Trump feuert Tillerson Chronik eines angekündigten Rauswurfs

"Trottel": Rex Tillersons und Donald Trumps gemeinsame Monate waren von vielen Meinungsverschiedenheiten geprägt.

(Foto: dpa)

Der Abgang des US-Außenministers hat sich seit Monaten abgezeichnet: Ein Überblick über Tillersons größte Meinungsverschiedenheiten mit Trump.

"Überrascht" war Rex Tillerson nach eigener Aussage, als ihm US-Präsident Donald Trump vor über einem Jahr den Außenministerposten angeboten hat. "Ich wollte diesen Job nicht", sagte er in einem Interview kurz darauf, "meine Frau sagte mir, ich solle ihn annehmen."

Ebenso überrascht soll Tillerson nun über seine Kündigung gewesen sein, die Trump per Twitter am Dienstag bestätigte. Neuer Außenminister soll CIA-Direktor Mike Pompeo werden. Nach Informationen des TV-Senders CNN war Tillerson bis zum Tweet des Präsidenten ahnungslos. "Der Minister hat nicht mit dem Präsident gesprochen und kennt die Gründe nicht", heißt es in einer Mitteilung des Außenministeriums. Andere Medien berichten hingegen, dass Trump Tillerson am Freitag gebeten habe, sein Amt zu räumen.

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Allerdings kriselte es zwischen den beiden Politikern schon seit Monaten. Immer wieder gab es Spekulationen über einen Rücktritt des Ex-Managers. Der 65-Jährige dementierte dies aber stets. Dabei war die Entfremdung zwischen Trump und Tillerson öffentlich zu beobachten. Ein Überblick über die größten Meinungsverschiedenheiten:

Juni 2017: Im Konflikt um Katar vertreten Trump und Tillerson konträre Positionen. Während der US-Präsident das kleine Golf-Emirat als "Finanzier von Terrorismus" bezeichnet, fordert sein Außenminister Saudi-Arabien kurz zuvor auf, die Isolation Katars zu beenden. Nicht nur bei diesem Konflikt zeigt sich Tillerson beschwichtigend, Trump hingegen provokant. So spricht sich der Außenminister auch gegen eine Aufkündigung des Iran-Abkommens aus. Und er soll sich empört über den Ausstieg aus dem Pariser Klimavertrag gezeigt haben. Auch in der Russland-Politik traten Differenzen deutlich zutage: Tillerson gibt sich deutlich kritischer gegenüber Moskau als Trump. Der New York Times zufolge soll Tillerson schon des Öfteren seinen Frust darüber geäußert haben, wie wenig Trump von Außenpolitik verstehe.

August 2017: Tillerson ist über das Auftreten von US-Präsident Trump nach den Ausschreitungen von Charlottesville verärgert. In der Kleinstadt in Virginia waren Neonazis aufmarschiert, es kam zu heftigen Kämpfen mit Gegendemonstranten, eine Frau wurde getötet. Trump hatte die Schuld an der Gewalt ausdrücklich "beiden Seiten" gegeben. Tillerson reagiert darauf überraschend harsch. In einem Interview mit dem Sender Fox News distanziert er sich von Trump, er sagt unter anderem: "Der Präsident spricht für sich selbst." Trump gegenüber ist das ein deutlicher Affront.

Oktober 2017: Im Konflikt mit Nordkorea zeigt sich erneut, wie unterschiedlich Tillerson und sein Chef in vielen Fragen denken. Der Außenminister bietet diplomatische Gespräche mit dem Regime in Pjöngjang an, die Trump als "Zeitverschwendung" öffentlich schmäht.

Der Sender NBC berichtet im gleichen Monat von einem Streit zwischen Trump und Tillerson. Demnach hat der Außenminister seinen Chef bei einem Treffen im Juli einen "moron" genannt - dies lässt sich wohlwollend mit "Trottel" übersetzen. Ursache sollen Meinungsverschiedenheiten in verschiedenen politischen Fragen gewesen sein. Tillerson soll in dieser Zeit sogar drauf und dran gewesen sein, seinen Job hinzuwerfen, heißt es weiter. Das jedoch dementiert der Chefdiplomat bei einer Pressekonferenz, die er als Reaktion auf den Bericht eilig einberuft.

November 2017: Der Konflikt zwischen Trump und seinem Chefdiplomaten spitzt sich zu. In einem Interview mit Fox News sagt der US-Präsident, er wisse nicht, ob er Tillerson für die gesamte Amtszeit auf dem Posten belassen werde. Er sei nicht glücklich darüber, dass einige im Außenministerium seine Politik nicht unterstützten.

März 2018: Am 9. März teilt Außenminister Tillerson öffentlich mit, dass es weder "realistisch" noch "umsichtig" wäre, mit Kim Jong-un Gespräche zu führen. Wenige Stunden später gibt Trump bekannt, dass er zu einem Treffen mit Nordkoreas Diktator bereit sei, um über eine Einstellung von dessen Atomprogramm und ein Ende der Raketentests zu sprechen.

Hier wurde offensichtlich, dass der 65-jährige Texaner bei seinem Chef nicht mehr Gehör findet. Trump berichtete zuletzt sogar freimütig, dass er den Chefdiplomaten nicht in die Entscheidung für das Treffen einbezogen habe - Tillersons Demontage, der sogenannte "Rexit", dürfte da schon längst beschlossene Sache gewesen sein.

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