängern bestehendes Team sah sich einem Kandidaten gegenüber, der immer wieder von besprochenen Pfaden abwich und - wie heute - Gegner und vermeintliche Freunde vor allem auf Twitter in einer Weise anging, von der niemand ahnen konnte, dass genau dies der Schlüssel zu seinem Erfolg werden würde.

So erging es auch den Autoren. Früher oder später, schreiben sie, werde jeder, der für Trump arbeitet, eine Seite an ihm entdecken, die ihn sich fragen lässt, warum er den Job überhaupt angenommen hat. Sein "Zorn" sei niemals persönlich gemeint. "Aber manchmal ist es schwer, das so zu sehen." Wenn Dinge nicht so liefen, wie von Trump gewünscht, dann ließ er an einzelnen Mitarbeitern seine ganze Wut aus. "Das kann die stärksten Männer und Frauen in Stücke zerschmettern."

Beide Autoren schreiben, sie hätten Momente gehabt, in denen sie gerne aus der "Trump Force One" gesprungen wären.

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Eine der "größten Herabsetzungen in der Weltgeschichte", schreibt Lewandowski, habe allerdings Paul Manafort erleiden müssen. Manafort war zu Lewandowski Zeiten Trumps Chefstratege. Er übernahm später Lewandowskis Posten. Wurde aber selbst alsbald vom ultrarechten Publizisten Steve Bannon ersetzt, der Trumps Kampagne dann zum Sieg führte. Bossie und Bannon hatten vorher schon eng zusammengearbeitet. Bossie hat als Vertreter des ultrakonservativen Organisation "Citizen United" mehrere von Bannons Weltuntergangs-Filmen mitproduziert.

Trump jedenfalls war in einem Hubschrauber unterwegs, als er erfuhr, dass Manafort zu Mitarbeitern gesagt haben soll, Trump solle besser nicht mehr in den sonntäglichen Polit-Shows auftreten. Und dass es besser sei, wenn er, Manafort, für eine Zeit Trump dort vertrete. Das war keine gute Idee.

Trump soll sich Manafort umgehend ans Telefon geholt und übel angebrüllt haben. "Haben Sie gesagt, ich soll sonntags nicht mehr ins Fernsehen? Ich gehe ins Fernsehen, wann immer ich goddamn fucking will und Sie werden nie wieder auch nur ein fucking Wort dagegen sagen!" Manafort muss dann versucht haben, sich zu erklären. Trump aber wütet weiter: "Etwas herunterfahren? Ich dreh gleich richtig auf! Sie wollen ein politischer Profi sein? Lassen Sie mich Ihnen eines sagen: Ich bin ein geborener Profi. Ich kenne mich aus, ich kenne Leute wie Sie, mit Ihren Haaren und dieser Haut."

Auch Lewandowski bekam Trumps Stimmungen zu spüren. Einmal war er so krank, dass er im Flugzeug umgehend einschlief. Trump soll ihn dann geweckt haben mit den Worten: "Corey, wenn es dir zu viel wird, wir finden jemand anderen für deinen Job."

Da wundert nicht, dass Trump eines Abends einen Mitarbeiter einfach an einem Schnellimbiss stehen ließ, weil dessen Bestellung für Trumps Geschmack nicht schnell genug bearbeitet wurde. "Lassen wir ihn stehen", sagte Trump. "Fahren wir."

Fast Food war anscheinend die Hauptnahrung für Trump und seine Leute. Zwei Ketten dürfen sich rühmen, Trumps Magen gefüllt zu haben: McDonald's und Kentucky Fried Chicken. Außerdem war jede Art von Pizza gut genug. Als Getränk wurde jeweils Cola light serviert. Für zwischendurch sollen die Schränke der "Trump Force One" mit Kartoffelchips, Brezeln und cremegefüllten Vanillekeksen vollgestopft gewesen sein. Viele Packungen lagen halbvoll herum. Trump aß ausschließlich aus frisch angebrochenen Packungen. Aus Angst vor Krankheitserregern.

Für seine Pressesprecherin Hope Hicks hatte Trump eine besondere Aufgabe. Das Ex-Model Hicks ist eine Vertraute von Trumps Tochter Ivanka Trump und kam so in das Trump-Universum. Trump legte Wert darauf, dass er in frisch gebügelten Anzügen vor seine Anhänger trat. Es war Hicks, die für den knitterfreien Look des Kandidaten Sorge tragen musste. Es gab dafür einen speziellen Bedampfer. Hicks bedampfte Trumps Anzüge, während er sie trug. Erst das Jackett. Dann setzte er sich hin und sie dampfte seine Hose.

Die Zeit mit Trump ist manchen nicht gut bekommen. Lewandowski ist heute arbeitsloser Politikberater. Paul Manafort sitzt mit einem Bein im Knast, weil er dubiose Beziehungen zu Russland und zur Ukraine hatte. Der Sonderermittler in der Russland-Affäre, Robert Mueller, kümmert sich gerade intensiv um ihn. Bossie ist zurückgekehrt zu Citizens United. Für Hope Hicks hat sich die Bügelei allerdings ausgezahlt. Sie ist jetzt, gerade 29 geworden, Kommunikationsdirektorin im Weißen Haus. Ob sie in dem Job nach wie vor Trumps Anzüge am Leib aufdampfen muss, ist nicht überliefert.

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